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Kultur

Der "Tsunami" der USA

Nach dem Hurrikan gerät die Lage in den betroffenen Gebieten der USA zunehmend außer Kontrolle. Es werden hunderte von Toten befürchtet, die Millionenstadt New Orleans wird bald komplett geflutet sein.

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Gestrandete Ölplattform

In den vom Hurrikan "Katrina" verwüsteten Katastrophengebieten im Südosten der USA spitzt sich die Lage weiter zu. In New Orleans wird die Lage nicht besser, sondern von Stunde zu Stunde immer schlechter. Nach zwei Dammbrüchen kündigte die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, die vollständige Evakuierung von New Orleans an. Der Wasserspiegel stieg in einigen Stadtteilen bis auf sechs Meter an. Hunderte Menschen harren noch immer auf den Dächern ihrer Häuser aus und warten auf Rettung.

"Die Schüssel füllt sich"

Hurrikan Katrina Luftbild auf das überflutete New Orleans

Luftbild des überfluteten New Orleans

Rund drei Viertel des Stadtgebiets von New Orleans liegen unter dem Meeresspiegel. Behörden teilten mit, dass alle Maßnahmen zur Eindämmung der Fluten gescheitert sind. Weil immer mehr Pumpen versagen, droht die Metropole innerhalb der nächsten 15 Stunden nahezu vollständig im Wasser zu versinken. "Die Schüssel füllt sich", sagte der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, im Interview mit einem lokalen Fernsehsender. Durch das ständig steigende Wasser funktionieren die Generatoren nicht mehr. Leitende Techniker der Wasserversorgung erwarten, dass der Wasserspiegel in Teilen der Stadt die Höhe des nahe gelegenen Lake Pontchartrain erreichen wird.

Nagin rief die Menschen, die sich noch in New Orleans befinden, auf, sich außerhalb der Stadt in Sicherheit zu bringen. Das werde angesichts des weiter steigenden Wassers aber sehr schwierig. Das gelte auch für die Menschen im Football-Stadion Superdome. In dem als Notunterkunft ausgewiesenen Football-Stadion herrschen katastrophale Zustände, nachdem sich die Zahl der Flüchtlinge dort auf mindestens 30.000 verdreifacht hat. Strom und Klimaanlage ausgefallen. Die Toiletten seien mittlerweile unbenutzbar, sagte Gouverneurin Blanco. Um die Arena stand das Wasser knietief. Innerhalb von zwei Tagen soll der Superdome nun durch das Militär evakuiert werden.

Zahl der Toten wird noch steigen

In Mississippi wurde nach den Worten von Gouverneur Haley Barbour ein rund 100 Kilometer langer Küstenstreifen zu 90 Prozent zerstört. Es habe wie nach einem Angriff mit Atomwaffen ausgesehen, sagte Barbour dem Nachrichtensender CNN. Die Zahl der Todesopfer liege in Mississippi derzeit zwischen 50 und 80. "Wenn Sie diese Zerstörung sehen, ist alles möglich", antwortete Barbour auf die Frage, ob sich die Zahl der Toten weiter erhöhen werde. Die Zahl der Toten stieg allein in einem Bezirk auf mehr als 100. Der Leiter der Behörde für Zivilverteidigung des Bezirks Harrison, Joe Spraggins, befürchtet, dass sich diese Zahl noch verdoppeln oder verdreifachen könnte.

Bildgalerie Hurrikan Katrina in New Orleans

Wenn das Wasser weg ist: Blick auf Biloxi

Allein in der Kleinstadt Biloxi kamen nach Angaben des Katastrophenschutzzentrums 30 Menschen in einem Wohnblock um, der weitgehend zerstört wurde. "Das ist unser Tsunami", sagte der Bürgermeister A.J. Holloway. Auch die Stadt Gulfport wurde völlig verwüstet. In Louisiana werden ebenfalls zahlreiche Todesopfer befürchtet. Allein dort sind eine Million Menschen obdachlos geworden. Mit Booten und Hubschraubern versuchen die Rettungskräfte Menschen von Balkonen und Hausdächern in Sicherheit zu bringen.

Bohrinseln losgerissen

Nach Angaben der US-Küstenwache hat der Hurrikan mehrere schwimmende Ölbohrinseln im Golf von Mexiko losgerissen. Die Plattformen seien bis zu 27 Kilometer von ihrem ursprünglichen Standort weggeschwemmt worden. Öl- und Gasgesellschaften verschafften sich per Hubschrauber einen Überblick über die Schäden vor der Küste. Wie der US-Sender CNN am Mittwoch berichtete, musste in Mobile (Alabama) eine Brücke gesperrt werden, weil eine losgerissene Ölplattform gegen einen Pfeiler geschwemmt worden war.

Wegen des Hurrikans waren nach Angaben des staatlichen Minerals Management Services (MMS) 645 bemannte Ölplattformen oder 78,75 Prozent aller Bohrinseln sowie 90 andere Anlagen im Golf von Mexiko evakuiert worden. Die Förderung von mehr als einer Million Barrel Öl am Tag kam zum Erliegen. Im Golf von Mexiko wird mehr als ein Viertel des amerikanischen Öls und Erdgases gefördert. US-Präsident Georghe W. Bush gab unterdessen die strategische Ölreserve der USA frei.

Plünderungen und Kriegsrecht

In der Canal Street in New Orleans plünderten Dutzende Menschen Bekleidungs- und Schmuckgeschäfte. Nach Angaben der Polizei schoss ein Plünderer einen Polizisten nieder. Soldaten der Nationalgarde haben hier Positionen bezogen, um Plünderungen der Hotels zu verhindern. In mehreren Bezirken wurde das Kriegsrecht ausgerufen.

Nachdem "Katrina" den Osten von Mississippi durchquert hatte, wurden nur noch Windgeschwindigkeiten von knapp 60 Stundenkilometern gemessen, und der Hurrikan wurde zum Tropensturm herabgestuft. Doch auch auf seinen voraussichtlich nächsten Stationen in Tennessee und Ohio wurden noch heftige Regenfälle erwartet. Und die Meteorologen gaben keine Entwarnung: In den kommenden Tagen könnten sich über dem Südosten der USA neue gefährliche Tornados bilden.

Teuerster Sturm aller Zeiten

Ersten Schätzungen des Risiko-Management-Unternehmens AIR Worldwide zufolge entstanden durch "Katrina" Schäden bis zu 26 Milliarden Dollar. Damit wäre der Hurrikan der teuerste, der die USA jemals heimsuchte. (sams)

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