1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Top-Thema – Podcast

Der Staat als PC-Hacker

Seit Monaten wirbt der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) für die so genannte Online-Durchsuchung. Datenschützer schlagen Alarm, doch die Sicherheitsbehörden wollen die Pläne unbedingt durchsetzen.

Hand auf Tastatur

In einigen Ländern sind Online-Durchsuchungen legal

Das Bundesinnenministerium wird vielleicht in Zukunft Schnüffelsoftware auf private Rechner schleusen, die als E-Mails von staatlichen Behörden getarnt sind. Dadurch können die Computer-Inhalte vom Staat kontrolliert werden. So sollen terroristische Angriffe verhindert und Formen organisierter Kriminalität bekämpft werden, wie etwa Kinderpornographie, Wirtschaftskriminalität, Menschen- und Waffenhandel. Laut Jörg Ziercke, dem Chef des Bundeskriminalamts, spielt das Internet bei der Vorbereitung von Verbrechen eine immer größere Rolle. Die Polizei müsse mit dem technischen Fortschritt der Täter Schritt halten und dürfe nicht zulassen, dass diese im Internet ungestört Verbrechen planen können.

Datenschützer, Oppositionsparteien und Medien äußern heftige Kritik an den Plänen. Auch beim Koalitionspartner SPD sind sie umstritten. Die sozial-demokratische Justizministerin Brigitte Zypries hat verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Online-Durchsuchung. Denn sie wäre auf jeden Fall ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre, die durch das Grundgesetz geschützt werden soll. Die Kritiker glauben außerdem, dass durch die staatliche Beobachtung das Vertrauen des Bürgers in den Staat zerstört werde. Das Bundesinnenministerium beruhigt: Diese Methode werde man nur im Ausnahmefall nutzen. Das Bundeskriminalamt habe kein Interesse an Krankheitsberichten, Tagebüchern oder Liebesbriefen.

Beim Bundeskriminalamt schaut man derzeit neidisch auf andere europäische Länder, wo Online-Durchsuchungen bereits erlaubt sind. Ob es in Deutschland jemals dazu kommt, wird auch von einer bevorstehenden Gerichtsentscheidung abhängen. Denn der Landtag von Nordrhein-Westfalen ist schon einmal vorgeprescht und hat den Geheimdiensten in NRW die Erlaubnis für Online-Durchsuchungen erteilt. Im Oktober wird sie vom Bundesverfassungsgericht überprüft.


GLOSSAR

Alarm schlagen – auf eine Bedrohung hinweisen, warnen

Bundesinnenministerium, das – Ministerium, das in Deutschland unter anderem für die innere Sicherheit und den Schutz der Verfassung zuständig ist

schnüffeln – hier: das Privatleben von Personen ausspionieren, beobachten

Schnüffelsoftware, die – Computerprogramm, mit dem man über das Internet fremde Computer ausspionieren kann (ugs.)

schleusen – etwas heimlich von einem Ort zum anderen bringen; hier: unbemerkt ein Programm auf einem Computer installieren

Bundeskriminalamt, das – Teil des Innenministeriums, organisiert die nationale Verbrechensbekämpfung

mit jemandem Schritt halten – so schnell sein wie jemand

Datenschützer, der – jemand, der sich dafür einsetzt, dass persönliche Informationen vor der Öffentlichkeit oder dem Staat geschützt werden

verfassungsrechtliche Bedenken gegen etwas haben – glauben, dass ein politischer Plan nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist

Grundgesetz, das – die deutsche Verfassung; sie enthält die Grundrechte

im Ausnahmefall – nur in einer ganz besonderen Situation, sehr selten

Landtag, der – Parlament eines Bundeslandes

vorpreschen – vorauseilen; etwas tun, bevor alle Probleme geklärt sind

Geheimdienst, der – staatliche Behörde, die Informationen zur innen-, außen- und sicherheitspolitischen Situation sammelt und auswertet

erteilen – geben (z.B. Erlaubnis, Lizenz, Auftrag, Aufgabe)

Bundesverfassungsgericht – Gericht, das die Einhaltung des Grundgesetzes kontrolliert

Fragen zum Text

Was ist eine Online-Durchsuchung?

1. eine Internet-Suchmaschine

2. staatliche Überwachung von privaten Computern

3. Internet-Kontaktbörse, mit der man alte Freunde wieder finden kann

Was wird bei der Online-Durchsuchung gesucht?

1. Liebesbriefe

2. Tagebücher

3. Hinweise auf Straftaten

Welches Argument gegen die Online-Durchsuchung wird im Text genannt?

1. Die Online-Durchsuchung ist zu teuer.

2. Die Online-Durchsuchung hilft nicht bei der Verbrechensbekämpfung.

3. Die Online-Durchsuchung verstößt gegen menschliche Grundrechte.

Arbeitsauftrag

„Die Online-Durchsuchung – ein sinnvolles Mittel zur Verhinderung von Straftaten?“

Bilden Sie zwei Gruppen:

Gruppe 1: Vertreter der Polizei, des Bundeskriminalamtes und Bürger, die Angst vor terroristischen Anschlägen haben

Gruppe 2: Datenschützer und Bürger, die Angst vor einer staatlichen Spionage haben

Sammeln Sie zunächst in Ihrer Gruppe Argumente für Ihre Position und diskutieren Sie anschließend mit der anderen Gruppe. Gehen Sie dabei auch auf die „gegnerische“ Position ein.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads