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Deutschland

Der Tragödie zweiter Teil

Die deutschen Bildungspolitiker kommen nicht zur Ruhe. Die Hiobsbotschaft vom Dezember vergangenen Jahres ist noch nicht verdaut, da kommt auch schon die nächste: Der innerdeutsche Ländervergleich.

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Bildung ist Chefsache

Damit steht die nationale Bildungsreform endgültig ganz oben auf der politischen Agenda. Vorberichten zufolge belegen die unionsgeführten Länder Bayern und Baden-Württemberg die Spitzenplätze auf der innerdeutschen Rangliste und schneiden damit weit besser ab als SPD-regierte Bundesländer. Diese Unterschiede ergeben sich aus der Tatsache, dass die Bildungshoheit bei den Ländern selbst liegt.

Diskussionen über Kompetenzen von Bund und Ländern sowie gegenseitige Schuldzuweisungen füllen nun die Schlagzeilen. Drei Monate vor der Bundestagswahl scheint es umso schwieriger eine sachliche Debatte über notwendige Reformen zu führen.

Schon im Dezember als die Ergebnisse der Pisa-Studie im internationalen Vergleich vorgestellt wurden, ging ein Aufschrei durch die Nation. Deutschland landete auf Platz 21 der Länderliste und damit im unteren Drittel des OECD-Vergleichs.

Pisa-Fiasko in Deutschland

Besonders bitter traf die Deutschen, dass fast jedes vierte Kind große Schwierigkeiten beim Lesen hat. 13 Prozent der Jugendlichen schafften gerade die unterste Stufe der Lesekompetenz. Ähnlich schlecht waren die Werte beim Rechnen und in den Naturwissenschaften.

Außerdem legte die Studie offen, dass der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Schulleistungen in Deutschland überdurchschnittlich groß ist und durch die Schule nicht aufgefangen wird. Die jahrelang gepriesene Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem hat einen ernüchternden Dämpfer erfahren.

Reformstau versus Reformbedarf?

Mit Blick auf den Pisa-Sieger Finnland wird das Thema Ganztagsschule nun auch in Deutschland breit diskutiert. Kinder sollen besser betreut, Familien, vor allem alleinerziehende Mütter, entlastet und das Angebot an den Schulen erweitert werden.

Für den Ausbau von 10.000 Ganztagsschulen und für den besseren Schulunterricht für Ausländerkinder will der Bund vier Milliarden Euro bereitstellen, kündigte Bundeskanzler Gerhard Schröder kürzlich an.

Nach langen Debatten haben sich Bund und Länder bei einem Bildungsministertreffen am Montag (17. Juni 2002) darauf geeinigt, das Projekt gemeinsam zu unterstützen. Die Unionsminister hatten ursprünglich auf die alleinige Zuständigkeit der Länder in Schulfragen gepocht. Nun scheint zumindest hier ein Konsens erreicht. Noch in dieser Woche soll ein umfassendes Reformprogramm im Kabinett beschlossen werden.

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