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Wirtschaft

Der ukrainische Fußball gehört den Oligarchen

Anfang der neunziger Jahre waren die meisten ukrainischen Fußballclubs pleite. Doch dann kamen neureiche Industriebosse und mit ihnen eine neue Ära im ukrainischen Fußball.

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Das Nationalteam wird von Industriebossen zur WM begleitet

Seit etwa zehn Jahren ist die ukrainische Meisterschaft eigentlich nur ein sportliches Duell zwischen zwei ambitionierten Oligarchen: Grigori Surkis, der Besitzer mehrerer regionaler Energieunternehmen, und der Stahlbaron Rinat Achmetow sind Eigentümer der beiden traditionsreichsten und beliebtesten Klubs des Landes: Dynamo Kiew und Schachtar Donezk. Geld spielt in diesem Duell keine Rolle: Brasilianische Stürmer werden eingekauft, renommierte Trainer aus dem Ausland verpflichtet, teure Stadien gebaut.

Riesige Ausgaben

Ukraine Rinat Achmetow

Stahlbaron Rinat Achmetow

Am Anfang war Dynamo Kiew noch überlegen. Doch Schritt für Schritt hat der reichste Mann des Landes, Milliardär Rinat Achmetow, mit seinem Klub aus Donezk aufgeholt. Inzwischen wurde Schachtar schon drei Mal ukrainischer Meister, zuletzt zwei Mal in Folge. Doch dieser Erfolg hat seinen Preis, bemerkt der ukrainische Sport-Kommentator Jewhen Sintschenko. Achmetow gibt für seinen Klub inzwischen drei Mal so viel Geld aus wie sein Rivale aus Kiew.

"Das Jahresbudget des Klubs beträgt mehr als 84 Millionen Dollar. Nicht viele Klubs in Italien, Spanien oder England können so viel Geld ausgeben" sagt Sintschenko. Alleine der brasilianische Spieler Francelino Matuzalem habe Achmetow 14 Millionen Dollar gekostet, sein Gehalt betrage einige Millionen pro Jahr. "Der rumänische Trainer Lucescu ist einer der zehn besten und teuersten Europas. Das ist also alles ein sehr teures Vergnügen".

Kaum Einnahmen

Sollte Achmetow irgendwann die Lust verlieren, immer mehr Geld in den Klub zu pumpen, wäre alles vorbei. Denn im ukrainischen Fußball könne man kein Geld machen, meint Jewhen Sintschenko. Denn die Einnahmen durch Senderechte und Werbung sind nicht mit denen in Westeuropa zu vergleichen. "Das sind nur Peanuts im Vergleich zu den 84 Millionen, die ausgegeben werden." Für Achmetow oder Surkis seien die Clubs ein Hobby, für andere Oligarchen im ukrainischen Fußball sei die Beteiligung eine Prestigesache. "Eigentlich ist es in der Ukraine Mode geworden, sich um den Sport zu kümmern", sagt Sintschenko.

Inzwischen sind alle Klubs in der ersten Liga von Unternehmern aufgekauft. Einige Klub-Besitzer kennen sich nicht einmal mit den Spielregeln aus, sagt Sintschenko. Aber es geht wohl auch nicht nur um das Spiel. Für Stahlbaron Achmetow sind die Erfolge seiner Jungs auf dem Rasen eine Art Genugtuung. Denn seit der "Revolution in Orange" bereiten ihm die Politik und das Stahlgeschäft Kopfschmerzen: Die staatlichen Subventionen für seine Kohlengruben sind zum Großteil gestrichen, großzügige Steuernachlässe sind weg. Hinzu kommt: Gemeinsam mit dem Schwiegersohn des Ex-Präsidenten Kutschma hatte er vor einigen Jahren das größte Stahlwerk des Landes auf dubiose Weise für einen Bruchteil des wirklichen Preises vom Staat erworben. Doch vergangenes Jahr musste Achmetow das Werk wieder an den Staat zurückgeben, damit es noch einmal privatisiert werden konnte.

Unter Druck

Auch externe Faktoren bereiteten Achmetow zunehmend Probleme, sagt Volodymyr Ryaboschlyk, Experte des Instituts für Wirtschaftsreformen. "In der letzten Zeit gerieten seine Unternehmen in doppelte Schwierigkeiten: Zum einen sind die Energiepreise drastisch gestiegen. Zum anderen sind die Stahlpreise auf den internationalen Märkten gefallen, die Nachfrage hat etwas nachgelassen", erklärt Ryaboschlyk. Dazu komme die immer stärkere Konkurrenz aus China.

Billige Ressourcen und Arbeitkräfte machten Stahlexporte aus der Ukraine jahrelang profitabel. An teure Modernisierungen dachte niemand. Aber die fetten Jahre sind vorbei. Es sei höchste Zeit, dass die Stahlproduzenten das jahrelang im Ausland gewaschene Geld wieder in der Ukraine in neue Technologien investieren, sagt Volodymyr Ryaboschlyk.

Als Besitzer der führenden Fußballklubs haben Rinat Achmetow und Grigori Surkis strategisches Denken bewiesen. Seit einigen Jahren investieren sie in talentierten Nachwuchs für die Klubs, statt, wie früher, nur Scharen von Brasilianern zu verpflichten. Die neue Generation der Fußballtalente aus Kiew und Donezk fährt in wenigen Tagen zur WM nach Deutschland. Achmetow und Surkis sind natürlich dabei und drücken die Daumen.

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