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Deutschland

"Der Traum vom eigenen Auto ist überholt"

Andreas Becker, Wirtschaftsredaktion (Foto: DW)

Andreas Becker, Wirtschaftsredaktion

Vorneweg: Ich bin wahrlich kein Autohasser. Ich liebe es sogar, über einsame Landstraßen in den Sonnenuntergang zu fahren. Doch mein eigenes Auto habe ich vor Jahren abgeschafft. Seitdem bewege ich mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Außerdem mache ich Carsharing - in meiner Stadt teile ich mir ein paar hundert Autos mit vielen tausend Menschen. Buchen kann ich per Telefon und Internet, abgerechnet wird nach Zeit und gefahrener Strecke. Jedes einzelne Auto ist dabei gut ausgelastet. Wirtschaftlich und ökologisch ist das eine recht effiziente Nutzung von Ressourcen.

Das Prinzip des Wagen-Teilens berührt ein Grundproblem der automobilen Entwicklung. Sicher: ein Auto gibt dem Besitzer größtmögliche Mobilität, doch wenn alle ein Auto haben, geht nichts mehr: Benzinverbrauch, Umweltverschmutzung, endlose Staus. In aufstrebenden Ländern wie China und Indien ist das in den großen Städten schon heute der Fall. Dabei stehen diese Länder erst am Anfang ihrer automobilen Entwicklung. Auf 1000 Einwohner kommen hier gerade einmal 20 Autos, in Deutschland sind es fast 600.

Beim Auto ist es also ähnlich wie beim Energieverbrauch oder beim Fleischkonsum. Es ist okay für wenige und ein Desaster, wenn es alle machen. Global gesehen ist Autofahren heute ebenso elitär wie zu Beginn des automobilen Zeitalters, als sich nur ein paar Reiche einen Wagen leisten konnten. Wer ernsthaft daran interessiert ist, dass sich die wirtschaftliche Ungleichheit auf der Welt verringert, der muss über Alternative nachdenken. Neue Antriebsformen wie Elektro- oder Solarautos sind wichtig für die Zukunft. Doch die Vorstellung, dass jeder Mensch ein Auto braucht, ist definitiv von gestern.

Autor: Andreas Becker
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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