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Kultur

Der Sound macht die Musik

Die Musikmesse lockt Händler und Hersteller aus aller Welt nach Frankfurt. Zu sehen gibt es skurrile Neuheiten der Branche, wie ein durchsichtiges Schlagzeug oder die mit zwei Millionen Dollar teuerste Gitarre der Welt.

Der Boden vibriert, Bässe wummern, jaulende Gitarrenslides und das Klimpern der D-Pianos (digitale Pianos) verfolgen einen durch die Gänge. Für schwache Nerven ist die Frankfurter Musikmesse nichts. Wenn auf mehreren Bühnen - auch im Freien - gleichzeitig Instrumente und Soundsysteme vorgeführt werden, dann übertönt das Ganze nur noch das "AirDrome": Hier können sich mutige Gitarristen "Just for fun" mit einem Luftstrom von über 180 km/h durch die Luft pusten lassen.

Gitarrenspieler fliegt auf Luftsttom

Das "AirDrome" treibt Musiker in die Luft

Doch was wäre eine Musikmesse ohne den richtigen Sound? Drumsets wollen schließlich ausprobiert werden. Auch wer kein Klavier spielt, drückt hier und da eine Taste runter und im Vorbeigehen reizt fast jede Gitarre, mal eben über die Saiten zu streifen. Gerade Gitarrenliebhaber werden wahrscheinlich einen ganzen Tag nur in Halle 4 verbringen, dort wo namhafte Gitarrenhersteller ihre akustischen und elektrischen Sondermodelle in allen denkbaren Farben, Formen – und Preisklassen zur Schau stellen.

Eventtechnik boomt

Über 2250 Aussteller aus 57 Ländern sind in diesem Jahr auf der Messe vertreten. Damit ist die Frankfurter Musikmesse weltweit die Größte ihrer Art. Eigentlich sind es zwei Messen in einem: Die Musikmesse und die Messe Prolight + Sound. Während die Musikmesse die führende Messe für Musikinstrumente, Noten, Musikproduktion und Vermarktung ist, ergänzt die Prolight + Sound das Angebot durch Bühnenequipment, Lichtinstallationen, Soundsysteme und neuerdings auch durch Theaterausstattung.

In den Hallen der Prolight + Sound leuchtet und blitzt es von allen Seiten. Lichtorgeln und Lasershows, Wasserspiele und kitschige glitzernde Kronleuchter oder gleich ganze LED gespickte Wände, die auf riesigen Bühnenaufbauten in allen Farben zum Takt der Musik blinken, säumen den Weg. Nicht zu vergessen die Lautsprecheranlagen, Mikrofone und Mischpulte, die noch dazu gehören. Eine Reizüberflutung der Sinne.

Lichtinstallation

Für die Shows von kleineren Bands hat Ayrton diese automatisierte Lichtinstallation entworfen

"Dem Auf und Ab bei den Unternehmen rund um Musikinstrumente steht eine boomende Event-Technik-Industrie gegenüber", bilanziert Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Während die Umsätze in der Instrumentenbranche immer wieder schwanken und die Verkaufszahlen die Händler so gerade zufriedenstellen, boomt die Veranstaltungstechnik. Und das liegt nicht nur an Stars, die immer komplexere Bühnenshows inszenieren. "Diese Branche ist innovationsgetrieben. Die Auflösung der bewegten Bilder wird immer besser. Videos bei Youtube werden immer professioneller und auf dem iPad kann man schon eigene Musikstücke produzieren, ohne ein Instrument zu spielen", sagt Michael Biber, Leiter der Prolight + Sound.

Zu wenig Leute spielen ein Instrument

Gerade die Digitalisierung sieht die Instrumentenbranche mit als Grund dafür, dass immer weniger Leute aktiv musizieren. So hätten sich die Freizeitgewohnheiten im digitalen Zeitalter geändert. "Es ist einfacher und bequemer auf einen Knopf zu drücken und sich bespaßen zu lassen, als durch stetiges Üben ein Instrument zu erlernen", meint Musikmesseleiter Wolfgang Lücke.

Frau hält Gitarre in der Hand

Limitierte Auflage bei Ibanez: signiertes Iceman-Modell des KISS-Gitarristen Paul Stanley

Dabei haben es Instrumente wie Flügel, Akkordeons und Mundharmonikas derzeit besonders schwer auf dem deutschen Markt. Gitarren und E-Pianos beziehungsweise digitale Klaviere sind dagegen beim Kunden sehr beliebt. Während der E-Gitarrenmarkt fest in amerikanischer Hand liegt, kommen die Händler zu deutschen Herstellern, wenn es um Klaviere, Blech- oder Holzblasinstrumente geht. Bei den Streichinstrumenten können die Italiener punkten, auch wenn nicht jede Italienische Geige gleich wie eine Stradivari klingt. Zubehörteile sind dagegen überwiegend in chinesischer Hand. So wundert es nicht, dass zu den Top Ausstellern neben Deutschland die USA, China und Italien zählen.

Luxus oder Discount

Gefragt sind allgemein Instrumente, die entweder besonders teuer oder besonders billig sind. "Man kann was mit Luxus oder mit Discount machen", sagt Wolfgang Lücke, Leiter der Musikmesse. "Das mittlere Preissegment hat Probleme." Anfänger-Gitarrensets seien bereits um die 200 Euro zu haben und könnten sich mittlerweile durchaus hören lassen. Echte Sammler legen dagegen für eine Spitzengitarre auch schon mal 15.000 Euro auf den Tisch.

Der Frankfurter Musiker Daniel Wiertz hält die diamantene Gibson Gitarre. Neben ihm zwei Bodyguards.

Die teuerste Gitarre der Welt wird streng bewacht

Für die zwei Millionen US-Dollar teure "The Eden of Corone" des Herstellers Gibson gibt es allerdings noch keinen Interessenten. Laut Guinnes-Buch der Rekorde ist es die teuerste Gitarre der Welt. 1,6 Kilo Gold sind verarbeitet und 400 Karat Diamanten in Blumenornamenten sitzen wie dicke Broschen auf der Gitarrendecke. Zum Spielen ist diese Gitarre nicht wirklich geeignet. "Es sollte eine Kombination aus Gitarrenhandwerk und Juwelierskunst sein. Es ist also eigentlich ein Kunstwerk", sagt Gibson-Mitarbeiter Michael Smilgies.

Obwohl die Musikmesse auf Nachwuchsförderung setzt und in Workshops und an den Ständen einlädt, Instrumente auszuprobieren, kann man die Zwei-Millionen-Dollar-Gitarre nicht in die Hand nehmen. Die "Eden of Corone" ist während der Messe nur zu bestimmten Zeiten zu sehen und wird streng bewacht. Einzig Black Sabbath-Gitarrist Tony Iommi darf an einem der Publikumstage den Stand mit diesem exklusiven Modell rocken. Die Musikmesse läuft noch bis zum 18. April.

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