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Wirtschaft

Der tiefe Fall der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank muss knapp sieben Milliarden abschreiben und schwächelt nun sogar in ihrem Kerngeschäft. Wie es besser werden soll, wird bei der Vorlage der Bilanz nicht wirklich klar. Aus Frankfurt Henrik Böhme.

Es geht immer noch schlimmer. Eine Überraschung war es zwar nicht mehr, was die Deutsche Bank in Frankfurt zu verkünden hatte. Schon vor einer Woche musste Deutschlands größtes Geldhaus in einer außerordentlichen Mitteilung über den größten Jahresverlust ihrer Unternehmensgeschichte informieren: 6,7 Milliarden fehlen in der Kasse. Eine solche, sogenannte Gewinnwarnung hatten die Märkte zwar erwartet, auch der Chef der Bank, John Cryan (Artikelbild), hatte schon im Herbst davon gesprochen, dass es an ein Wunder grenzen würde, wenn man noch irgendwie auf ein besseren Ergebnis kommen würde. Aber mit so einem dicken Brocken hatte wirklich niemand gerechnet. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor stand immerhin noch ein Plus von 1,7 Milliarden Euro in den Büchern.

Schwaches Kerngeschäft

In den nunmehr vorgelegten Zahlen kommen nochmal 100 Millionen auf den Verlust drauf, damit steht das Minus bei 6,8 Milliarden Euro. Aber die eigentlich Besorgnis erregende Nachricht ist die, das sich die Bank nicht einmal mehr auf ihr Kerngeschäft verlassen kann: Das Investmentbanking sorgte für einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro. Bank-Chef John Cryan sprach davon, dass man "im vierten Quartal etwas an Momentum in Handelsgeschäft verloren" habe. Zwar habe man sich bewusst entschieden, sich aus einigen kapitalintensiven (und riskanten) Geschäftsfeldern zurückzuziehen. Auch bliebe das Kerngeschäft des Handels mit Zinsen und Währungen stark. Aber: "Wir haben im Aktienbereich an Boden verloren. Wir sind entschlossen, in unsere Mitarbeiter in Research und Sales zu investieren, um Marktanteile zurückzugewinnen."

Bank braucht Geld

Das löst aber Grundproblem nicht wirklich: Die Deutsche Bank verliert mit jedem Tag Marktanteile im Vergleich mit ihren großen Konkurrenten, die vor allem in den USA beheimatet sind. Sie muss aber dringend Geld verdienen, denn nach wie vor schiebt die Bank eine Welle von Rechtsstreitigkeiten vor sich her. Seit 2012 musste die Bank insgesamt 12,7 Milliarden Euro für Vergleiche und Strafzahlungen aufwenden, im vergangenen Jahr allein 5,2 Milliarden. Für das laufende Jahr wollte John Cryan keine Zahlen nennen, hofft aber, dass es weniger sein werde als 2015.

Zudem kostet der Umbau, den John Cryan und seine Vorstandskollegen dem Haus verordnet haben, eine Menge Geld. Allein für Abfindungen und Ähnliches werden rund eine Milliarde Euro eingeplant. Dazu kommt die Erneuerung der Computersysteme, die sich offenbar in einem Steinzeit-Zustand befinden. So soll zum Beispiel die Zahl der operativen Systeme bis 2020 von 45 auf vier verringern. Das wird nach jetzigem Stand allein 800 Millionen Euro kosten.

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Deutsche Bank: Besserung nicht in Sicht

Heimatmarkt Deutschland

John Cryan und sein noch mit amtierender Co-Chef Jürgen Fitschen bemühten sich nach Kräften, Optimismus zu verbreiten. Fitschen, der im Sommer aus dem Vorstand ausscheiden wird, betonte einmal mehr die Verbundenheit der Deutschen Bank zu ihrem Heimatmarkt Deutschland. Hier wolle man die Bank für Unternehmer und Unternehmen bleiben, auch für Startups. Wer das das gute, alte Hausbank-Prinzip wolle, der werde es mit der Deutschen Bank bekommen.

Cryan schilderte, was man seit Sommer - da hatte er den Job übernommen - getan habe, um wieder in die Spur zu kommen. Geschäftsbereiche seien neu strukturiert worden. Spezielle Entscheidungsgremien, die außerhalb des Vorstandes operierten, gäbe es nicht mehr. Der Verkauf der problematischen Beteiligung an der chinesischen Hua Xia-Bank sei praktisch unter Dach und Fach. Man komme beim geplanten Verkauf der Postbank voran, wobei Finanzchef Marcus Schenck einschränken musste, dass sich dies angesichts des Marktumfelds verzögern könnte. Man brauche eben für diesen großen Umbau, so John Cryan, "Zeit, Entschlossenheit und Geduld". Doch genau diese Zeit hat die Bank offenbar nicht. Noch während der Pressekonferenz rutsche der Aktienkurs noch tiefer in den Keller nahe an ein Sieben-Jahres-Tief.

"Eiskalter Aufräumer"

Gefragt danach, ob er nur der Sanierer der Bank sei oder auch eine Vision habe, antwortete John Cryan mit einem Lächeln: Neulich habe er eine Zeitungsschlagzeile gelesen, die ihn als "eiskalten Aufräumer" bezeichnete. Er hoffe, seine Frau habe das nicht gelesen. Und er hoffe auch, dass er "ein wenig Talent habe, ein Unternehmen zu führen". Es sei in diesen Zeiten mit Milliardenverlusten, mit Entlassungen Tausender Mitarbeiter, nicht immer einfach, jeden Tag mit guter Laune zur Arbeit zu fahren. Aber er sehe "Licht am Ende des Tunnels", er höre oft in Gesprächen mit Kunden, welchen Wert die Bank nach wie vor für sie habe.

Dass es schwer wird, das Vertrauen der Aktionäre zurück zu gewinnen, ist Cryan allerdings auch bewusst. Eine Dividende wird es frühestens 2017 wieder geben. Aber vielleicht könne die Bank schon 2016 wieder einen Gewinn ausweisen. Allerdings muss dann der Sparkurs der Bank greifen, denn die vielen Investitionen, die nötig sind, sollen durch Einsparungen anderswo finanziert werden. Ein Posten dabei: Der Vorstand, Cryan und Fitschen inklusive, wird für das vergangene Geschäftsjahr keine Bonuszahlungen erhalten.

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