Der Tod eines Schrottsammlers | Aktuell Europa | DW | 18.02.2018
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Berlinale

Der Tod eines Schrottsammlers

Nazif Mujic war kein Filmstar. Der Silberne Bär hat das Leben des Roma nicht verändern können. Fünf Jahre nach seinem kurzen Auftritt im Rampenlicht ist er so gestorben wie er gelebt hat: In bitterer Armut.

Im vergangenen Jahr hatte er seinen Silbernen Bären verkauft. Für 4000 Euro. Der Bosnier Nazif Mujic war Preisträger der Berlinale 2013. "Ich habe zuerst ein altes Auto verkauft, dann ein paar persönliche Sachen, dann war der Bär dran", erzählte er damals der Nachrichtenagentur AFP.

Mujic war als Diabetiker auf Insulin angewiesen, er lebte mit seiner Familie in Bosnien in Armut. "Er war sehr besorgt wegen seiner materiellen Situation", sagt sein Bruder Suljo. "Im Januar hat er versucht, in Deutschland Lösungen zu finden, aber er ist zurückgekommen." Die Familie Mujic zählt zur Minderheit der Roma.

Der Ruhm verblasste schnell

Das Dorf Poljice in Bosnien und Herzegowina (DW/M. Camdzic)

Nazif und seine Frau Senada Mujic in ihrem Dorf in Poljice

In dem halbdokumentarischen Film "Aus dem Leben eines Schrottsammlers" des Regisseurs Danis Tanovic hatte Mujic zusammen mit seiner Roma-Familie eine dramatische Episode aus seinem Leben nachgespielt. Den Silbernen Bären erhielt er als Bester Darsteller. Nach seiner Rückkehr von der Berlinale wurde Mujic in seinem Dorf wie ein Held empfangen.

Doch der Ruhm verblasste schnell und der preisgekrönte Schauspieler fiel in die Armut zurück. Als Schrottsammler versuchte er weiterhin, seine Frau und die drei Kinder - ein Sohn und zwei Töchter - zu ernähren. Damit verdiente er umgerechnet etwa 3,50 Euro am Tag.

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Nazif Mujic kämpft um Asyl in Deutschland (03.02.2014)

Keine Chance in Deutschland

Nach seiner Auszeichnung im November 2013 hatte Mujic einen Asylantrag in Berlin gestellt. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick unterstützte ihn bei dem Wunsch, mit seiner Familie in Deutschland bleiben zu können. Die Festspiele besorgten eine Anwältin, um dem bosnischen Rom bei seinem Asylgesuch zur Seite zu stehen. Doch die deutschen Behörden lehnten den Asylantrag ab.

Nazif Mujic hatte offenbar geplant, zur diesjährigen Berlinale zu reisen, um über sein Schicksal nach der Auszeichnung vor fünf Jahren zu berichten. Dafür habe er sich schon ein Busticket gekauft, sagte sein Bruder: "Gestern waren wir noch zusammen, es ging ihm gut, und dann ruft mich heute Morgen jemand an und sagt, dass er gestorben ist." Die Beerdigung sei für Mittwoch geplant.
Die Berlinale drückte ihr Mitgefühl aus.

rb/qu (afp, dpa, DW)

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