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Kultur

Der Siegeszug der Shisha

In Arabien steht die Wasserpfeife – oder Shisha – seit dem 17. Jahrhundert für traditionelle Geselligkeit. Doch auch in Deutschlands Cafés erfreut sich die Shisha inzwischen großer Beliebtheit.

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Orient? Nein, Berlin

Im arabischen Kulturkreis besitzt die Shisha, auch Nargile genannt, eine lange Tradition. Das Rauchen des mit Melasse und Fruchtaroma versetzten, groben Tabaks ist dort seit dem 17. Jahrhundert verbreitet. Doch im Gegensatz zu den Genussmitteln Kaffee und Tee konnte sich der Gebrauch der Wasserpfeife in Europa nicht durchsetzen. Der sprunghafte Anstieg von Lokalen, die Shishas anbieten, scheint nun einen späten Siegeszug des süßen Dufts zu verkünden.

Wer ein Shisha rauchen will, braucht vor allem Muße. Auf einem glühenden Stück Kohle wird die mit Fruchtextrakten versehene Tabakmischung präpariert, der Rauch schließlich durch das kühlende Wasser gezogen. Der Rest ist zurücklegen und rauchen. Mitunter über Stunden.

Kommunikation und Genuss

Immer mehr Deutsche entdecken das orientalische Rauch-Ritual für sich. So auch in der "Shisha Lounge" im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Wo die Shisha blubbert, kreist alsbald das Mundstück am langen Schlauch. Shisha-Rauchen ist eine kommunikative Form des Genießens. Die Stammgäste Sven und Stephan haben schnell Gefallen an der orientalischen Wasserpfeife gefunden. "Ich trinke nie Alkohol und rauche auch keine Zigaretten, aber die Shisha ist was Besonderes“, sagt Sven. "Der kalte Rauch ist angenehm, weil er gar nicht kratzt, das fruchtige Aroma gefällt mir, und natürlich die Geselligkeit."

Nicht nur Männer dürfen an der Pfeife ziehen

Mreihil Amer, der libanesische Betreiber des Restaurants "Babel" sieht die Wasserpfeife als sinnliche Abrundung seines Angebots. "Nach dem Essen oder zum Feierabend ein, zwei Stunden gemütlich bei der Pfeife entspannen, so sollte die arabische Tradition auch in Europa verstanden werden."

Weltreise in der Kneipe Wasserpfeife

Orient? Nein, Dresden


Mit regelmäßigen Bauchtanzveranstaltungen und orientalischem Flair möchte der Gastronom ein seriöses und gut situiertes Publikum ansprechen. Er widerspricht der Behauptung, die Wasserpfeife sei nur bei jungen Leuten populär. "Die Wasserpfeife ist inzwischen bei Gästen aller Altersklassen und aus allen Bereichen beliebt, auch bei Rechtsanwälten und Ärzten. Und sie ist keine Männerdomäne."


In seinem Heimatland Libanon würden ebenso viele Frauen wie Männer die Wasserpfeife schätzen, erklärt Amer, das sei in Deutschland nur nicht so bekannt, weil die Frauen im arabischen Raum eher zuhause als in der Öffentlichkeit rauchen würden.

Die Shisha: ein Stück Heimat

Ein Stück Heimat bieten auch die zahlreichen Teestuben und Kaffeehäuser in den ärmeren Stadtteilen Berlins. In diesen Treffpunkten verkehren fast ausschließlich türkisch- und arabischstämmige Gäste. Der Genuss der Wasserpfeife ist hier selbstverständlich; verzichten muss der männliche Besucher auf Alkohol, ein schickes Ambiente – und auf weibliche Gesellschaft.

Ganz so authentisch möchten deutsche Wasserpfeifenfans wie Sven ihr Shisha-Rauchen gar nicht zelebrieren. "Für die orientalische Kultur interessiere ich mich eigentlich nicht besonders", sagt Stephan, der als Programmierer tätig ist. Doch die Shisha möchte er nicht missen. Irgendwann wird er sich vielleicht einmal eine eigene Pfeife zulegen.

Ob der Genuss der Wasserpfeife sich hierzulande breitflächig durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Mreihil Amer ist optimistisch: "In zehn Jahren werden in Deutschland mehr Leute Wasserpfeife rauchen als im Libanon."

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