1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Der Turmbau zu Taipeh

Nun haben Bauarbeiter die Spitze aufgesetzt - damit ist "Taipeh 101" der höchste Bürobau der Welt. Der taiwanesische Wolkenkratzer ragt 508 Meter in den Himmel.

default

"Taipeh 101"

101 Stockwerke hat das Gebäude - deshalb heißt es bei den Taiwanern auch "Taipeh 101". Ein wenig sieht es aus wie aufeinander gestapelte Kartons, die Architekten bevorzugen den Vergleich mit einem Bambusspross. Mit seiner 60 Meter langen Spitze überholt der Wolkenkratzer den bisherigen Rekordhalter, die Petronas-Towers in Kuala Lumpur - lächerliche 452 Meter hoch.

Nur der Innenausbau fehlt noch

Die Außenarbeiten sind abgeschlossen. Jetzt machen sich die Arbeiter an den Innenausbau im "Taipeh 101", vor allem vom Erdgeschoss bis zur sechsten Etage: Dort sollen schließlich schon Mitte November 2003 verschiedene Läden eröffnen. Außerdem soll der Riesenturm 72 Stockwerke mit Büroräumen beherbergen sowie mehrere Etagen mit Clubs und Restaurants. Die sollen aber erst Ende 2004 fertig sein.

"Taipeh 101" ist nicht nur wegen seiner Höhe ein spektakulärer Bau; immerhin befinden sich darin die höchstgelegenen Büros der Welt, sagen die Konstrukteure. Der Wolkenkratzer hat auch die schnellsten Fahrstühle auf dem Globus: Sie sausen in nur 39 Sekunden vom Erdgeschoss zur 89. Etage.

Auf Schlamm gebaut

Bemerkenswert ist an dem Turm auch der Boden, in und auf dem er steht. Denn in Taiwan bebt die Erde recht oft. Die Ingenieure versichern aber, die nächste geologische Störungszone liege 200 Meter vom Gebäude entfernt und sei außerdem seit 45.000 Jahren nicht mehr aktiv. Bei den Bauarbeiten bebte die Erde trotzdem. Im März 2002 starben sieben Menschen, als sich bei einem Beben zwei Kräne lösten und in die Tiefe krachten - vom 56. Stockwerk aus. Bauelemente durchschlugen Betondecken. Doch der fertige Bau soll Erdbeben der Stärke sechs auf der Richter-Skala standhalten.

Das zweite Problem mit dem Boden: "Taipeh 101" steht auf matschigem Sumpfland; auf Felsen stößt man erst in 60 Meter Tiefe. Also mussten die Arbeiter für das Fundament 550 Stahlpfeiler 80 Meter tief in den Grund rammen. Obendrein wird der Bau durch acht Säulen gehalten - mit Beton gefüllte Stahlpfeiler, drei mal zweieinhalb Meter dick.

Wenn der Wind weht

Die dritte Schwierigkeit für den taiwanesischen Turbo-Turm sind die Stürme. Jedes Jahr tosen Taifune mit einer Geschwindigkeit von mehr als 200 Kilometern pro Stunde über die Stadt hinweg, und dabei fangen die hohen Häuser an zu schwanken. "Taipeh 101" trägt deshalb den größten Schwingungsdämpfer der Welt in seinem Innern. In Etage 88 ist eine monströse Stahlkugel mit 660 Tonnen Gewicht an acht Stahlseilen aufgehängt. Sie soll den Turm stabilisieren und Schwingungen ausgleichen. Bei einem Erdbeben halten hydraulische Zylinder die Kugel davon ab, die Wände zu durchschlagen.

An "Taipeh 101" wird seit 1999 gearbeitet. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatten die Planer kurzfristig daran gedacht, nun doch nicht das höchste Bürogebäude der Welt daraus zu machen. Aber die Statiker gehen davon aus, dass der Tower selbst einem hineinrasenden Flugzeug länger standhält als das New Yorker World Trade Center.

Rekordhalter - nur vorübergehend?

Trotz aller Mühen ist "Taipeh 101" noch nicht das höchste Gebäude überhaupt - diesen Rekord hält der CN-Tower in Toronto, ein 553 Meter hoher Fernsehturm. Auch den Titel "welthöchster Bürobau" muss der Turm womöglich bald wieder abgeben: An das Shanghai Financial Center, das 2007 fertig sein soll. (reh)

WWW-Links