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Kultur

Der Swing-König ist tot

Der legendäre amerikanische Big-Band-Leader und Vibraphonist Lionel Hampton ist tot. Er starb am Samstagmorgen (31. August 2002) im Alter von 94 Jahren in einem Krankenhaus in New York.

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Lionel Hampton im Jahr 1998

Er war einer der letzten Könige der Swing-Ära und einer der herausragendsten Jazz-Musiker des vergangenen Jahrhunderts, Vibraphon-Virtuose, Schlagzeuger, Sänger und Orchesterleiter. Noch 1998 hatte er im Weißen Haus vor dem damaligen Präsidenten Bill Clinton gespielt und nach dem offiziellen Programm diesen aufgefordert, mit dem Saxophon auf die Bühne zu kommen.

Leidenschaft Vibraphon

Hampton war ein Strahlemann und Ausnahmetalent auf der Bühne, er begeisterte mit seiner ungezwungenen, energiesprühenden Art das Publikum ebenso wie mit seiner Musik. Von Haus aus war er Schlagzeuger, Louis Armstrong brachte ihn zum Vibraphon. Bei einer Aufnahme-Session 1930 zeigte "Satchmo" auf das Schlaginstrument und fragte Hampton, ob er das spielen könne. Als Kind hatte er mal ein Xylophon gehabt, und "Hamp" spielte, wie er einmal erzählte, einfach drauflos. Nach einer Dreiviertelstunde fühlte er sich sicher genug, um Armstrong bei "Memories Of You" am Vibraphon zu begleiten.

Mit diesem Instrument begann Hamptons Aufstieg zur Jazzlegende. 1936 kam er mit Benny Goodman zusammen - es folgten, wie er sagte, "vier großartige Jahre mit Benny" und dessen Quartett. 1940 gründete er sein eigenes Orchester; mit seinen Auftritten spielte er jährlich bis zu einer Million Dollar ein. Nach dem Ende der Big-Band-Ära bildete er eine kleinere, sechs bis acht Musiker umfassende Gruppe, die er Inner Circle nannte. Aber auch danach stellte er immer wieder mal Big Bands zusammen.

Who's Who des Jazz

In seiner mehr als 60 Jahre umfassenden Karriere hat Hampton mit dem Who's Who des Jazz von Louis Armstrong über Benny Goodman, Charlie Parker und Quincy Jones gearbeitet. Viele berühmte Jazz-Musiker gingen aus seinen Bands hervor: Charles Mingus, Jones, Parker, Dinah Washington, Illinois Jacquet, Dexter Gordon, Earl Bostic, Fats Navarro, Joe Williams.

In den neunziger Jahren zog Hampton sich wegen Gesundheitsproblemen zurück. Bei einem Wohnungsbrand wurde 1997 fast sein ganzer Besitz einschließlich eines großen Teils seiner Aufzeichnungen von musikalischen Arrangements zerstört.

Rassenschranke überwunden

Der laut seinem Pass am 20. April 1908 in Louisville im US-Staat Kentucky geborene Hampton bildete 1936 mit Teddy Wilson die "schwarze Hälfte" des berühmten Quartetts mit Goodman und Schlagzeuger Gene Krupa, das mit seinen öffentlichen Auftritten eine Rassenschranke überwand: Bis dahin waren schwarze und weiße Musiker kaum zusammen live aufgetreten. Pianist Wilson hatte schon zuvor mit Goodman und Krupa bei Plattenaufnahmen gespielt, weiße Musiker "informell" mit schwarzen Bands gejammt - aber bei offiziellen Auftritten schwarzer Musiker in weißen Orchestern gab es damals eine Barriere.

1937 entstand Hamptons bekannteste Komposition, "Flying Home". Er schätzte einmal, dass er das Lied danach ein halbes Jahrhundert lang 300 Mal im Jahr bei seinen Konzertreisen gespielt habe. Zwischen 1937 und 1950 hatte er mehrere Hits wie "After You've Gone", "Wizzin' The Wizz", "Hey! Ba-Ba-Re-Bop" und "Rag Mop". AP/(pg)