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Alltagsdeutsch – Podcast

Der Taxifahrer

Sie arbeiten, wenn andere schlafen – und schlafen, wenn andere arbeiten: Taxifahrer, die nachts ihre Fahrgäste von einem Ort zum anderen bringen. Manche lieben die Nachtarbeit, weil auf den Straßen weniger los ist.

Ein Taxi fährt nachts durch einen Tunnel

Fast freie Fahrt in der Nacht

O-Ton:

"Ich bin Heiko. Ich komme aus Aurich, Ostfriesland. Ich bin 45 Jahre alt und wohne seit 1988 in Berlin."

Sprecher:

Heiko Janssen ist ein Nachtmensch, der die Musik liebt und das Autofahren. Im Taxi lassen sich all diese Leidenschaften unter einen Hut bringen: Er fährt nachts und weiß immer genau, wo und wann in Berlin etwas los ist. Wenn man Heiko Janssen fragt, was ihn aus seiner kleinen Heimatstadt mit ihren knapp 50.000 Einwohnern in die ferne Großstadt gezogen hat, dann verweist er auf die kulturelle Vielfalt Berlins. Damit meint Janssen vor allem das Nachtleben, die Musikszene, die Kinos. Seit gut zwei Jahrzehnten lebt er in Berlin. In den Augen seiner Eltern hat Janssen nach seinem Umzug in die Hauptstadt nichts Vernünftiges gemacht. Er ist keiner geregelten Arbeit nachgegangen, sondern hat ab und zu Gelegenheitsjobs angenommen und hat ansonsten das Leben genossen. Er hat das getan, was ihm Freude machte. Vom Fall der Mauer am 9. November 1989 hat er erst am Tag danach erfahren.

Heiko Janssen:

"Der Witz war halt, dass wir, ja wir haben das halt nicht mehr im Fernsehen gesehen und am nächsten Morgen war ich unterwegs um halb sechs, sechs Uhr morgens und hab' meinen Arbeitskollegen abgeholt mit dem Auto, und wir fuhren durch ein nebliges West-Berlin, und in der Nähe vom Kongresszentrum fuhren plötzlich Trabis durch die Gegend. Und ich hab' zu meinem Kollegen gesagt: Was machen die denn hier? Und er sagte: 'Mensch, weeßt De denn nicht? Als Berliner so richtig. Unser Chef hat heute am Brandenburger Tor getanzt, gestern Nacht. – Ich sag': Warum denn? – Ja, die Mauer ist doch gefallen! – Ich sag': "Das hab' ich verschlafen!"

Sprecher:
Heiko Janssen hat also den Fall der Mauer verschlafen. Er hat nicht mitbekommen, dass die Grenze zwischen der damaligen DDR und der Bundesrepublik geöffnet wurde. Deshalb wunderte er sich auch über die Trabis, die im Westen Berlins plötzlich auf den Straßen fuhren. Trabis – die Abkürzung für Trabant – waren die Autos, auf die Ostdeutsche viele Jahre warten mussten und die damals viel Geld kosteten. Wach ist Heiko Janssen, wenn es ums Auto fahren geht, denn das war schon immer seine Leidenschaft. 1993 hat er einen langgehegten Plan in die Tat umgesetzt und seinen Taxischein gemacht.

Heiko Janssen:

"Taxi fahren gibt schon ein gewisses Gefühl von Freiheit. Ich habe keinen Chef hinter mir sitzen. Ich kann selber entscheiden, wann ich arbeite, wie lange ich arbeite, wann ich meine Pausen mache, wohin ich fahre."

Sprecher:

Janssen liebt die Freiheit, nicht von einem Vorgesetzten abhängig zu sein. Er hat keinen Chef hinter sich sitzen. Und er fährt nachts. Er zählt sich eher zu den stummen Fahrern. Das bedeutet nicht, dass er sich nicht mit seinen Fahrgästen unterhält. In der Taxi-Sprache heißt stumm, dass er das Funkgerät nicht einschaltet. Das braucht er nicht. Bevor er abends los fährt, schaut er in die Stadtzeitung, was in der Stadt los ist: Ob es eine Messe gibt oder große Konzerte. Oder welcher Diskjockey, kurz DJ, in welchem Club auflegt, das heißt, welche Musik gespielt wird. Da fährt er dann hin. Die Nachtarbeit hat sich für Heiko Janssen bewährt: Er hat angenehme Kunden und keinen Stress.

Heiko Janssen:

"Das hat man, glaub' ich, eher tagsüber, dass man dann jemanden hat, der ganz schnell zum Flughafen muss und total gestresst ist. Das ist nachts alles 'n bisschen entspannter. Das Autofahren an sich ist ja auch entspannter, weil nicht so viel Verkehr ist."

Sprecher:

Heiko hat seine Gründe, wieso er nachts Taxi fährt. Dann ist alles ein bisschen entspannter, ruhiger, und die Fahrgäste sind weniger gestresst, also angespannt und unter Zeitdruck. Aber Heiko fährt auch gerne nachts, weil er ein Nachtmensch ist. Er schläft lieber aus, arbeitet meistens von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens. Trotzdem führen Heiko Janssen und seine Freundin Barbara eine harmonische Beziehung. Seit mehr als zehn Jahren wohnen sie zusammen. Seine Freundin arbeitet zu Hause und hat keine Probleme damit, dass er nachts Taxi fährt.

Barbara:

"Ich denke, dadurch dass wir 'nen relativ harmonisches Paar sind, uns sehr gut kennen und uns eben über die ganze Zeit, also über all die langen Jahre arrangiert haben. Und dadurch, dass ich natürlich selbstständig bin und mir meine Arbeit einteilen kann. Deswegen funktioniert es auch ganz gut."

Sprecher:

Die beiden haben sich arrangiert, sie haben sich mit dem Umstand abgefunden, dass Heiko nachts arbeitet und finden es gut so. Seine Freundin hat keine festen Arbeitszeiten, da sie selbstständig ist. Sie kann sich ihre Arbeit einteilen, also die Dinge dann erledigen, wann sie möchte. Meistens schläft Heiko Janssen bis 13 Uhr. Das ist für ihn dann morgens. Um dann wach zu werden, braucht er Tee. Das ist ganz typisch für Ostfriesen. Eine bekannte, kräftige Mischung schwarzen Tees heißt nicht ohne Grund Ostfriesen-Mischung. Bevor er losfährt, essen er und seine Freundin gemeinsam.

Heiko Janssen:

"Mein Lieblingsessen ist eigentlich alles, was meine Freundin kocht. Also Barbaras Küche ist ganz lecker. Aber wenn ich alleine bin, und Barbara beruflich nicht in Berlin ist, dann mach' ich mir mein Lieblingsgericht aus meiner Kindheit. Und das sind Kartoffeln, Bratwurst und Sauerkraut."

Sprecher:

Heiko ist mit dem Essen, das seine Freundin kocht, sehr zufrieden. Es schmeckt ihm. Ihre Küche ist ganz lecker. Am liebsten isst er jedoch das, was ihm seine Mutter als Kind gekocht hat. Seine Eltern, die noch in seiner ost-friesischen Heimatstadt Aurich wohnen, besucht er zwei- oder dreimal im Jahr. Doch weitere Kontakte nach Aurich pflegt er nicht mehr. Geblieben von früher ist aber die Liebe zur Musik. In seiner Wohnung im Berliner Stadtteil Friedrichshain hat er eine große Plattensammlung. Ab und zu legt er in einer Galerie, die Freunde von ihm betreiben, als DJ auf.

Heiko Janssen:

"Das mache ich schon seit fünf Jahren, seit es den Laden gibt. In den ersten zwei Jahren war ich fast jeden Dienstag hier, und in den letzten zwei Jahren nicht mehr so viel. Man wird ja älter und, na ja, ich such' mir jetzt die Rosinen raus. Wenn eine gute Band, eine interessante Band spielt, dann komme ich gern."

Sprecher:

Heiko Janssen arbeitet schon von Anfang an in dem Club – seit es den Laden gibt. Laden bedeutet hier nicht ein Geschäft, in dem man zum Beispiel Lebensmittel einkauft, sondern es ist ein anderes Wort für den Club. In der Anfangszeit war Heiko regelmäßig dort. Inzwischen aber sucht er sich nur die Rosinen raus, das heißt, er besucht den Club nur dann, wenn Musik gespielt wird, die ihm gefällt. Wenn sich jemand die Rosinen aus etwas heraussucht oder herauspickt, dann entscheidet er sich für das Beste. Wie jemand, der sich die leckeren, süßen Rosinen aus einem Kuchen herausnimmt. Und so war es schon immer für Heiko Janssen: Für gute Musik ist ihm der Weg nur ganz selten zu weit.

Fragen zum Text

Die meisten früheren DDR-Bürger fuhren einen …

1. Audi.

2. Mercedes.

3. Trabant.

Auflegen in einer Diskothek oder einem Club bedeutet, dass ...

1. jemand Musik abspielt.

2. der Besitzer verschiedene, in seinem Club produzierte Songs herausgibt.

3. der DJ ein Telefongespräch beendet.

Eine Hausfrau kann sich ihre Arbeit …

1. abteilen.

2. verteilen.

3. einteilen.

Arbeitsauftrag

Schreiben Sie einen Dialog zwischen einem Taxifahrer und einem Passagier, der mindestens eine DIN A4-Seite umfasst. Der Passagier ist ziemlich unfreundlich, weil er sehr viele Stunden im Flugzeug gesessen hat und völlig übermüdet ist. Der Taxifahrer versucht, ihn aufzuheitern. Lesen Sie alle Dialoge in der Gruppe vor. Entscheiden Sie, welcher Dialog Ihnen am besten gefallen hat. Spielen Sie diesen mit verteilten Rollen nach.

Autor: Carlos Albuquerque; Beatrice Warken

Redaktion: Ingo Pickel

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