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Welt

Der Straßenrand als Jobbörse

Die Arbeitslosigkeit in Namibia ist hoch. In der Hauptstadt Windhuk hoffen täglich rund 1500 Tagelöhner darauf, für einige Stunden bezahlte Arbeit zu bekommen. Die Organisation "Men on the Side of the Road" hilft ihnen.

Männer sitzen und stehen unter einem Baum auf einem Parkplatz (Foto: DW/Brigitta Moll)

Warten auf ein paar Stunden Arbeit: Tagelöhner in Windhuk

Amutenya Simon wartet auf Arbeit. Seit sieben Uhr steht er zusammen mit etwa 50 weiteren Männern auf einem Parkplatz in der namibischen Hauptstadt Windhuk. "Ich möchte, dass etwas aus mir wird. Manchmal kann ich zwei Monate lang meinem Kind kein Geld schicken. Dabei möchte ich ihm ein gutes Vorbild sein", sagt Simon.

Vor drei Jahren hat er seinen Job bei einer Baufirma verloren. Damals meldete er sich bei "Men on the Side of the Road" an, kurz: MSR. Die Organisation vermittelt Arbeitslosen tageweise Jobs. Wer dazu gehört, bekommt einen Mitgliedsausweis. Simons Mitgliedsausweis bescheinigt ihm, dass er bereits als Elektriker und Handwerker Erfahrungen gesammelt hat. Für die Arbeitgeber ist der Ausweis auch eine Art Verlässlichkeitsgarantie.

Drei Stunden Arbeit

Ein Mann arbeitet in einem Garten (Foto: DW/Brigitta Moll)

Drei Stunden Arbeit für Simon

Endlich, ein Anruf von MSR. Über Handy erfährt Simon, wo er seinen heutigen Arbeitgeber treffen soll und welche Tätigkeit ihn erwartet. Simon und zwei andere Mitglieder von MSR sollen einen Garten von Ästen und Laub befreien. Simon ist froh über diese Arbeit. "Jeder Job bringt Geld ein und Geld ist die einzige Lösung für die meisten meiner Probleme. Deshalb bin ich glücklich, wenn ich nicht bloß am Straßenrand sitze."

Für drei Stunden Arbeit erhält Simon 100 Namibische Dollar, umgerechnet zehn Euro. Eine Ausbildung hat er nicht. Im zehnten Schuljahr waren seine Noten zu schlecht, er brach die Schule ab. So wie Simon gibt es über 1500 ungelernte Tagelöhner in Windhuk, schätzt die Organisation MSR.

MSR will Hilfe zur Selbsthilfe bieten

"Men on the Side of the Road" hat in Windhuk über 600 registrierte Mitglieder. Die Leiterin Janet Wicks möchte bald auch in anderen namibischen Städten Anlaufstellen für Tagelöhner anbieten. Schon jetzt vermittelt die Organisation auch Ausbildungsplätze und gibt Computerkurse. Janet Wicks will, dass die Mitglieder ihre Jobsuche selbst in die Hand nehmen. "Natürlich bemühen unsere Mitglieder sich darum, einen Job zu finden, aber es ist eine sehr passive Arbeitssuche", sagt Wicks. "Sie laufen zwei bis drei Stunden zu Fuß und sitzen dann den größten Teil des Tages am Straßenrand. Dann laufen sie zurück."

Nach einer Versammlung bei MSR macht sich Simon daran, seinen Lebenslauf zu schreiben. Bisher hatte er keine Bewerbungsunterlagen. MSR stellt zwei Computer zur Verfügung. Keiner hier könnte sich einen eigenen Computer leisten. "Ich bin kein Experte, aber jetzt mache ich einen Kurs und lerne viel dazu", sagt Simon.

Hohe Arbeitslosenzahl trotz Wirtschaftswachstum

Porträt von Herbert Jauch (Foto: DW/Brigitta Moll)

Namibia habe zu wenige kleine Unternehmen, so Jauch

Namibias Wirtschaft wächst jedes Jahr um vier Prozent. "Wir exportieren hauptsächlich unverarbeitete Rohstoffe, Halbfabrikate und landwirtschaftliche Produkte", erklärt Herbert Jauch, Gründungsdirektor des gewerkschaftlichen Forschungsinstituts LARRI (Namibia's Labour Resource and Research Institute) die hohe Arbeitslosenzahl. Die Situation in Namibia sei mit der in anderen Ländern der Region vergleichbar. "Wir importieren alle Geräte und Maschinen, grundlegende Konsumgüter werden nicht vor Ort produziert." Das Problem liege darin, dass Namibia so gut wie kein produzierendes Gewerbe habe, sagt Herbert Jauch.

Am Abend kehrt Simon zurück in seine Hütte. Sie steht im Stadtteil Havanna und besteht aus Holz und Wellblech. Eine kleine Holzbank steht in dem staubigen Eingangsbereich. Auf dem Regal dahinter steht ein Topf mit Maisbrei. Simons Frau und Kinder leben in seiner Heimat im Norden Namibias, höchstens alle drei Monate kann er sie besuchen.

Mit Optimismus in die Zukunft

Wenn er einen regelmäßigen Job bekommt, möchte Simon sein älteres Kind nach Windhuk holen und hier zur Schule schicken. "Im Moment geht das nicht, weil die Hütte zu klein ist und sich niemand um das Kind kümmern kann." Simon würde gerne sein eigener Chef sein. Er will an der nächsten Elektriker-Ausbildung teilnehmen, die "Men on the Side of the Road" anbietet. Danach, ist er sich sicher, wird das Warten auf Arbeit endlich der Vergangenheit angehören.

Autorin: Brigitta Moll
Redaktion: Beatrix Beuthner

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