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Reise

Der Tourismus boomt - und seine Nebenwirkungen auch

Der weltweite Tourismus wird auch 2017 ein neues Rekordjahr feiern. Den negativen Auswirkungen auf Einheimische und Umwelt wollte die UNWTO mit einem Jahr der Nachhaltigkeit begegnen. Zeit für eine vorläufige Bilanz.

Es ist das letzte große Projekt des Generalsekretärs der Welttourismusorganisation (UNWTO), Taleb Rifai. Der Jordanier beendet im Dezember seine zweite Amtszeit. Mit dem für das Jahr 2017 ausgerufenen internationalen Jahr der nachhaltigen Tourismusentwicklung wollte Rifai das Problembewusstsein für die Folgen des weltweit steigenden Tourismus schärfen und die entwicklungspolitischen Chancen deutlich machen.

China Taleb Rifai, UN Welttourismusorganisation (picture-alliance/dpa/Photoshot/J. Hongjing)

Taleb Rifai, Generalsekretär der Welttourismusorganisation (UNWTO)

Damit habe die internationale Gemeinschaft anerkannt, dass der Tourismus inzwischen eine der stärksten Kräfte der Welt sei, er beschäftige Millionen Arbeitnehmer und verändere das Leben der Menschen, sagte Rifai der DW. 

2016 sind weltweit über 1,23 Milliarden Menschen über Ländergrenzen hinweg verreist. Global hängt jeder 11. Arbeitsplatz vom Tourismus ab. In vielen Ländern ist er die Haupteinnahmequelle. Also auch ein Motor für die ökonomische Entwicklung ärmerer Regionen - wenn das Feld nicht dem Massentourismus und globalen Anbietern überlassen wird.

Nachhaltigkeit - was heißt das?

Dabei umfasst das Ziel eines nachhaltigen Tourismus vielfältige Aspekte des Reisens. Das beginnt etwa mit der Frage der Klimabelastung durch Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe, führt über Wasserverschwendung und Abfallproduktion durch die Touristen bis zur Zerstörung der Natur und der Lebensräume der am Reiseziel beheimateten Menschen.  

Spanien Protest gegen Tourismus in Barcelona (picture-alliance/Anadolu Agency/A. Llop)

Barcelona - Einheimische versperren Touristen den Weg ans Meer

Während die UNWTO 2017 an verschiedenen Orten zu Konferenzen einlud, um einzelne Aspekte für nachhaltige Entwicklung herauszuarbeiten, gab es gleichzeitig lautstarke Proteste gegen den Massentourismus - vor allem in europäischen Hotspots wie Venedig, Rom, Barcelona und Mallorca. So haben nicht zuletzt diese Warnungen vor dem "Overtourism" die Relevanz einer nachhaltigen Entwicklung verdeutlicht.

In einer Konferenz der UNWTO Ende November in Jamaica ging es um die Frage, wie die einheimische Bevölkerung stärker vom Tourismus profitieren kann. Besonders für Frauen, die 57 Prozent der Beschäftigten im Tourismus ausmachen, könnte eine nachhaltigere Tourismusentwicklung auch ein Jobmotor sein. Verbreitet sei dieses Bewusstsein leider noch nicht.

Half Moon Club, Montego Bay, Jamaica (picture-alliance/dpa/Robert Harding Productions)

Montego Bay, Jamaika

Generalsekretär Taleb Rifai warnte auch Karibik-Reiseveranstalter davor, weitere Luxus-Resorts in ärmeren Regionen zu errichten. Das würde an die Zeit der Ausbeutung durch Plantagenbesitzer erinnern, wenn die Einheimischen nicht an der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben können.

Das Problem ist bekannt - wie kommt die Botschaft zu den Touristen?

Abgesehen von den zahlreichen Konferenzen zum Thema hatte die UNWTO 2017 zu beispielhaften Aktionen und einem Wettbewerb für Reisende aufgerufen. So hatte sich zum Beispiel Kai Markus, ein deutscher Extremsportler, im März 2016 auf den Weg gemacht, um von Hamburg bis Shanghai zu laufen, eine Strecke von über 12.000 Kilometern. Unter dem Motto "Run my Silk Road" wollte er für Völkerverständigung werben und besonders die junge Generation entlang der Seidenstraße motivieren, an ihre Träume zu glauben und sie zu verwirklichen.

China Extremsportler Kai Markus (picture-alliance/dpa/Foto: Kai Markus Xiong/runmysilkroad.com)

Das kann einen Extremsportler nicht erschüttern - Kai Markus nach seinem Unfall in China

Etwa 1200 Kilometer vor dem Ziel brach sich Kai Markus beide Beine, weil er auf regennasser Straße in der Provinz Hubei in einen Betonkanal fiel. Trotzdem hat er Shanghai - mit Hilfe von Rollstuhl und Eisenbahn - am 16. Dezember, einen Monat später als geplant, erreicht.

Den Best practice-Wettbewerb unter dem UNWTO Motto "Travel.Enjoy.Respect" hatte Ende Oktober Katie Diederichs aus den USA gewonnen. Die Endzwanzigerin hat ein 'normales' Leben schon vor Jahren gegen eines als Reisebloggerin eingetauscht. Dabei legt sie besonderen Wert auf sozialverantwortliches Reisen, indem sie ihren ökologischen Fußabdruck minimiert und lokale Reisedienstleister bevorzugt.

Als Preis bekam Katie Diederichs vom Generalsekretär der UNWTO, Taleb Rifai, nicht nur eine Reise in sechs Länder, die sich der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen (unter ihnen auch Deutschland), sondern auch den Auftrag, die Botschaft für einen nachhaltigen Tourismus weiter zu verbreiten. Sie solle zeigen, dass Reisen, Vergnügen und Respekt zusammen gehören.

Teil der UN-Nachhaltigkeitsagenda 2030

Auf der Jahresabschlusskonferenz in Genf hat die UNWTO dann noch eine Absichtserklärung veröffentlicht. Damit will sie private Unternehmen, staatliche Institutionen und nicht zuletzt auch Reisende ermutigen, die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung weiterzuverfolgen. So könne auch der Tourismus seinen Beitrag leisten, um die von den Vereinten Nationen 2015 beschlossene "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" zu verwirklichen. Denn es gehe nicht nur um den Tourismus, wie Taleb Rifai in Genf sagte, es gehe darum, wie das Leben auf der Erde verbessert werden könne.