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Politik

Der tägliche Telefonterror

Die USA - das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch in der Telefonwerbung. Der Telefonkommerz hat derartige Ausmaße angenommen, dass nun sogar die zuständige Bundesbehörde über gesetzliche Einschränkungen nachdenkt.

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Wie gut, daß es Anrufbeantworter gibt. Dies schien bislang die einzige Möglichkeit und effektivste Methode, um sich vor den nervigen Telefonanrufen zu schützen, die einen Abend für Abend zum Abschluss neuer Versicherungen, Kredite oder einfach zum Kauf einer neuen Mikrowelle überreden wollen. Aber, auch ein Anrufbeantworter will abgehört und gelöscht sein und zumindest die europäischen Freude empfinden es als unhöflich, wenn man überhaupt nicht mehr selbst ans Telefon geht.

Wer aber in Amerika auf den Gesetzgeber vertraut, um Konsumentenschutz einzufordern, der sieht sich zumeist enttäuscht. Es regiert der ungebremste Kommerz und wer sich als Konsument verweigert ist ein Spielverderber, schließlich lebt die US-Wirtschaft von der Konsumwut der Bevölkerung, wovon die hoffnungslos überzogenen Kreditguthaben zahlloser Amerikaner ein beredtes Zeugnis ablegen.

Doch der kommerzielle Telefonterror geht offenbar selbst den sonst so geduldigen Amerikanern zu weit. Immer mehr Bundesstaaten gingen zuletzt dazu über, Privatleuten die Möglichkeit einzuräumen sich auf "Do not call"-Listen setzen zu lassen, die ihren Telefonanschluss für die Werbefirmen tabu machen sollen. Insgesamt haben sich bereits 26 Bundesstaaten, darunter auch Kalifornien und New York, diesem Verfahren angeschlossen.

Die Werbebranche jedoch ist clever und so werden die Einschränkungen immer häufiger umgangen: Die Telefonvermarkter riefen einfach aus einem anderen Bundesstaat an oder sie gingen einfach dazu über, Mobiltelefone anzurufen. Daraufhin will nun auch die zuständige Bundesbehörde, die "Federal Trade Commission" dem telefonischen Werbeterror Einhalt gebieten. Mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 11.000 Dollar sollen kommerzielle Anrufer belegt werden, die sich von den Verbotslisten nicht abschrecken lassen.

In der Werbeindustrie gibt man sich dennoch gelassen. Niemand glaubt, dass der Staat tatsächlich einer Branche das Handwerk legen will, die inzwischen fast eine halbe Million Menschen beschäftigt. Und wenn doch? Sollten die Telefone wirklich einmal nicht mehr klingeln, gibt es ja noch Computer und E-mails ...