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Wirtschaft

Der Tank ist noch nicht leer

Yukos befindet sich in Turbulenzen, der Nahe Osten steckt weiter in der Krise. Nachdem der Ölpreis ein 20-Jahres-Hoch erreicht hat, stellt sich die Frage: Wann geht uns eigentlich das Öl aus?

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Ölvorrat: Nicht mehr ganz voll, aber noch ist genügend da

Beim Thema Erdöl ist nur ein Punkt unstrittig: Die natürlichen Erdölvorkommen sind endlich. Alle Folgerungen aus dieser Tatsache sind Gegenstand freier Spekulationen. Im Mittelpunkt dieser Spekulationen steht schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder die Frage: Wie lange reichen die Erdölvorkommen noch? - Eine ideale Projektionsfläche für die unterschiedlichen Interessen von Medien, Spekulanten, Politikern, Umweltschützern und Unternehmen.

Gestiegene Ölpreise, gestiegene Reserven

Einer der häufigsten Trugschlüsse basiert auf der Annahme, dass die Ölreserven aufgrund der in den vergangenen Jahrzehnten gestiegenen Ölproduktion und wegen des erhöhten Ölverbrauchs rückläufig seien. Das Gegenteil sei der Fall, meint Dennis Nacken, Öl-Analyst bei Helaba Trust unter Verweis auf eine im Juni veröffentlichte Studie des Energiekonzerns BP: "Die Ölreserven sind in den letzten 20 Jahren um 60 Prozent gestiegen." Dieser Wert bezieht sich auf die sogenannten "proved reserves" also die "nachgewiesenen Reserven". Die Hauptkategorie der nachgewiesenen Reserven wird von den Forschern und Unternehmen wiederum in "nachgewiesene und entwickelte Reserven" sowie "nachgewiesene und unentwickelte Reserven" aufgeteilt. Während die Entwicklung der "nachgewiesenen Reserven" eindeutig belegbar ist, ist die zweite Hauptkategorie "nicht nachgewiesene Reserven" - unterteilt in "wahrscheinliche" und "mögliche nicht nachgewiesene Reserven" wissenschaftlich gesehen schwerer fassbar.

"Immer wieder, seit ich ein kleiner Junge war, gab es viel Aufruhr um die Vorhersage einer kommenden Ölknappheit, und immer wieder ist die Produktion in den darauffolgenden Jahren noch weiter gestiegen als je zuvor", soll schon 1925 J. Howard Pew, der Präsident von Sun Oil gesagt haben. Die Warnung vor einer drohenden Ölknappheit kehrt seitdem regelmäßig wieder - besonders wenn der Ölpreis auf Rekordmarken klettert. Tatsächlich aber hingen die steigenden Ölpreise bislang nie mit versiegenden Ölquellen, sondern stets mit politischen und wirtschaftlichen Ängsten zusammen. So auch zurzeit: Der anhaltend hohe Ölpreis wurde und wird nicht durch das Ausgehen des Rohstoffs, sondern durch veraltete Förderungsmethoden und mangelnde Lagerkapazitäten sowie durch die Unsicherheit im Irak und Saudi-Arabien, streikende Ölarbeiter in Nigeria, einen unberechenbaren Präsidenten in Venezuela sowie die Angst vor einem Produktionsstopp bei Yukos verursacht.

Kein Ende des Ölzeitalters

"Das Ölzeitalter ist noch lange nicht zu Ende", bekräftigt Rainer Wiek vom Energie-Informations-Dienst in Hamburg. Natürlich bereiten sich die Firmen intensiv auf eine Zeit ohne den Energieträger Öl vor. Diese Zeit ist aber noch lange nicht gekommen. "Wer sagt, dass es in 50 Jahren keine Ölvorkommen mehr gibt, hat keine Ahnung. Das ist alles in großes mathematisches Spiel und es kann gut sein, dass wir in 50 Jahren erneut gesicherte Reserven für weitere 50 Jahre haben", sagt Wiek.

Unter Experten gilt als gesichert, dass die derzeit "nachgewiesenen Resourcen" mindestens für 50 Jahre reichen. Allerdings sind seriöse Prognosen kaum möglich. "In den vergangenen Jahrzehnten gab es einen Technologiesprung. Während es damals unmöglich war Ölreserven in 3000 oder 4000 Meter Meerestiefe zu fördern, können die Ölvorräte zum Beispiel vor der westafrikanischen Küste heute problemlos gefördert werden", erläutert Helaba Trust-Analyst Nacken. Rainer Wiek vom Energie-Informations-Dienst verdeutlicht die rasante Entwicklung an einem Zahlenbeispiel: "Früher war bei bekannten Vorkommen eine von zehn Bohrungen erfolgreich, heute sind es acht von zehn." Zudem gibt es weiteres Entwicklungspotential: Den Experten zufolge sind entgegen landläufiger Meinung noch immer nicht alle Regionen umfassend auf mögliche Ölvorkommen untersucht.

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