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Kultur

Der tiefe Fall des Varus

Er ist als großer Verlierer in die Geschichte eingegangen. Dabei hat der Feldherr Varus, der vor 2000 Jahren vernichtend von den Germanen geschlagen wurde, im römischen Reich eine Bilderbuchkarriere hingelegt.

Das Bild zeigt das Phantombild des römischen Feldherrn Varus, das vom Landeskriminalamt in Düsseldorf für die Sonderausstellung Imperium des Römermuseums in Haltern am See erstellt wurde. Es ist der DW kostenfrei für den Onlineartikel über Varus zur Verfügung gestellt worden.

Phantombild des Varus

So also könnte er ausgesehen haben: ein kurzer Hals, eine lange Nase, ein ausgeprägter Adamsapfel. Fasziniert stehen die Kinder vor dem Phantombild des römischen Feldherrn Varus, das von Kriminalisten für die Sonderausstellung "Imperium" erstellt wurde. "Der sieht ziemlich stark aus", meint der 12-jährige Silas erstaunt. "Gar nicht wie ein Looser."

Das Foto zeigt den 12-jährigen Silas vor einer Legion von Playmobil-Römern. Sie sind Teil der Ausstellung Imperium des Römermuseums in Haltern am See

Silas vor einer Legion von Playmobil-Römern

Silas ist nicht das einzige Kind, das seine Meinung über den Verlierer der Schlacht im Teutoburger Wald während einer Führung durch die Ausstellung ändert. "Mit unserer Schau wollen wir zu einer kleinen Ehrenrettung des Varus beitragen", sagt Museumspädagogin Renate Wiechers. "Bis zu seiner Statthalterschaft in Germanien war er ein sehr erfolgreicher Feldherr, der im römischen Reich eine Bilderbuchkarriere gemacht hat."

Keine politische Karriere ohne militärische Erfolge

Rund 300 Exponate aus internationalen Museen wurden für die Sonderausstellung aus Anlass von 2000 Jahren Varusschlacht zusammengetragen. "Bei der Konzeption war es uns besonders wichtig, dass Kinder die Schau verstehen und mögen", meint Renate Wiechers. So bietet das Römermuseum neben speziellen Audioguide-Führungen, die von Schülern gestaltet wurden, auch Rundgänge für Kinder und Jugendliche unter einem besonderen Schwerpunkt an.

Das Bild zeigt die beiden zwölfjährigen Mädchen Theresa und Lisa mit dem Feldherrn-Puzzle, das am Schluss einer Kinderführung durch die Sonderausstellung Imperium des Römermuseums in Haltern am See zusammengelegt wird. Foto: Sabine Damaschke

Theresa und Lisa (v.l.) mit dem Feldherrn-Puzzle

Zum Beispiel die "Feldherrnführung", die neun Stationen umfasst. An jeder müssen die Kinder auf einem Würfel ein Symbol auswählen. Wie ein Puzzle werden die neun Würfel zusammengelegt und ergeben am Schluss der Führung das Bild des gesuchten Feldherrn. Der Rundgang beginnt immer an der Marmorbüste Cäsars, den fast alle Kinder kennen. Hier erklärt Archäologin Petra Becker, warum den hochgebildeten Römern der Krieg so wichtig gewesen ist: "Militärischer Erfolg war das Höchste, was ein Mann aus der Oberschicht erreichen musste."

Bildung war Männersache

Kein Wunder also, dass auch Varus seine Karriere als Statthalter und enger Vertrauter des römischen Kaisers Augstus im Militär begann. Voraussetzung für seine steile Karriere war eine gute Schulbildung. Im Unterricht standen Lesen und Schreiben, Griechisch und die Kunst des guten Redens auf dem Lehrplan. Allerdings meist nur für die Jungen. "Bei Mädchen war das nicht so wichtig, denn die sollten schon mit 12 Jahren heiraten und Kinder bekommen", sagt Petra Becker.

Das Bild zeigt die Statuen der kaiserlichen Familie des Augustus. Sie gehören zur Sonderausstellung Imperium des Römermuseums in Haltern am See und wurde der DW kostenfrei für den Onlineartikel über Varus zur Verfügung gestellt.

Familie des Augustus

Die 12-jährige Theresa hält die Luft an. "Als Mädchen hätte ich bei den Römern ja keine Chance auf Bildung gehabt", empört sie sich. Warum die Ehe als Machtinstrument diente, erklärt die Museumspädagogin anhand der Tochter des Augustus, Julia. Sie wurde mehrfach von ihrem Vater verheiratet, um die Thronfolge zu sichern. Die Büste der Julia steht neben den Statuen der kaiserlichen Familie, in deren Mittelpunkt die Toga-Statue des Augustus aus einer Villa an der Via Labicana in Rom zu sehen ist.

Kreuzigung als Racheakt der Römer

Faszinierender aber als den versteinerten Augustus finden die Kinder die Kopie eines jüdischen Fußknochens. Das "gekreuzigte Fersenbein" aus Jerusalem soll zeigen, wie konsequent und grausam Varus sein konnte. Als Statthalter von Syrien schlug er einen Aufstand im benachbarten Königreich Judäa nieder und ließ 2.000 Juden kreuzigen. Die Kinder sind geschockt und diskutieren über die damals gängige Art der Todesstrafe. "Der Nagel ist aber sehr groß im Vergleich zum Fuß", meint die 12-jährige Lisa betroffen.

Das Bild zeigt die Kopie des gekreuzigten Fersenbeins eines Juden vor etwa 2000 Jahren. Das Objekt gehört zur Ausstellung Imperium des Römermuseums in Haltern am See und wurde der DW für den Onlineartikel Varus kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Gekreuzigtes Fersenbein

Mit seinem harten Vorgehen im Nahen Osten habe sich Varus aus römischer Sicht für weitere wichtige Ämter empfohlen, so für die Statthalterschaft in Germanien, erzählt Petra Becker. Zum Schluss der Führung berichtet sie von der Varusschlacht, in der 15.000 römische Soldaten von den Germanen geschlagen wurden und in der Varus sich aus Scham das Leben nahm.

Dikussion über Römer und Barbaren

Nun wird auch das Geheimnis gelüftet, welcher Feldherr sich unter den Puzzleteilen verbirgt. Es ist natürlich Publius Quinctilius Varus, kurz VAR genannt. Mit seinen Initialen hat er sich auf Münzen verewigt. Das dürfen die Kinder nun auch machen.

Das Bild zeigt eine Gruppe von Kindern, die an einer Kinderführung der Sonderausstellung Imperium des Römermuseums in Haltern am See teilgenommen haben. Sie zeigen ihre Centstücke, auf die sie die Initialen des römischen Feldherrn Varus geprägt haben. Das Bild wurde von Sabine Damaschke für den DW-Onlineartikel über Varus gemacht.

Centstücke mit Varusinitialen

Während sie ihre Centstücke mit Varus' Initialen prägen, diskutieren sie über die Römer und die Germanen. Rafael wäre zwar gerne ein Römer, nicht der glücklose Varus. Lisa könnte sich vorstellen, eine Römerin zu sein. Theresa hingegen wäre lieber eine "Barbarin" gewesen. Ihre Begründung: "Die hatten, glaube ich, einfach nicht so viele Vorschriften."

Autorin: Sabine Damaschke

Redaktion: Klaus Krämer

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