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Filme

Der späte Senkrechtstarter

Der Schauspieler Axel Prahl fällt in einer Fußgängerzone nicht auf. Obwohl er in Deutschland so erfolgreich ist. Er strahlt weder Glanz noch Glamour aus. Das Normale an ihm das Geheimnis seines Erfolgs.

Schauspieler Axel Prahl Copyright: Stephanie Neumann [www.werkstadt.net]

Als Axel Prahl für die Leinwand entdeckt wurde, war er bereits 40 Jahre alt. Heute, zehn Jahre später, ist er im deutschen Kino und Fernsehen allgegenwärtig. Er war bis jetzt in mehr als 50 Filmen zu sehen und hat dabei noch nicht einmal alle Rollen angenommen, die ihm geboten wurden. Prahl nimmt sich Zeit für die Auswahl der Stoffe, damit keiner irgendwann sagt: "Schon wieder der Prahl - Ich kann den nicht mehr sehen." Also macht er sich im Zweifelsfall eher rar.

Schauspieler Axel Prahl Copyright: Stephanie Neumann [www.werkstadt.net]

Anders als die meisten Schauspieler, die aus verständlichen Gründen ein Staatsgeheimnis um ihr Privatleben machen, um sich dann aber doch in die Arme der Boulevard-Zeitungen zu werfen, empfängt er Journalisten schon mal in der Küche. Axel Prahl strahlt etwas Bodenständiges aus – sowohl in seinen Rollen als auch am Küchentisch. Ein Gefühlsmensch, der lachen und weinen kann. Einer von denen, bei denen nach wenigen Minuten klar ist: Mit dem würdest Du auch ein Bier trinken gehen.

Würde für die kleinen Dicken

Schauspieler Axel Prahl Copyright: Stephanie Neumann [www.werkstadt.net]

Axel Prahl ist klein und kräftig. Sein blondes gescheiteltes Haar trägt er gern unter einer Wollmütze. Als "Charismatiker des Alltags" ist er gepriesen worden und scheint bestens den so genannten 'kleinen Mann' verkörpern zu können, jenen aufrechten Macher, der sein Herz am richtigen Fleck hat. Er schafft es, dem Kleinen, dem Dicken in uns eine neue Würde zu geben. Seine verspätete Blitzkarriere hat Prahl vor allem dem Regisseur Andreas Dresen zu verdanken.

Die Rollen in Dresens Filmen machten ihn berühmt. Realistische, engagierte Filme, in deren Zentrum so genannte kleine Leute im Osten Deutschlands stehen. Etwa 2002 in "Halbe Treppe". Prahl will aber "nicht partout auf den kleinen Mann festgelegt werden." Er liege ihm aber "sehr am Herzen." Wenn er den Fernseher anmache, dann sehe er vor allem "Leute, die in schicken Lofts wohnen und teure Autos fahren. Und mich interessieren die Geschichten normaler, durchschnittlicher Menschen."

Schauspieler Axel Prahl Copyright: Stephanie Neumann [www.werkstadt.net]

Einem großen Publikum wurde Axel Prahl 2002 vor allem durch seine Rolle als Hauptkommissar Frank Thiel in der Krimireihe "Tatort" bekannt. Mehr als ein Dutzend Fälle hat er inzwischen am Drehort Münster gelöst: mal unterstützt, mal belästigt von Rechtsmediziner Professor Boerne, gespielt von Jan Josef Liefers. Der Münster-Tatort ist ein Quotenrenner, rund acht Millionen Zuschauer versammeln sich im Schnitt vor dem Bildschirm, um von ihm unterhalten zu werden. "Bei der Vorstellung bekomme ich eine Gänsehaut – immer noch."

Grenzen testen mit Herzblut

Schauspieler Axel Prahl Copyright: Stephanie Neumann [www.werkstadt.net]

Axel Prahl bleibt bescheiden. Über Stärken will er nicht sprechen. "Wir können gerne über meine Schwächen reden", sagt er und lacht sein Prahl-Lachen. "Ich liebe gutes Essen, müsste mich aber etwas zügeln, und ich rauche wie ein Schlot und schaffe es nicht, mir das abzugewöhnen." Auch im Beruf testet Prahl Grenzen aus. Mal holt er sich in kaltem Wasser eine Nierenbeckenentzündung. Dann stürzt er in Krakau von der Bühne, um am Tag danach geschient weiterzuspielen. "Es mehren sich die Unfälle und Katastrophen", schmunzelt er, "so langsam muss ich vorsichtig werden." Doch es fällt schwer, ihm das zu glauben, wenn er durch seine Küche springt, um den Sturz zu demonstrieren.

Schauspieler Axel Prahl Copyright: Stephanie Neumann [www.werkstadt.net]

Eigentlich wollte er mal Lehrer werden. Dann hat er das Studium abgebrochen, hat als Bierfahrer und Kellner gearbeitet und sich dann erfolgreich an einer Schauspielschule beworben. Parallel zu den Theater-Engagements spielte er in einer Band. Klavier und Gitarre spielt er heute noch zum Vergnügen und zur Entspannung. "Stundenlang Griffe üben – das hat was Meditatives." Es gab auch Phasen, in denen Prahl am liebsten Pop-Star geworden wäre. Aber dann musste er sich entscheiden zwischen Musik und Theater. "Ich musste von etwas leben." Die 1000 D-Mark Gage an einer staatlichen Bühne waren für ihn damals viel Geld. Also entschied er sich für die Bühne. Diese pragmatisch Entscheidung sollte sich als ein Glücksfall für das deutsche Fernsehen und Kino erweisen.

Autor: Andreas Main

Redaktion: Marlis Schaum

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