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Wirtschaft

Der Strippenzieher von Davos

Einmal im Jahr reist die Creme de la Creme aus Wirtschaft und Politik in einen kleinen Skiort in der Schweiz, um die Probleme der Welt zu diskutierten. Klaus Schwab lädt sie seit 39 Jahren ein.

Klaus Schwab (Foto: AP)

Klaus Schwab will mit seinem Forum 'die Welt verbessern'

Wenn es einen obersten Netzwerker der Globalisierung gibt, dann ist er es: Klaus Schwab kennt weltweit wahrscheinlich die meisten Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Denn eine große Zahl von ihnen folgt jedes Jahr seiner Einladung: zum Weltwirtschaftsforum nach Davos. So auch im dritten Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise. Diesmal geht es Schwab vor allem darum, über mehr globale Zusammenarbeit zu sprechen. "Wir hatten gerade Kopenhagen und viele andere Gipfel im Jahr 2009, die uns aufzeigen, dass das momentane System globaler Zusammenarbeit nicht wirklich funktioniert", sagt Schwab.

Davos (Foto: dpa)

Als kleines Managertreffen hat 1971 alles begonnen, dieses Jahr kommen 2500 Teilnehmer nach Davos

Und da will er nachhelfen, zum 40. Mal organisiert er nun schon dieses Forum. 1971, kurz bevor er Professor für Unternehmenspolitik an der Universität Genf wurde, begann die Geschichte von Davos. Als bescheidenes Managertreffen. Mittlerweile ist daraus ein Weltereignis geworden, bei dem sich jedes Jahr Ende Januar etwa 2500 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur versammeln. Und das jedes Jahr von neuem polarisiert.

Kontakt-Börse in den Bergen

Für die Teilnehmer ist Davos eine Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen oder Geschäfte anzubahnen. Für die Kritiker das Sinnbild einer arroganten Geldelite, die sich in einem Schweizer Bergkurort selbst feiert.

Doch dafür dürfte bei diesem Treffen wenig Gelegenheit sein: Auf den Veranstaltungen diskutieren Professoren und Manager, wie die Marktwirtschaft grundsätzlich verändert werden muss, um künftige Finanzkrisen zu vermeiden. Und sogar über die Vergütung von Managern wird dieses Jahr geredet – für viele Experten ein Grund für die Exzesse auf den Finanzmärkten. Solche Runden, glaubt Schwab, können zumindest helfen, die Fehler der globalen Finanzkrise nicht noch einmal zu machen. "Wir müssen an die Wurzeln dieser Fehler gehen", sagt Schwab. Doch stattdessen wird an den weltweiten Börsen wieder gezockt, als hätte es die Krise nie gegeben. Eine Entwicklung, die Schwab beklagt.

Ein Kritiker der Marktradikalen

Denn auch wenn es so aussieht, als würde der Professor aus Ravensburg in Davos schon seit Jahren die Verfechter des Marktradikalismus hofieren – der Organisator kritisiert schon lange die Gier auch derjenigen, die alljährlich zu seinem Forum kommen. Die professionelle Rolle des Managements sei durch Bonussysteme ausgehöhlt worden, schreibt Schwab in einem Essay. Und wird noch deutlicher: Das Berufsethos des Managementberufs sei durch kurzfristiges Gewinnstreben pervertiert worden. Auch mit einer Stiftung tritt er seit zehn Jahren für eine andere Form von Management: Die "Schwab Foundation for Social Entrepreneurship", widmet sich der Frage, wie Wirtschaftswachstum auch dem sozialen Fortschritt dienen kann.

Für das Weltwirtschaftsforum hat Schwab vor einigen Jahren nicht weniger als das Ziel formuliert, den Zustand der Welt zu verbessern. In diesem Jahr bedeutet das, etwas konkreter: die Welt nach der Krise formen. "Nur wenn wir langfristig denken und handeln, können wir Vertrauen wieder herstellen, Vertrauen in unser Wirtschaftssystem und Vertrauen in unsere Zukunft", sagt der Ökonom. Tatsächlich wäre 2010 schon viel erreicht, wenn Davos dazu beitragen könnte, den Zustand des Finanzsystems ein wenig zu verbessern.

Autor: Manfred Götzke

Redaktion: Rolf Wenkel