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Globale Zusammenarbeit

Der schwierige Spagat der Hilfsorganisationen

Projekte im Ausland sind für viele Hilfsorganisationen ein Balance-Akt zwischen Geldgebern, Hilfsempfängern und eigenen Ansprüchen. Gerade in Ländern mit autoritären Regierungen stehen sie vor einem Dilemma.

Internationale Hilfsorganisationen bringen sich weltweit dort ein, wo ein Staat versagt und seine Bürger nicht vor Hunger, Armut, Gewalt und Willkür schützen kann. Dort ist "Hilfe ein ethischer Imperativ", betont Thomas Gebauer, Geschäftsführer der

Hilfsorganisation Medico International

, die sich seit mehr als 40 Jahren weltweit für Armutsbekämpfung und Menschenrechte einsetzt.

Ob die Hilfe dann allerdings sinnvoll und nachhaltig ist, steht auf einem anderen Blatt. Mit wem humanitäre Organisationen zusammenarbeiten, sei oft eine schwierige Entscheidung. "Indem eine Hilfsorganisation etwas an Nöten und Mangelsituationen abfedert, wird auch ein bestehender Status Quo stabilisiert", so Thomas Gebauer im DW-Interview. Dadurch könnten Hilfsorganisationen indirekt dazu beitragen, dass autoritäre Regierungen ihre Macht weiterhin behalten.

Solidarität mit lokalen Partnern

Für Medico International gibt es nur eine Lösung für dieses Dilemma: Die Menschen vor Ort direkt einzubeziehen: "Dann schauen wir nicht auf die Regierungen, auf die Systeme, sondern auf die Menschen und deren Interessen und Zielsetzungen", so Gebauer.

Thomas Gebauer, Geschäftsführer der medizinischen Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico international (Foto: DW)

Thomas Gebauer will vor allem die lokale Zivilgesellschaft stärken

Es gebe nur wenige Länder, in denen Hilfsorganisationen keine lokalen zivilgesellschaftlichen Initiativen vorfänden, mit denen sie arbeiten könnten.

Diese Erfahrung hat auch die humanitäre Organisation Brot für die Welt gemacht, die seit mehr als 50 Jahren weltweit tätig ist. Zu den wenigen Ländern ohne eine funktionierende Zivilgesellschaft, an die sich eine NGO richten könne, zähle Haiti - vor allem wegen seiner Kolonialgeschichte und verschiedener Diktaturen, so Cornelia Füllkrug-Weitzel. Sie ist die Präsidentin der beiden evangelischen Hilfsorganisationen

Brot für die Welt

und Diakonie Katastrophenhilfe. Auch diese Hilfswerke setzen auf die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, doch "es bleiben nach wie vor Situationen und Fälle, wo es einfach keine Selbsthilfemöglichkeit mehr gibt, sondern nur noch Barmherzigkeit - bis die Menschen selbst in der Lage sind, aktiv zu werden", so Cornelia Füllkrug-Witzel.

Das oberste Ziel sei dabei, dass die Bevölkerung selbst die Verantwortung für die Entwicklung im Land übernehme. Die treibende Kraft für die Arbeit der Hilfsorganisationen sei die zivilgesellschaftliche Opposition, die oft gegen die Willkür, Korruption und Allmacht der Regierung kämpft und dabei auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen ist.

Steuergelder für die Arbeit von Hilfsorganisationen

Spenden von Privatpersonen oder Unternehmen machen nur einen Teil der Finanzen von Hilfsorganisationen aus: Der Anteil öffentlicher Gelder für Hilfsprojekte vor Ort ist meist höher als der Anteil aus Spenden. Letztendlich wird die Arbeit von deutschen und europäischen Hilfsorganisationen zum Großteil durch Steuergelder finanziert.

Das

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

stellt jährlich rund 670 Millionen Euro für die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen im In- und Ausland zur Verfügung. Nach Auskunft des Ministeriums sind für die nächsten vier Jahre zwei Milliarden Euro mehr für Entwicklungszusammenarbeit vorgesehen.

Keine Begleitung von Auslandseinsätzen

Flüchtlinge aus Syrien in Jordanien und Mitglieder deutscher Hilfsorganisationen (Foto: DW)

"Nicht Teil einer politischen Agenda": Cornelia Füllkrug-Weitzel (2.v.r.) besucht syrische Flüchtlinge in Jordanien

Problematisch wird es erst dann, wenn dieses Geld mit Auflagen verbunden ist. Cornelia Füllkrug-Weitzel nennt den ehemaligen Bundesaußenminister Joschka Fischer als Beispiel: Er habe als Bedingung für Projektgelder für die damalige Bundesrepublik Jugoslawien unter Slobodan Milosevic gefordert, dass nur die Opposition unterstützt werde. Um unparteiisch zu bleiben, habe die Diakonie Katastrophenhilfe damals die Regierungszuschüsse abgelehnt. "Wir können uns nicht zum Teil einer politischen Agenda machen", sagt Füllkrug-Weitzel. "Aber es gibt Hilfsorganisationen, die das tun. Und die stehen aus meiner Sicht vor einem Dilemma, weil sie sich politisch instrumentalisieren lassen".

Eine der größten Stärken der Hilfsorganisationen sei eben ihre Neutralität, so das BMZ auf Anfrage der DW. Dadurch könnten sie auch in Regionen arbeiten, in denen die Hilfe von Regierungsorganisationen politisch unerwünscht sei. Daran solle auch ein stärkeres internationales Engagement der Bundeswehr nichts ändern. "In keinem Fall werden NGOs im Rahmen unserer Zusammenarbeit für militärische oder strategische Zwecke eingesetzt", betont das BMZ.

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