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Europa

Der tschechische Solarkönig

Eine der größten Solar-Kraftwerke in Ost- und Mitteleuropa wurde errichtet vom tschechischen Unternehmen "Hitech Solar“. Den erfolgreichen Firmenchef Vladimír Mlečka hat Daniel Kortschak getroffen.

Blick auf die Solaranlage (Daniel Kortschak)

Eine der größten Solar-Kraftwerke in Ost- und Mitteleuropa steht in Tschechien

Uherské Hradiště ist eine Kleinstadt ganz im Osten Tschechiens, nahe der slowakischen Grenze. Der stattliche Bahnhof ist frisch renoviert. Gleich gegenüber hat in einem unscheinbaren Einfamilienhaus die Firma "Hitech Solar“ ihren Sitz.

Firmenchef Vladimír Mlečka erwartet mich schon: Der Enddreißiger wirkt leicht gestresst. Obwohl es noch nicht Mittag ist, hat er schon einige Termine hinter sich, weitere warten. Er schlägt vor, gleich in Richtung seines Kraftwerks aufzubrechen.


Zum größten Solar-Kraftwerk Tschechiens


Firmenchef Vladimír Mlečka (Daniel Kortschak)

"Hightech Solar"-Firmenchef Vladimír Mlečka

Wir steigen in den schwarzen Geländewagen des Firmenchefs. Beinahe lautlos gleiten wir dahin. Vladimír Mlečka klärt mich auf. Es ist ein Hybrid-Fahrzeug: Bis etwa 50 Kilometer pro Stunde fährt der Wagen mit Strom aus den im Heck eingebauten Batterien, bei höheren Geschwindigkeiten schaltet sich automatisch der Benzinmotor zu. Wir machen die Probe aufs Exempel: Kaum haben wir das Ortsgebiet verlassen, beschleunigt Mlečka und deutlich hörbar springt der Benzinmotor an. Ein Fahrzeug mit Zukunft, meint der Unternehmer.

Nach etwa fünf Kilometern Fahrt durch die sanften Hügel biegt Vladimír Mlečka in einen Feldweg ab und hält vor einem unscheinbaren Zaun an. Dahinter erstrecken sich Solarpaneele, so weit das Auge reicht: Wir stehen vor dem derzeit größten Sonnenkraftwerk Tschechiens. Sichtlich stolz erklärt Mlečka die Anlage: Seit eineinhalb Jahren produziere man hier Strom, völlig emissionsfrei, sagt er. Über sieben Millionen Euro habe er investiert.

Dies ist der vorläufige Höhepunkt in der rasanten Entwicklung von "Hitech Solar“. Seit fünf Jahren sei man aktiv, erzählt Mlečka. Im Jahr 2003 habe man eine Anlage mit einer Leistung von zwei Kilowatt installiert, als es noch keine garantierten Preise für Solarstrom gegeben habe. "Diese Solaranlage funktioniert übrigens immer noch“, bemerkt er.

Erfolg motiviert

Es war eine der ersten kommerziell genutzten Solaranlagen in Tschechien. Der Erfolg motivierte Vladimír Mlečka, in größeren Dimensionen zu denken. "Mein zweites Projekt war eine Anlage in Ostböhmen. Die hat bereits eine Leistung von 60 Kilowatt.“ Seit beinahe drei Jahren läuft dieses Kraftwerk – mit der dreißigfachen Leistung des ersten Projektes - weitgehend störungsfrei.

Firmenchef Mlečka greift zum Handy und gibt kurze Anweisungen. Kurz darauf erscheint der Verwalter und öffnet uns das Tor. Er ist der einzige ständige Mitarbeiter, die Anlage läuft sonst weitgehend automatisch.

Vom "Öko-Spinner“ zum erfolgreichen Geschäftsmann

Mehrfachsteckdose (09.10.2006/Roland Weihrauch/dpa/lnw)

Strom aus Solarenergie: die umweltfreundliche Alternative

Als er vor rund fünf Jahren in den Solar-Markt eingestiegen sei, sei er oft belächelt worden, erzählt Mlečka. Er habe wohl zu viel Geld, wenn er in so etwas investiere. Manche hätten ihn gar zum "Öko-Spinner“ abgestempelt.

Doch er war überzeugt von seiner Geschäftsidee: Bei Reisen nach Österreich und Deutschland seien ihm die vielen Solaranlagen auf den Einfamilienhäusern aufgefallen. Das brachte ihn auf die erfolgreiche Idee: Mlečka verdient inzwischen gut mit dem Solar-Strom – wie gut, das möchte er nicht sagen. Das liegt auch den großzügigen öffentlichen Förderungen für Öko-Energie in Tschechien. Natürlich ging es ihm in erster Linie darum, Geld zu verdienen, sagt Vladimír Mlečka offen. Doch er möchte eben auch ein gutes Beispiel sein.

Konkurrenz nach Solarboom

Ob er schon Pläne habe für weitere Sonnenkraftwerke, frage ich Mlečka. "Die sind sogar schon sehr konkret“, meint der Firmenchef, aber leider könne man darüber nicht mehr öffentlich sprechen. Der beginnende Solar-Boom in Tschechien bringe einen "regelrechten Kampf um die besten Grundstücke“ und die geeignetsten Dächer mit sich.

Tschechien erlebe zurzeit einen regelrechten Solarboom, ergänzt er. Deshalb habe er auch so vielen Termine, grinst er. Ein Kunde, der sich für eine Solaranlage für sein Einfamilienhaus interessiert warte schon, sagt Mlečka. Und gleitet in seinem Hybrid-Wagen beinahe lautlos davon.

Autor: Daniel Kortschak
Redaktion: Mareike Röwekamp

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