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Fußball

Der "Terrier" Vogts ist 65

Ob als Spieler oder Trainer, Berti Vogts war immer mit Leib und Seele dabei. Seine Art zu verteidigen brachte ihm schon früh den Spitznamen der "Terrier" ein. Fußball war und ist sein Leben, auch noch mit 65 Jahren.

Wenn es ein anderes Wort für Kampfgeist gibt, dann lautet es "Berti Vogts". Schon als Spieler pflegte er auf dem Platz förmlich zu explodieren, seine Gegner niemals aus den Augen zu lassen und sie ständig zu attackieren. Schnell wurde er deswegen "Wadenbeißer" oder etwas liebevoller der "Terrier" genannt.

Am 30. Dezember 1946 wurde Hans-Hubert Vogts, wie er eigentlich heißt, in Büttgen in der Nähe von Düsseldorf geboren. Doch die ganze Welt kennt den nur 1,68 Meter großen einstigen Vollblutverteidiger unter dem Namen "Berti" - eine Verniedlichung, mit der Hans-Hubert aber nie ein Problem hatte: "Nein, überhaupt nicht. Das ist ein Name, den ich schon als Kind bekommen habe. Das ist am Niederrhein gang und gäbe", erklärt Vogts. Das sei die Abkürzung von Hubert. Daraus werde Bert und deshalb nenne man ihn Berti: "Es ist sogar eine sehr sympathische Namensgebung für mich."

Einmal Borussia - immer Borussia

Borussia Mönchengladbachs Mannschaftskapitän Berti Vogts (r.) hält den Uefa-Pokal in die Höhe (Foto: PA/dpa)

Zweimal UEFA-Cupsieger

Dem Niederrhein ist der Fußball-Spieler Berti Vogts auch stets treu geblieben. Von 1965 bis 1979 stand er in Diensten von Borussia Mönchengladbach, wurde fünfmal Deutscher Meister, einmal DFB-Pokalsieger und holte zweimal den UEFA-Cup. Als ein Mensch mit Weitsicht erwies sich Vogts schon damals, als er bei dem Gewinn des zweiten Europapokaltitels seiner Borussia im Jahr 1979 sagte: "Schaut euch diesen Pokal an, jahrelang werdet ihr nicht mehr in der Lage sein, so einen Pokal zu empfangen." Und genauso kam es dann auch für die Elf vom Niederrhein.

In seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach wurde der "Terrier" zweimal zum Fußballer des Jahres gewählt, obwohl er nie über außergewöhnliches Talent am Ball verfügte. Vogts war stets ein Paradebeispiel eines trainingsorientierten Spielers, der mit ungeheurem Fleiß seine Defizite ausglich und so Weltklasse erlangte.

Jubelnd hält der Spieler Berti Vogts nach dem errungenen WM-Sieg den Coupe Jules Rimet empor (Foto: PA/dpa)

Weltmeister 1974

In der deutschen Nationalmannschaft spielte der beinharte Verteidiger von 1967 bis 1978. Höhepunkt seiner Karriere war der Gewinn der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Bei der gewonnenen Europameisterschaft 1972 gehörte er zum Kader, kam in Belgien aber verletzungsbedingt nicht zum Einsatz.

Jugendarbeit als Passion

Als Trainer war Berti Vogts von Beginn an ein akribischer Planer und Verfechter des Offensivfußballs. Ein Teil seiner Fußballphilosophie war die Entwicklung junger Talente, die er in seiner Zeit als Nachwuchs- bzw. Jugendtrainer beim DFB von 1979 bis 1990 unmittelbar umsetzen konnte. Sein Denken und sein Planen widmeten sich immer den ganz jungen Fußballern: "Wir wollen, dass sich unsere Kinder neu mit dem Fußball beschäftigen, dass sie an den Schulen, auf Bolzplätzen und auch wieder auf Grünflächen Fußball spielen dürfen."

Von 1986 an gehörte er unter Teamchef Franz Beckenbauer dem für die Nationalmannschaft zuständigen Trainerstab an. Ab 1990 übte Berti Vogts das Amt des Bundestrainers aus, der Name "Bundes-Berti" war geboren. Seine Vorstellungen vom Fußball lebte er auch als Nationaltrainer seinen gestandenen Profis vor. Eine seiner Maximen war: "Fußball ist und bleibt eine Mannschaftssportart. Nicht nur bei der A-Nationalmannschaft, sondern auch bei der U-21, U-18, U-17, U-15 und auch bei der Frauen-Nationalmannschaft." Das sei eine Prämisse des DFB.

Akribische Arbeit unter öffentlichem Druck

Berti Vogts als DFB-Bundestrainer mit Titelverteidiger Deutschland bei der XV. Fußball-Weltmeisterschaft von 17. Juni bis 17. Juli 1994 in den USA (Foto: PA/dpa)

Beinahe aufgegeben

Während seiner Amtszeit war er oft sehr umstritten, bei den Medien und den Fans hatte er immer wieder einen schweren Stand. Als Gründe dafür wurden unter anderem ein bisweilen als ungeschickt empfundener Umgang mit den Medien ausgemacht oder auch seine Art, charakterlich schwierige Spieler zu führen. Damals stellte er schmunzelnd fest: "Ist schon interessant, dass man, wenn es um Negatives geht, immer wieder den Berti Vogts benutzt."

Doch Vogts blieb auch hier der Kämpfertyp, der er immer war. Diese Stärke half ihm durch manch schwere Zeit, wenn der öffentliche Druck besonders stark zu werden schien. 1992 wurde Deutschland unter seiner Leitung Vize-Europameister in Schweden, doch nach dem Gewinn des WM-Titels 1990 war das für viele zu wenig. "Jeder weiß, dass nach einem Hoch immer mal ein Tief kommt. Und wir sind Vize-Europameister geworden, zwei Jahre später", sagte Vogts und vermisste die Anerkennung für das Erreichte: "Der zweite Platz in Deutschland zählt nicht - vor allen Dingen nicht, wenn er noch von einem Trainer geholt worden ist, der Berti Vogts heißt."

Bei der WM 1994 in den USA erreichte Deutschland als Turniermitfavorit gar nur das Viertelfinale. Nach dem unerwarteten Ausscheiden gegen Bulgarien und öffentlich ausgetragenen Querelen innerhalb der Mannschaft dachte Bundestrainer Vogts ernsthaft an einen Rücktritt. Doch er blieb: "Wir befinden uns heutzutage in einer Schlagzeilenwelt. Man muss mit der Schlagzeile leben können, das tue ich", sagte Vogts. "Dass man mich da teilweise unter der Gürtellinie angegangen ist, das weiß jeder." Nur die vielen Briefe, die er nach der Weltmeisterschaft bekommen habe, hätten ihn gestärkt weiter zu machen, verriet der Bundestrainer später.

Der eine Moment in Wembley

Seine starke Persönlichkeit und sein Siegeswille, all das zahlte sich dann aus - zwei Jahre später, an einem warmen Sommerabend 1996 in Wembley. Stürmer Oliver Bierhoff erzielte im EM-Finale in der Verlängerung das Golden-Goal! Tschechien war geschlagen, Berti Vogts und seine deutsche Elf waren Europameister geworden und das in England - im Mutterland des Fußballs.

Bundestrainer Berti Vogts steht nach dem EM-Finale in Wembley winkend vor den deutschen Fans (Foto: PA/dpa)

EM 1996: Ganz allein bedankt sich Bundestrainer Vogts nach dem Finalsieg bei den deutschen Fans

Während die Spieler noch feierten, lief der Bundestrainer in die Ecke der deutschen Fans und verneigte sich dort, mutterseelenallein vor zigtausenden von jubelnden Zuschauern. Es war der Moment des Hans-Hubert Vogts: "Ich wollte ganz einfach zeigen, dass die Mannschaft und der Trainer wirklich stolz sind, dass wir hier etwas geschaffen haben, dass wir hier die Brücke zu den Fans geschlagen haben." Nach der Weltmeisterschaft 1994 sei es für die deutsche Nationalmannschaft und auch für den Trainer nicht einfach gewesen: "Und hier hatte ich die Gelegenheit, ganz einfach mit dieser Geste zu zeigen: Wir gehören zusammen, und dass ich auch stolz bin, dass wir diesen Titel für die Fans gewonnen hatten", erklärte Vogts noch lange nach dem Turnier.

Mit dem Gewinn der Europameisterschaft erreichte seine Popularität als Bundestrainer ihren Höhepunkt. 1996 wurde Vogts zum Weltnationaltrainer des Jahres gekürt und erhielt das Bundesverdienstkreuz. Der EM-Titel war nicht sein einziger Verdienst für den deutschen Fußball, aber nur dieses eine Mal wurde seine Arbeit auch in der breiten Öffentlichkeit gewürdigt.

Die Zeit des Weltenbummlers

Doch nach dem Ausscheiden Deutschlands im Viertelfinale der WM 1998 in Frankreich sank das öffentliche Ansehen von "Bundes-Berti" wieder rapide ab, im September 1998 legte er sein Amt nieder.

Berti Vogts beobachtet als Trainer von Aserbaidschan das Training seines Teams (Foto: PA/dpa)

In Aserbaidschan angekommen

Zwei Jahre später folgte ein knapp siebenmonatiges Intermezzo als Chefcoach von Bayer Leverkusen. Im Sommer 2001 begann für Berti Vogts die Zeit als Weltbummler des Fußballs, die bis heute anhält: Er trainierte die Nationalmannschaften von Kuwait, Schottland, Nigeria und ist derzeit Trainer von Aserbaidschan. Aber egal wo der einstige "Terrier" arbeitet, er tut es bis heute mit Leib und Seele. Im September 2010, kurz vor dem Qualifikationsspiel für die EM 2012 gegen die deutsche Nationalmannschaft in Köln, sagte Vogts noch: "Wir wissen, dass wir hier keine Chance haben. Es ist eine kostenlose Fortbildung für meine Mannschaft, und ich hoffe, dass jeder einzelne Spieler daraus für seine eigene Zukunft etwas nach Hause mitnimmt, nach Baku."

Auch mit jetzt 65 Jahren hat Hans-Hubert Vogts sein Kämpferherz, das ihn zu dem machte, was er ist, nicht verloren.

Autor: Calle Kops

Redaktion: Stefan Nestler