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Politik

Der Secret Service und der Prediger

Bushs Amtseinführung wird von den aufwendigsten Sicherheitsvorkehrungen der US-Geschichte begleitet. 100 Straßenblocks werden für den Verkehr gesperrt, Tausende Polizisten und Soldaten zu Bushs Schutz abkommandiert.

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Die berühmte Pennsylvania Avenue vor dem Weißen Haus

gleicht in diesen Tagen der Zielgeraden einer Sportveranstaltung. Dunkelgrüne Tribünen säumen beide Straßenseiten, vom Capitol bis zum Weißen Haus. Die Sicht auf das Weiße Haus wird von einer aufwendig konstruierten, strahlend weißen Tribüne mit schusssicherer Glasfront versperrt. An der Stirnseite ist schon das in Plastik eingehüllte Präsidentensiegel befestigt.

Durchblick mit Nachtsichtgeräten?

George W. Bush kann hier vor der eigenen Haustür sorglos die Parade abnehmen. Denn der Heimatschutzminister Tom Ridge hat alles im Griff. Behauptet er zumindest. Um Zuversicht zu demonstrieren, ließ er sich bereits mit kampfbereiten Soldaten des dritten Infanterie-Regiments fotografieren. Ausgerüstet mit Nachtsichtgeräten. Natürlich findet die Amtseinführung mittags statt, aber im Kampf gegen dunkle Gestalten geht der Minister eben auf Nummer sicher.

Und der Phantasie der Bedrohungsszenarien sind keine

Grenzen gesetzt: Trotz der winterlichen Temperaturen

wurden vorsichtshalber Picknickutensilien verboten.

Kühltaschen, Flaschen, Messer und Gabeln. Explizit

wurden auch Stöcke und Pfähle sowie überdimensionierte Kreuze, die als Waffen gebraucht werden könnten, vom Secret Service verboten. Selbst beim Tanz der Vampire würde man bei solch strengen Auflagen in Seelenruhe feiern.

Christlicher Albtraum

Trotzdem dürften die Sicherheitsleute nicht nur vom

Gedanken an Terroristen gepeinigt werden. Nervosität

löst auch das freundliche Gesicht von Richard Weaver

aus. Weaver, ein gutmütiger Privatmann und christlicher Prediger aus Kalifornien, ist der Albtraum der Sicherheitsplaner. Schon bei der letzten Amtseinführung vor vier Jahren hatten sich die Beamten sein Gesicht nicht richtig eingeprägt. Mit verbindlicher Mine durchschritt Weaver den Sicherheitskorridor, schüttelte Präsident Bush die Hand und gab ihm religiöse Ratschläge. Vier Jahre zuvor hatte er bereits Bill Clinton zur zweiten Amtseinführung die Hand gereicht. Auch damals hatten sämtliche Sicherheitsvorkehrungen versagt.

Fotogene Sicherheit

Auch diesmal werden die Beamten wieder Ausschau halten. Nach Al Kaida und Richard Weaver. Sollte es Weaver am 20. Januar gelingen, ein neues Schwätzchen mit dem Präsidenten zu halten, dann wäre der Secret Service endgültig blamiert. Das ganze könnte einen langen Schatten auf die Heimatsicherheit, die 60 Behörden und die Nachtsichtgeräte werfen. Und die Frage aufwerfen, ob die Superlative bei Mann und Material tatsächlich noch der Sicherheit dienen oder nur den Fototerminen.

Bis dahin kündigt der Heimatschutz auch weiterhin die

besten und aufwendigsten Sicherheitsvorkehrungen der

Geschichte an - so wie vor vier Jahren.