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Fußball

Der Spieltag der Vorentscheidungen

Die Königsklasse des europäischen Fußballs geht in die nächste Runde, in der Champions League steht der vierte Gruppen-Spieltag auf dem Programm. Mit Bremen, Schalke und Bayern sind drei deutsche Vereine gefordert.

Dwight Tiendalli vom FC Twente kämpft gegen Bremens Wesley um den Ball (Foto: AP)

Werder Bremen gegen Twente Enschede: Kampf ist Trumpf

Für Werder Bremen ist praktisch schon die letzte Chance auf das Erreichen des Achtelfinals gekommen, doch bei den Hansestädtern regiert nach den jüngsten Rückschlägen der Frust. Dem schweren Dämpfer in der Fußball-Bundesliga soll jetzt unbedingt der Befreiungsschlag in der Champions League folgen. Gegen Twente Enschede kämpfen die noch sieglosen Bremer an diesem Dienstag (02.11.2010) in der Gruppe A um die Kehrtwende im internationalen Geschäft.

"Es geht um Europa. Ob wir weiterhin auf der europäischen Reise dabei sind oder ob wir im kommenden Jahr nicht mehr mitspielen", bewertete Trainer Thomas Schaaf die Situation vor dem richtungweisenden Spiel vor heimischem Publikum. Für Werder-Chef Klaus Allofs steht ohne Wenn und Aber fest: "Wir müssen gewinnen!" Angesichts des blamablen 2:3 am vergangenen Samstag gegen Nürnberg ist Allofs bemüht, die Werder-Mannschaft vor dem Duell mit dem punktgleichen niederländischen Meister stark zu reden. "Das Potenzial ist da, die Mannschaft kann das", sagte der Clubchef. Er hofft trotz der jüngsten Rückschläge auf eine Initialzündung.

Tim Wiese (Foto: dpa)

Keeper Tim Wiese fehlt Werder

Neben der Stimmung macht Trainer Schaaf wieder einmal die Personalmisere zu schaffen. Neben Tim Borowski und den Langzeitverletzten Naldo und Sebastian Boenisch müssen auch Stammkeeper Tim Wiese sowie die Abwehrspieler Clemens Fritz und Petri Pasanen erneut passen. Im Falle einer Niederlage müsste Werder die verbleibenden Spiele bei Tottenham Hotspur und gegen Titelverteidiger Inter Mailand gewinnen, um sich eine Chance zu erhalten. Abwehrchef Per Mertesacker setzt daher voll auf Sieg: "Das ist die letzte Möglichkeit."

Schalke: Königsklasse als Therapie

Schalke 04 steht mit bereits sechs Punkten auf der Habenseite zwar besser da als Werder Bremen, doch genießen können die Königsblauen ihre Champions-League-Partie an diesem Dienstag auch nicht. Zu sehr steckt die dramatische Situation im Bundesliga-Keller nach dem 0:1 gegen Leverkusen in den Köpfen der Spieler und der Verantwortlichen.

Für S04 bedeutet die Partie beim israelischen Meister Hapoel Tel Aviv, angesichts der bedrohlichen Situation in der Liga, eine lästige Pflichtnummer. Trainer Felix Magath passte die beschwerliche Reise nicht recht in den Kram. "Ich kann mich nicht so richtig freuen, trotzdem werden wir versuchen, Kraft zu tanken für die Partie am kommenden Freitag gegen St. Pauli. Die ist sicher wichtiger als das Champions-League-Spiel." Auch wenn die Bundesliga Priorität habe, sei das keine Entschuldigung für eine schwache Leistung in Tel Aviv. Und Magath ergänzte: "Jeder weiß, dass wir hier eine gute Chance haben, einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen können. Und ich bin überzeugt, dass sich alle voll reinhängen."

Schalkes Spieler jubeln (Foto: dapd)

So soll es wieder werden: Schalke jubelt nach dem Treffer zum 2:0 im Hinspiel gegen Hapoel Tel Aviv

In der Tat konnte Schalke in der Königsklasse bisher überzeugen. Insbesondere bei den Heimsiegen gegen Benfica Lissabon (2:0) und Hapoel (3:1), mit denen sich das Magath-Team als Tabellen-Zweiter in der Gruppe B eine gute Ausgangsbasis schuf, zeigten Raúl und Co. ihr anderes Gesicht. Gleichwohl steckt dem Tabellen-17. die laut Magath "belastende Situation" in den Köpfen. Statt um den Titel zu spielen, droht in der Liga ein langer und beschwerlicher Abstiegskampf. Abwehrchef Christoph Metzelder, der nach dem 0:1 gegen Bayer "ratlos" war, hob die Bedeutung des Spiels in Israel für den Verlauf der kommenden Wochen hervor: "In unserer Lage dürfen wir uns keine Niederlage mehr leisten, egal in welchem Wettbewerb. Jetzt ist jeder Sieg wichtig, und jede Niederlage gefährlich für uns."

Bayern: Königsklasse nicht ohne Ärger

Louis Van Gaal (Foto: AP)

Louis van Gaal in der Kritik

Ganz anders dagegen die Situation beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München – sollte man meinen. In der Champions-League-Gruppe E führt man souverän nach drei Erfolgen aus drei Partien mit neun Punkten und in der Bundesliga hat man spätestens mit dem 4:2-Sieg gegen Freiburg am vergangenen Freitag zur Aufholjagd geblasen. Jetzt ein weiterer Dreier beim rumänischen Meister CFR Cluj und man hätte vorzeitig das Achtelfinale der Königsklasse erreicht. Alles scheint wieder zu laufen – doch weit gefehlt.

Der Sommer in Deutschland ist zwar vorbei, doch das was Uli Hoeneß jetzt angezettelt hat, könnte auch gut in das sonst so übliche Sommertheater der Bayern passen. Der Präsident hatte den Münchner Trainer Louis van Gaal deutlich kritisiert und die Personalpolitik des Vereins verteidigt.

Rummenigge und Hoeneß (Foto: dpa)

Hoeneß poltert, Rummenigge (l.) muss es wieder richten

"Es ist schwierig mit ihm zu reden, weil er anderer Leute Meinungen nicht akzeptiert", sagte Hoeneß, "ich habe mit ihm nicht mehr viel zu besprechen. Es ist ähnlich wie bei Felix Magath: Ein Fußball-Verein darf heutzutage keine One-Man-Show mehr sein." Der Niederländer habe Akteure aus der zweiten Reihe zu lange nicht stark gemacht. Es gebe vier, fünf Spieler, "die hier permanent falsch eingeschätzt werden", sagte Hoeneß. Jetzt soll Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vermitteln, Präsident und Trainer zur Versöhnung an einen Tisch bringen.

Mitten in den Liga-Aufschwung und in die Vorbereitung auf das Spiel in Cluj am Mittwoch (03.11.2010) platzte aber nicht nur der hausgemachte Ärger. Zu allem Übel musste van Gaal mit Ivica Olic den nächsten Langzeitverletzten beklagen. Der kroatische Stürmer muss wegen einer Außenmeniskusverletzung und eines Knorpelschadens am Knie operiert werden und fällt sechs Monate aus. Auch Nationalspieler Holger Badstuber wird fehlen, der Innenverteidiger muss wegen einer Schambeinentzündung passen. Einen Lichtblick gibt es dann aber doch: Torhüter Jörg Butt ist nach seinen Rückenproblemen wieder einsatzbereit.

Autor: Calle Kops

Redaktion: Wolfgang van Kann