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Europa

Der Stuhl Petri ist verwaist

Benedikt XVI. ist im Ruhestand. Sein Nachfolger wird wohl im März gewählt. Um seine Rente muss sich der "Papst Emeritus" übrigens nicht sorgen.

Wie nennt man einen Menschen, der freiwillig auf das Amt des Bischofs von Rom und das des Papstes verzichtet? Darüber hatte man im Vatikan lange gegrübelt. Das war gar nicht so einfach, schließlich wird der Papst theologisch gesehen von Gott eingesetzt. Das heißt für Benedikt XVI., dass er auch weiterhin als "Heiliger Vater" oder "Seine Heiligkeit" angesprochen werden kann. Er wird den Titel "Papst Emeritus" tragen, sagte sein Pressesprecher Pater Federico Lombardi.

"Emeritus" ist auch bei anderen kirchlichen Würdenträgern üblich, wenn sie von ihren Pflichten entbunden werden. Bei seiner letzten Generalaudienz hatte der Papst gesagt, Papst bleibe man für immer: "Es gibt keine Rückkehr ins Private. Meine Entscheidung, auf die aktive Ausübung des Dienstes zu verzichten, widerruft das nicht. Ich kehre nicht ins Privatleben zurück, in ein Leben der Reisen, Begegnungen, Empfänge, Konferenzen und so weiter. Ich verlasse nicht das Kreuz, ich bleibe auf eine neue Weise beim gekreuzigten Herrn." Die deutsche Übersetzung "Alt-Papst" von "Papa emerito" würde man nicht so gerne sehen, so Sprecher Lombardi.

Der Name Benedikt bleibt

So trägt der emeritierte, bald 86 Jahre alte Papst auch weiterhin den Namen Benedikt. Er wird seinen Taufnamen Joseph Ratzinger nicht wieder annehmen. Allerdings hat er sich im engsten Kreis, zum Beispiel von seinem älteren Bruder Georg, immer mit Joseph anreden lassen. Das erzählte Georg Ratzinger, der in Regensburg lebt, vor einigen Tagen in einem Interview. Im Klerus im Vatikan gibt es aber auch kritische Stimmen. "Wie kann es denn sein, dass es, wenn der neue Papst gewählt sein wird, dann zwei Stellvertreter Christi gibt, einen amtierenden und einen abgetretenen, der sich aber immer noch Papst nennt?", fragt man im Vatikan hinter vorgehaltener Hand.

Coelestin V., der vor 719 Jahren als Papst zurücktrat, trug wieder seine Benediktinerkutte und kehrte zu seinem alten Namen zurück. Die Kirche ist aber schon mit ganz anderen Situationen fertig geworden. Im Mittelalter gab es zur Zeit der Kirchenspaltung bis zu drei Päpste, einen echten und zwei Gegenpäpste gleichzeitig.

Nachtwache von Nonnen und Pilgern vor dem Apostolischen Palast (Foto: Bernd Riegert DW)

Nächtliche Prozession der Gläubigen zum Apostolischen Palast

Das Schöne am Amt des Papstes ist sicherlich, dass Benedikt XVI. sich um solche Überlegungen nicht kümmern muss, denn im Vatikan ist er auch heutzutage absoluter Herrscher. Der kleinste Staat der Erde ist völkerrechtlich gesehen eine absolute Wahlmonarchie, in der der Papst gleichzeitig Regierungschef, Gesetzgeber und oberster Richter ist. Mit anderen Worten: Oberhirte Benedikt XVI. konnte sich die Regeln für seinen Rückzug und das, was danach kommt, selber machen. Auf die Verhältnisse der weltlichen Schäfchen heruntergebrochen heißt das: Ich schreibe mir meinen eigenen Rentenbescheid.

Die roten Schuhe des Papstes (Archivfoto: AFP/Getty Images)

Nur der richtige Papst soll rote Schuhe tragen

Keine roten Schuhe mehr

Nach Auskunft des Vatikans wird der Papst im Ruhestand weiter seine weiße Soutane tragen. Die Farbe weiß ist nach der kirchlichen Kleiderordnung nur Päpsten zugedacht. Künftig wird es also im Kirchenstaat zwei weiß gekleidete ältere Herren geben. Man muss auf die Schuhe achten. Laut Pressesprecher Pater Lombardi ist nicht vorgesehen, dass der passive Papst weiter die berühmten roten Schuhe trägt. Die roten Schuhe stünden eigentlich nur dem aktiven Papst zu.

Pater Lombardi sagte, Benedikt XVI. liebe seine braunen Schuhe, die er auf einer Dienstreise nach Mexiko geschenkt bekommen habe. "Die sind so unglaublich bequem", so Lombardi lächelnd. Den goldenen Fischerring, das Symbol der päpstlichen Macht, hat Benedikt abgelegt. Er wurde am Ende des Pontifikats in "einer würdigen Zeremonie zerstört", sagte Lombardi. Die Unfehlbarkeit in kirchlichen Glaubensfragen endete übrigens auch, sie ist kirchenrechtlich an das Amt des aktiven Papstes gebunden.

Kloster im Vatikan (Foto: ABACAPRESS.COM)

Künftiger Wohnsitz: Kloster im Vatikan (linker Anbau)

Die Rente ist sicher

Der Papst bekam im aktiven Dienst kein Gehalt. Deshalb bekommt er in der passiven Phase auch kein Ruhegeld oder eine Rente. Er braucht auch keine Krankenversicherung. Er hat bestimmt, dass es einfach so weitergeht wie bisher. Das heißt, dass die "Heilige Mutter Kirche" für den Lebensunterhalt, die Wohnung, Arztkosten und die vier Nonnen aufkommt, die ihm weiter den Haushalt führen werden. Außerdem bleibt Erzbischof Georg Gänswein erst einmal sein Sekretär. Reisekosten fallen wahrscheinlich keine mehr an. Im Vatikan heißt es, der ehemalige Papst wolle in dem kleinen Kloster "Mater Ecclesiae" in den Vatikanischen Gärten in Klausur leben. Das heißt: Er wird das Gebäude und die Vatikanmauern kaum verlassen.

Georg Gänswein soll der Präfekt des Päpstlichen Hauses bleiben. Damit würde er auch für den neuen Papst die Organisation des alltäglichen Geschäfts leiten und mit entscheiden, wer eine Audienz erhält. Gänswein wäre damit ein Bindeglied zwischen dem passiven Papst Benedikt und dem neuen. Ob die beiden Päpste je zusammentreffen werden, ist unklar. Die Protokoll-Abteilung macht sich schon Gedanken darüber, was passiert, wenn beide gleichzeitig in den Vatikanischen Gärten Luft schnappen wollen.

Viel lesen und etwas schreiben

Eine Rückkehr in seine Heimat Bayern scheint ausgeschlossen, so der Kirchenhistoriker Hubert Wolf im Interview mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Benedikt XVI. hätte zum Beispiel bei seinem Bruder in Regensburg leben können. "Doch dann wäre dort ein Wallfahrtsort entstanden, eine Art Gegenzentrum zu Rom." Deshalb habe sich der Papst wohl für die Abgeschiedenheit im Vatikan entschlossen: "Damit unterstellt er sich der Autorität seines Nachfolgers." Kirchenhistoriker Wolf vermutet, dass der emeritierte Papst viel lesen, beten und schreiben wird. "Er wird das tun, was er schon vor Jahren wollte: sich zurückziehen und Bücher schreiben." Und sich nicht einmischen, so Wolf.

Bevor sich Benedikt XVI. aber in das vatikanische Kloster zurückziehen kann, muss er einen Zwischenstopp in Castel Gandolfo einlegen, der Sommerresidenz unweit von Rom. Das Kloster wird nämlich gerade renoviert und die Arbeiten sollen erst in einigen Wochen beendet sein. Der Rückzug aufs Land erfolgte aber wohl auch, damit er bei der anstehenden Neuwahl des Papstes nicht "im Weg steht". In Castel Gandolfo hatte er seinen wirklich allerletzten öffentlichen Auftritt und verabschiedete sich im Innenhof von den Bewohnern des angrenzenden Dorfes.

Die berühmte Schweizer Garde in ihren bunten Uniformen zog um 20 Uhr am Donnerstag vom Castel Gandolfo ab und schloss am Papstpalast im Vatikan die Tore. Sie ist allein die Leibwache des aktiven Papstes. Für die Sicherheit des ehemaligen Papstes sorgen nun normale Polizeibeamte. Castel Gandolfo gehört staatsrechtlich übrigens zum Vatikan. Joseph Ratzinger hat somit den Kirchenstaat gar nicht verlassen. Den Weg vom Apostolischen Palast im Vatikan bis zum Castel legte er mit dem Hubschrauber zurück.

Benedikt XVI. (in weiß) und sein Sekretär Georg Gänswein im Garten des Castel Gandolfo (Foto: Getty Images)

Benedikt XVI. (in weiß) und sein Sekretär Georg Gänswein im Garten des Castel Gandolfo

Twittert er weiter?

Der australische Kardinal George Pell hat die Abdankung des Papstes kritisiert. Das sei ein Besorgnis erregender Präzedenzfall, so Pell im australischen Sender "Seven Network". "Leute, die künftig mit dem neuen Papst nicht einer Meinung sein werden, könnten eine Kampagne starten, um ihn zum Rücktritt zu bewegen." Im Übrigen sei Benedikt ein "großer Lehrer" gewesen, aber das Regieren in der Kurie habe nicht zu seinen starken Seiten gehört, so Pell.

Sein Konto beim Internet-Kurznachrichtendienst Twitter wird Benedikt XVI. übrigens behalten. Ob er es weiter benutzen wird, sei offen, teilte der Vatikan mit. Der deutsche Account @Pontifex_de hat 60.000 Anhänger.

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