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Wirtschaft

Der Siegeszug des Automobils

Diese Erfindung hat die Welt verändert: Das Auto ist das "liebste Kind" – nicht nur der Deutschen. Die Autoproduktion gehört in vielen Industrieländern zu den Schlüsselbranchen. Und alles fing mit einem Dreirad an.

Mercedes Sportwagen (Foto: DW)

Der Patent-Motorwagen im Jahre 1887, eine Weiterentwicklung des ersten Motorwagens von 1886. Am Steuer Carl Benz, neben ihm sein kaufmännischer Mitarbeiter Josef Brecht Foto: Daimler AG)

Carl Benz am Steuer seines Patent-Motorwagens, neben ihm sein Mitarbeiter Josef Brecht

Die Geschichte des modernen Automobils beginnt am 29. Januar 1886 in Mannheim. Der Ingenieur Carl Benz reicht an diesem Tag das Patent für seinen Motorwagen ein. Es ist ein Gefährt mit drei Rädern, ein "Tricycle", wie es im Patenttext heißt – ausgestattet mit einem Verbrennungsmotor. Diese Maschine leistet 0,8 PS (0,6 kW), wird mit einer Kurbel in Gang gesetzt und schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 18 km/h.

Mit 16 km/h nicht ganz so flott unterwegs ist der Wagen, den der gelernte Büchsenmacher Gottfried Daimler – unabhängig von Benz – kurz danach in Stuttgart baut. Immerhin hat er vier Räder. Optisch gleicht er einer umgebauten Pferde-Droschke. Daimler arbeitet mit dem Motorenbauer Wilhelm Maybach zusammen – bis heute eine legendäre Partnerschaft.

Otto- und Diesel-Motor

Der deutsche Ingenieur und Konstrukteur des nach ihm benannten Otto-Motors (1876), Nicolaus August Otto, in einer zeitgenössischen Aufnahme. Er wurde am 14. Juni 1832 in Holzhausen a.d. Haide geboren und verstarb am 26. Januar 1891 in Köln (Foto: dw)

Nikolaus August Otto (1832-1891)

Der deutsche Konstrukteur Nikolaus August Otto hatte den nach ihm benannten Motor bereits 1876 patentieren lassen. 1892 meldet Rudolf Diesel seine Version des Verbrennungsmotors, die sich durch einen höheren Wirkungsgrad auszeichnet, in Berlin zum Patent an.

Die ersten Geschwindigkeitsrekorde werden – Ironie der Geschichte – übrigens von Elektroautos aufgestellt. 1901 knackt so ein Fahrzeug erstmals die Marke von 100 km/h.

Der Benzinmotor hat sich da noch längst nicht durchgesetzt, um die Jahrhundertwende konkurrieren noch unterschiedliche Antriebsarten. Dies belegt eine Fertigungsstatistik der amerikanischen Automobil-Produktion im Jahr 1900: Insgesamt wurden von 75 Herstellern 4192 automobile Fahrzeuge hergestellt, darunter 1.688 Dampfautomobile, 1.575 Elektrofahrzeuge - aber nur 929 Fahrzeuge mit Benzinmotor.

Erst in den 1920er Jahren, können sich die Benziner durchsetzen. Die Gründe: Höhere Geschwindigkeit durch immer bessere Motoren, billiger Kraftstoff aus Erdöl, wesentlich größere Reichweiten als die Elektromotoren mit ihren schwachen Batterien.

Ford erfindet das Fließband

Eine Legende kommt nach Deutschland. Als 1925 die erste Tin Lizzi zu Deutsch Blechliesel in Berlin gebaut wird, ist das T-Model von Henry Ford in den USA schon laengst beruehmt (Foto: ap)

Das legendäre T-Model von Henry Ford

Viele Pioniere entwickeln in dieser Zeit Motorwagen. Die ersten Automobilfabriken entstehen etwa ab 1890 in Europa und in den USA. Dort schreibt ein gewisser Henry Ford Geschichte. Während Automobile lange Zeit nur für wohlhabende Kreise erschwinglich bleiben, setzt die Ford Motor Company in Detroit auf Fahrzeuge, die auch für den "kleinen Mann" bezahlbar sind.

Das beliebte T Modell ist bereits seit 1908 auf dem Markt, als Ford 1913 die Fertigung am Fließband einführt – mit diesem Konzept katapultiert Henry Ford nicht nur die Automobil-Herstellung, sondern die gesamte industrielle Produktion in ein neues Zeitalter. Jeder, der bei Ford arbeitet, soll sich nach der Theorie des Firmengründers ein Auto leisten können. Also zahlt er wesentlich bessere Löhne als in anderen Branchen. Und weil es der enorme wirtschaftliche Erfolg zulässt, begrenzt er gleichzeitig die Arbeitszeit. Fords Leute sollen genügend Muße haben, um das Leben zu genießen und genügend Geld, um seine Autos zu kaufen – quasi ganz nebenbei erschafft der Auto-Mann Ford die Grundlage für die moderne Konsumgesellschaft.

Das T Modell wird bis1927 in unverändertem Design produziert. Insgesamt werden 15 Millionen Fahrzeuge dieses Typs hergestellt. Dieser Rekord hält die nächsten 45 Jahre.

Daimler und Benz fusionieren

Gottlieb Daimler Dieses ist das letzte Bild des deutschen Maschinenbauingenieurs und Erfinders Gottlieb Daimler. Es entstand kurz vor seinem Tod (Foto: dw)

Der Erfinder Gottlieb Daimler (1834-1900). Das Foto entstand kurz vor seinem Tod

Zurück nach Deutschland: Im Jahr 1926 schließen sich die beiden Autofirmen Daimler und Benz zusammen. Gottfried Daimler ist bereits im Jahr 1900 gestorben, Carl Benz hat sich längst im Streit von seinem ursprünglichen Unternehmen verabschiedet. Übrigens: Getroffen haben sich Daimler und Benz zu Lebzeiten nie.

Die Autos, die von Daimler-Benz gebaut werden, tragen alle den Namen "Mercedes". 1902 war dieser Name von der Daimler-Motoren-Gesellschaft gesetzlich geschützt worden. Er geht auf den Geschäftsmann Emil Jellinek zurück. Die Tochter dieses wichtigen Vertriebspartners von Daimler-Fahrzeugen hieß Mercedes und diente als Namenspatronin.

Das Markenzeichen der Daimler Benz AG setzt sich aus dem Mercedes Stern und dem Lorbeerkranz von Benz zusammen. Autos dieser Marke sind bis heute ziemlich teuer. Damals kann sich nur eine wirklich exklusive Kundschaft diese Fahrzeuge leisten. Genauso wie die Fabrikate der andern knapp 90 Auto-Hersteller, die es in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg gibt.

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