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Olympia

Der teure Weg zum olympischen Gold

Wie müssen Spitzensportler gefördert werden, damit mehr olympische Medaillen herausspringen? Diese Frage wird in Deutschland seit mehr als zwei Jahren heiß diskutiert. International gibt es unterschiedliche Modelle.

Die Olympischen Sommerspiele in Rio sind der Höhepunkt im Sportkalender, der Blick der Funktionäre im deutschen Spitzensport geht aber schon darüber hinaus. Das wichtigste Projekt geht in die heiße Phase: die höchst umstrittene Reform der Spitzensportförderung in Deutschland. DOSB-Präsident Alfons Hörmann betonte: "Das Medaillenergebnis von Rio kann gar nicht so schlecht oder nicht so gut sein, dass es uns von unserem Kurs eines nachhaltig erfolgreichen Systems abbringen könnte."

Im September sollen letzte Eckpunkte festgezurrt werden, bevor die Reform am 19. Oktober den Sportausschuss des Bundestages beschäftigen wird. Aber welcher Kurs ist erfolgreich und nachhaltig? Eine Antwort darauf ist gar nicht so einfach.

Im laufenden Jahr 2016 fließen 160 Millionen Euro in den deutschen Spitzensport. Geldgeber ist das Bundesinnenministerium. Empfänger und Verwalter der Summe sind die Sportverbände und ihre Dachorganisation der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB).

Die Kritik am bestehenden System betrifft mehrere Punkte. Die Förderung ziele zu sehr in die Breite, die Spitze könne deswegen nicht mehr international mithalten. Doppelstrukturen in der Organisation der Landessportbünde in Verbindung mit Dachverbänden der einzelnen Sportarten würden zudem Geld verschlingen und klare Zuständigkeiten erschweren.

Seit mehr als zwei Jahren ringen nun der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Mazière und sein Ministerium mit dem DOSB darum, wie sich das effizienter gestalten lässt. Weil es um viel Geld und letztendlich auch um Macht geht, wird im Geheimen diskutiert.

Lediglich einen Fingerzeig, wohin die Reise geht, erlaubte sich DOSB-Chef Hörmann im DW-Interview: "Wir brauchen bis in die Vereinsebene mehr hauptamtliche Mitarbeiter, die sich dem Thema der Sportentwicklung widmen." Profis sollen also übernehmen, und die finanziellen Mittel konzentrierter ausgegeben werden. Dafür gibt es internationale Vorbilder.

Blick über den Tellerrand

Großbritannien als Medaillenschmiede - diesen Ruf haben sich die Briten durch den dritten Rang im Medaillenspiegel ihrer "Heim-Spiele" 2012 in London verdient. Das Fördersystem könnte deshalb als Blaupause für eine Reform in Deutschland gelten. Breite und Vielseitigkeit spielen dabei allerdings keine Rolle.

Gefördert werden ausschließlich Sportarten mit Medaillenchancen. In den vergangenen vier Jahren bis Rio schüttete der Verband UK Sports dafür rund 440 Millionen Euro aus. Ein Drittel des Geldes kommt aus einer Lotterie. Zwei Drittel von der Regierung, die nun sogar noch einmal eine satte Summe drauflegen wird. Um 29 Prozent soll der staatliche Anteil bis 2020 wachsen.

Dementsprechend ambitioniert fahren die britischen Sportler nach Rio. "Wir wollen besser sein als in Peking", erklärte Simon Timson, Leistungsportchef bei UK Sports, "es ist ein realistisches Ziel, die erfolgreichsten Sommerspiele außerhalb Großbritanniens zu bestreiten."

Britische Mannschaft bei der Eröffnungsfeier für London 2012 (Foto: AP Photo/Mark Humphrey)

Die britische Olympiamannschaft war bei den Olympischen Spielen 2012 in London sehr erfolgreich

Die konsequente Orientierung an Erfolgen schlägt sich auch beim Einkommen der Spitzensportler nieder: Athleten aus Großbritannien, die zur absoluten Weltspitze gehören, haben Anspruch auf 33.500 Euro. Zum Vergleich: Die deutsche Sporthilfe zahlt maximal 18.000 Euro, fördert aber dreimal so viele Sportler. In der Schweiz verdient nach aktuellen Zahlen die Hälfte der Spitzensportler weniger als 14.000 Schweizer Franken, umgerechnet 12.900 Euro.

Es wird deutlich, wie viel Idealismus notwendig ist, um für solche Summen sein ganzes Leben auf den Sport auszurichten. Ein Ausweg in der Schweiz, wie auch in Deutschland, ist ein Engagement in den Sportförderkompanien des Militärs. Bei der Bundeswehr sind im Moment 744 Athleten aktiv und können sich neben dem Training auch für ihre berufliche Zukunft fortbilden.

USA: Keine Staatsgelder, aber starker Collegesport

Gänzlich ohne staatliche Mittel muss das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) zurecht kommen. Der Verband generiert Einnahmen über Sponsoren und schüttet das Geld an die einzelnen Sportverbände aus. Im Vier-Jahres-Zyklus von 2009 bis 2012 waren das insgesamt 568 Millionen US-Dollar. Das Prinzip der Verteilung ist denkbar einfach: Wer Medaillen gewinnt, wird gefördert.

Als Folge davon werden die reichen Verbände reicher, andere gehen fast leer aus. Verschärft wird die Situation dadurch, dass Verbände der prestigeträchtigen Sportarten wie Schwimmen oder das in den USA populäre Turnen ihre Bilanz durch eigene Sponsoren verzehnfachen.

USOC-Geschäftsführer Scott Blackmun (Foto: picture-alliance/AP Photo/F. Vachon)

USOC-Geschäftsführer Scott Blackmun

Allerdings deutet sich auch in den USA ein heftiger Streit um eine Reform der Sportförderung an. USOC-Geschäftsführer Scott Blackmun kündigte Anfang 2016 an, künftig bei der Verteilung der Gelder die Analyse von Daten einfließen lassen zu wollen. Man müsse die Dinge wie ein Investor betrachten, sagte Blackmun dem Sport Business Journal.

Das größte Plus der Nachwuchsförderung in den USA ist allerdings der landesweite Wettbewerb der Colleges. Ob Basketball, Ringen, Turnen oder Schwimmen - die US-Hochschulen buhlen mit Stipendien um Talente und bieten hochprofessionelle Trainingsbedingungen.

Ein Blick nach China oder Russland erübrigt sich. Zwar sind beide erfolgsverwöhnt, aber ein zentral gesteuertes, staatliches System um Talente zu finden, zu fördern und letztlich in die Weltspitze zu bringen, sind kein denkbares Modell für Deutschland. Zumal im Falle Russlands nach dem jüngsten WADA-Bericht auch systematisches Doping zur Förderung zählte.

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