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Kultur

Der Star bin ich – im Mittelpunkt steht der Künstlerkult

Ein gigantischer Ausstellungsreigen, den die Hauptstadt in diesem Umfang noch nicht gesehen hat, eröffnet in diesen Tagen in Berlin. In zehn Ausstellungen will man der Frage nachgehen, was einen Künstler ausmacht.

Beuys auf einem Bildschirm (Quelle: dpa)

Joseph Beuys (1921-1986) wird in seiner aktuellen Ausstellung in Berlin in Filmen zu sehen sein

In Berlin holt man ganz weit aus. In einem Zyklus von insgesamt zehn Ausstellungen nähert man sich dem Kult des Künstlers. Man will klären, was denn nun den Künstler so ausmacht, was ihn heraushebt, so populär macht und warum er immer wieder verehrt wird – ob als Prophet, Genie oder Übermensch. Es geht aber auch um den Versuch der Annäherung an einen Mythos, in dem sich das Drama des ewigen Streits zwischen Wirklichkeit und Wahn, Himmel und Hölle, Schicksal und freier Selbstbestimmung offenbart.

Peter-Klaus Schuster (Quelle: dpa)

Der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) Peter-Klaus Schuster

Die nicht gerade unbescheidene Idee stammt von Peter-Klaus Schuster, dem scheidenden Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, der noch einmal mit aller Macht und Verve seine Stadt und seine Museen rühmen mag. "Das ist wirklich eine Bedeutungslandschaft: Der Künstler als jene Leitfigur, der wir nachfolgen, mit der wir das Leben wieder erretten, und wieder mit uns eins werden mit allen Sinnen und dergleichen. Und von daher wieder Mensch werden", erklärt Schuster.

Vom Diener zum Star

Nofretete-Büste in Berlin (Quelle: dpa)

Die von Thutmosis geschaffene Büste der altägyptischen Königin Nofretete steht im Alten Museum in Berlin

Schinkel und Brentano, Hans von Marees, Giacometti, Paul Klee: Das sind nur ein paar der Protagonisten, die von seither vom Publikum als Künstler gefeiert wurden – und in Berlin mit Ausstellungen gerühmt werden. Der Ausstellungsdekalog erinnert auch an die Anfänge der Künstlerverehrung. Hier wird Thutmosis, der Schöpfer der heute in Berlin beheimateten Statue der Nofretete, als einer der ersten genannt, die vom Glanz des Künstlerruhms umgeben waren. Am Ende der Reihe stehen Andy Warhol und Joseph Beuys, die Säulenheiligen der Kunst des 20. Jahrhunderts.

"Vorher war der Künstler Dienender innerhalb der religiösen Ideologien", weiß Eugen Blume, Direktor des Berliner Museums Hamburger Bahnhof. Ab dem 19. Jahrhundert habe sich der Künstler befreit. "Seitdem ist er völlig selbständig geworden, auch von jedem Auftrag abgelöst, und trotzdem hat er in der Gesellschaft einen Kultstatus", so Blume, der die Beuys-Werkschau kuratiert hat – die größte Beuys-Show, die Deutschland je gesehen hat.

Beuys' Philosophie

Mit Hut und Weste erklärt Beuys in 50 Filmen, die unentwegt in der über 5000 Quadratmeter großen Ausstellung flimmern, seine Welt. Und man sieht die alltäglichen Materialien wieder, die man in der Kunstwelt nur mit Beuys zusammenbringt und die sein berühmtes Inventar ausmachen: Fett, Filz, Schiefer, Honig – Dinge die vor Beuys in der Kunst unter aller Würde galten. Es gehe um das Lernen und darum, wieder bewusst zu machen, dass es solche radikalen Figuren wie Beuys einmal gab, erklärt Blume. "Beuys ist jetzt 22 Jahre tot. Es ist ein richtiger Abenteuerspielplatz, wo man die großartige Gestalt, also den Revolutionär Beuys, entdecken kann."

Ausstellungsraum der Beuys-Ausstellung im Hamburger Bahnhof (Quelle: dpa)

Ein Einblick in die aktuelle Beuys-Ausstellung im Hamburger Bahnhof

Die Beuys-Werkschau ist mit dem ironischen Titel überschrieben: "Die Revolution sind wir" – in Anlehnung an das berühmte Selbstporträt des auf den Betrachter zuschreitenden Beuys. Doch der Künstler hat mit der Revolution keinen gewaltsamen Umsturz im Kopf gehabt. Ihm ging es um eine gewaltfreie, utopische und evolutionäre Neuordnung der Welt, in der die Menschen sich aus dem bedrohlichen Schatten der Geschichte befreien und die Zukunft frei und selbstbestimmt in die Hand nehmen. Der Kult des Künstlers erscheint hier als Prophet.

Beuys' Idee sei es gewesen, erinnert Blume, dass jeder Mensch ein Künstler sei. "Alles was den Künstler ausmacht an besonderen Energien, besonderen Formenkräften, das wollte er auf jeden Menschen übertragen wissen." Egal, was ein Mensch arbeite, er solle alles, was er tut, als einen plastischen und somit als einen künstlerischen Prozess begreifen, so Blume weiter.

Keine Künstlerin

Der Berliner Ausstellungsreigen ist eine bombastische männliche Künstlershow. Denn im Rampenlicht des Künstlerkults taucht nicht eine einzige Frau auf, obwohl einem schnell Namen einfallen würden, die da gut und gerne einen Platz in dem Ausstellungszyklus "Der Kult des Künstlers" einnehmen könnte. So bleibt das Ganze dann doch eher eine gigantomane Show, in der Berlin erneut zeigt, welchen Platz es im Kunstbetrieb weltweit einnimmt.

Die ersten Ausstellungen aus der Reihe "Der Kult des Künstlers" beginnen in diesen Tagen. Wer alle zehn davon sehen will, sollte im November oder Dezember nach Berlin kommen, wenn alle gleichzeitig geöffnet sind.

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