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Alltagsdeutsch – Podcast

Der Segelmacher

Manche Menschen machen ihr Hobby zu ihrem Beruf – wie Nils Molkentin. Der leidenschaftliche Windsurfer stellt Segel her und repariert sie. Aus kaputten Segeln fertigt er Taschen an. Sie sind "einzigartig".

Sprecher:

Nils Molkentin arbeitet in einem kleinen, aber besonderen Betrieb in der norddeutschen Stadt Kiel. In der Segelmacherei Dmoch hat er sich spezialisiert auf Abdeckungen von Booten und Bootsplanen für den Winter. Hinzu kommt noch das ein oder andere kaputte Segel. Alles wird nach Maß gefertigt. 2001 hat Nils damit angefangen – nach seiner Lehre in Lübeck. Er hat sein Handwerk somit von der Pike auf gelernt. 2006 kam er nach Kiel und fing an bei Dmoch zu arbeiten. Ein Segelmacher wie Nils Molkentin muss am Meer wohnen, aber woanders würde er sowieso nicht leben wollen. Er würde immer wieder am Meer landen – wie ein Flugzeug an seinem Bestimmungsort.

Nils Molkentin:
"Also ich bin am Meer groß geworden und könnt' mir auch nicht vorstellen, vom Meer wieder weg zu gehen. Also, wenn ich irgendwo wegziehen müsste, müsste ich auch irgendwo wieder am Meer landen."

Sprecher:

Die Liebe zum Meer wurde Nils Molkentin in die Wiege gelegt. Er ist am Meer groß geworden, also aufgewachsen. Mit seinen Eltern lebte er in Rostock. Sein Vater arbeitete dort als Surflehrer. Kein Wunder, dass auch der kleine Nils bald Gefallen an dem Spiel mit Wind und Wellen fand. Und diese Liebe zum Windsurfen hat sich gehalten. Besonders großen Spaß macht es natürlich, wenn der Wind ordentlich bläst. Deshalb verpasst Nils kaum eine Wettervorhersage für Norddeutschland. Das Ziel: Am richtigen Ort zur richtigen Zeit die perfekte Welle erwischen. Seine Kollegin Irmgard meint, sie brauche weder Radio noch Internet für die Wettervorhersage. Sie habe ja Nils. Auf dessen Vorhersagen könne sie sich immer verlassen.

Irmgard:
"Von Nils weiß man immer, wie das Wetter wird am Wochenende. Er verfolgt es intensiv und je stärker der Wind, umso häufiger klingelt sein Handy, weil er sich verabredet zum Surfen."

Sprecher:

Irmgard hält sich wie die meisten Deutschen in ihrer Alltagssprache nicht immer an die grammatischen Regeln. Sie sagt: "Je stärker der Wind, um so häufiger klingelt sein Handy". Sie lässt dabei das Verb, zum Beispiel ist oder bläst, einfach weg. Jeder weiß aber, was gemeint ist. Zurück zu Nils. Durch sein Hobby kommt er in der Welt weit herum: In Norddeutschland und dem benachbarten Dänemark kennt er jeden Surfer-Treff. Im Urlaub ist er zum Surfen schon auf die italienische Insel Sardinien, nach Marokko oder Südafrika gefahren. Windsurfen spielt die Hauptrolle in seinem Leben und dem seiner Freunde. Nils hat aber auch eine zweite Leidenschaft, die allerdings nicht ganz so wichtig ist: Er und die beiden Mitbewohner seiner Wohngemeinschaft spielen leidenschaftlich gerne Tischfussball.

Sprecher:

Doch so sehr sich Nils an diesem Abend auch anstrengt, wie gefühlvoll er auch seine Kicker-Figuren bewegt – gegen Mitbewohner Hannes kann er dieses Mal nicht gewinnen. Es scheint eben nicht sein Tag zu sein – sehr zur Freude von Hannes:

O-Töne:
"Es steht jetzt 10:2 und das ist das Ende des Spiels – und auch für Nils. / Ich hatte heute 'n schlechten Abend. 10:2 – jede gute Mannschaft verliert mal, auch hoch."

Sprecher:

Es ist natürlich nur bildlich gesprochen das Ende für Nils. Er hat nur das Spiel verloren, aber nicht sein Leben. Nils ist jedoch ein guter Verlierer. Er hatte eben nur einen schlechten Abend, will heißen er war an diesem Abend nicht so gut wie Hannes. Neben der Arbeit in der Segelmacherei, neben dem Surfen und Kickern arbeitet Nils Molkentin inzwischen auch noch als Kleinunternehmer. Zusammen mit Freunden hat er eine Geschäftsidee realisiert. Auch die hat – wie könnte es anders sein – mit Windsurfen zu tun:

Nils Molkentin:

"Wir haben einfach gedacht, Mensch was kann man aus den alten Segeln machen, die kaputt gehen. Die muss man ja nicht unbedingt wegschmeißen – und haben einfach mal unsere Freunden eine Tasche genäht und haben dann einfach festgestellt: Mensch, das macht Spaß."

Sprecher:

Nils und seine Freunde haben sich so ihre Gedanken gemacht, einfach gedacht, was man aus alten Segeln machen kann, die nicht mehr zu verwenden sind. Und dann haben sie aus Spaß einfach mal eine Tasche genäht und haben einfach festgestellt, dass es Spaß bereitet, die kaputten Segel zu recyceln und etwas Neues daraus herzustellen. Das Wort Einfach wird hier weder in seiner adjektivischen noch seiner adverbialen Funktion gebraucht. Es bedeutet also weder leicht, schlicht, noch dass etwas nur einmal gemacht oder vorhanden ist. Einfach hat sich in der Umgangssprache als Füllwort eingebürgert wie zum Beispiel das Wort halt. So geht man einfach mal zum Kiosk, wenn der Lebensmittelladen um die Ecke schon geschlossen hat oder man sagt zu jemanden: "Ich hab' dich einfach total gerne". Nils und seine Freunde stellen nicht nur Taschen, sondern auch Gürtel und Geldbörsen her. Die Produkte sehen professionell aus und sind sehr robust. Und der Name, den die jungen Geschäftsleute ihrem Kleinunternehmen gegeben haben passt: Ho’okahiij. Es ist Hawaiianisch und bedeutet "Einzigartig".

Fragen zum Text

Jemand, der verliert, kann sagen: …

1. "Ich hatte einen guten Tag!"

2. "Ich war schlecht drauf!"

3. "Ich habe einen Volltreffer gelandet!"

Sarah ist sechs Jahre alt und eine begabte Pianistin. Das Talent …

1. hat sie geschenkt bekommen.

2. hat sie sich erarbeitet.

3. ist ihr in die Wiege gelegt worden.

Setzen Sie die passenden Füllwörter halt, mal, schon ein: …

1. Kannst du das … eben machen?

2. Das Kind ist … nicht so hübsch.

3. Wer will diese Arbeit … erledigen!

Arbeitsauftrag

Weltweit gibt es Menschen, die aus Gebrauchtem oder Müll Dinge herstellen, darunter viele Künstler. Recherchieren Sie und stellen Sie Ihrer Gruppe eine Person mit dem vor, was sie macht. Verwenden Sie – wenn möglich – auch Bilder.

Autor/in: Matt Zuvela; Beatrice Warken

Redaktion: Raphaela Häuser

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