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Kultur

Der Tod läuft mit

Mit dem weltberühmten New-York-Marathon, der traditionell am ersten Sonntag im November gestartet wird, endet weltweit die Saison 2002 der großen City-Marathonläufe. Eine Saisonbilanz lässt sich schon jetzt ziehen.

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Marathon in New York:
Ungefährlich, wenn man die Grenzen kennt

Glanzlichter des Marathonjahrs 2002 sind zweifelsfrei die beiden phantastischen Weltbestleistungen. Khalid Khannouchi, ein gebürtiger Marokkaner, der inzwischen einen US-Pass hat, rannte im Frühsommer in London durchschnittlich 20,154 Kilometer pro Stunde und erreichte nach 2:05:37 Stunden das Ziel. Mitte Oktober stellte dann in Chicago auch noch die Britin Paula Redcliff mit 2:17:18 Stunden eine Fabelzeit für Frauen auf.

Nicht nur erfreuliche Meldungen

Berlin Marathon 2002

Berlin Marathon

Aber es gab nicht nur erfreuliche Meldungen. In Deutschland, wo der Langstreckenlauf boomt, war das Marathonjahr 2002 durch spektakuläre Todesfälle überschattet. In Hamburg brach im April ein 18-Jähriger tot zusammen; nur wenige Meter vor dem Ziel. Ende September schaffte beim Berliner Lauf ein 50-Jähriger die letzten 1000 Meter nicht mehr. Zuvor konnte ein 57-Jähriger Schweizer nach einem Kollaps bei Kilometer 24 glücklicherweise noch reanimiert werden.

Natürlich sorgten die Todesmeldungen für Schlagzeilen. Verschiedene Medien warfen die Frage auf, ob der Tod beim Marathon mitlaufe. Dr. Willi Heepe, seit mehr als 20 Jahren der medizinische Direktor des Berlin-Marathons, will von einem gesteigerten Todesrisiko durch den Marathonlauf jedoch nichts wissen. "Der Tod läuft beim Marathon allenfalls mit, weil er das ganze Leben mitläuft," stellt Heepe im Gespräch mit DW-WORLD klar. Statistische Erhebungen hätten ergeben, dass sich die Todeszahlen bei Marathonläufen im Rahmen der ganz normalen Sterblichkeit bewegten.

Todesursache "falscher Ehrgeiz"

Natürlich sei jede Todesmeldung erschreckend. Forsche man jedoch nach den Ursachen, sei meist fahrlässiges Verhalten der Läufer die Ursache. So hätte der 57-jährige Schweizer extrem verkalkte Herzkranzgefäße gehabt. Die davon ausgehenden Symptome muss er ignoriert haben. Der Kollaps, der ihn in Berlin ereilte, hätte ihn auch beim Joggen durch einen Park zu Boden werfen können.

Zu den besonders hohen Risikofaktoren gehören verdrängte Folgen von Virusinfekten. Wer mit einer Entzündung im Körper zu kämpfen hatte, sollte sich anschließend mindestens zwei Monate lang erholen. Falscher Ehrgeiz führt oft dazu, dass sich Läufer diese Pause nicht gönnen.

"Neurotische Läufer" leben gefährlich

Insbesondere die Spezies der "etwas neurotischen Läufer", wie Dr. Heepe sie nennt, überfordert sich gerne. "Das sind zum großen Teil Läufer und Läuferinnen, die in ihrem Leben, im Beruf oder in der Ehe eine Menge Probleme haben. Und die mit dem Laufsport ihren Problemen davonlaufen wollen."

Diesen gefährdeten Personenkreis am Start zu hindern, ist jedoch für Ärzte oder Rennveranstalter nicht möglich. Sie können daher für Gesundheitsschäden oder den Tod des Läufers auch nicht verantwortlich gemacht werden. Wer sich einer körperlichen Herausforderung stellt, sollte Eigenverantwortung zeigen und sich zuvor auf Herz und Nieren untersuchen lassen. Sportler, die den Rat befolgen, brauchen den Marathon-Sport nicht zu fürchten. Zwar wird es auch so kaum möglich sein, dem Tod für immer davonzulaufen. Jedoch verspricht eine alte Mediziner-Weisheit: "Wer läuft, stirbt gesünder."

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