1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Der schwere Weg zur ersten Moschee

Athen ist die einzige europäische Hauptstadt ohne offizielle Moschee - obwohl dort 200.000 Muslime leben. Jetzt hat sich Athens Ex-Bürgermeisterin für eine Moschee stark gemacht. Aber die Angst vor Extremisten ist groß.

default

In Athen gibt es 200.000 Muslime - aber keine offiziellen Gebetsräume

Tanvir Ahmed ist Vorsitzender der Gemeinde Tal-Islam. Er pflegt einen Ort des Gebetes im Athener Zentrum, untergebracht im dritten Stock einer Altbauwohnung. Die Gläubigen stauen sich in einem engen Hinterzimmer. Die Umgebung ist nicht eben einladend - Drogendealer und andere dunkle Gestalten bevölkern die Seitenstraßen rund um das Gebäude. "Wir Muslime brauchen unbedingt eine Moschee", sagt Ahmed. "Griechenland ist unsere zweite Heimat, wir alle leben in Athen seit über zehn Jahren."

Symbolbild Religion Moschee und Kirche

Kirche und Moschee - für viele Griechen ein schwieriges Nebeneinander

"Eine Moschee mitten in Athen" fordert auch die neue griechische Außenministerin Dora Bakogianni, die früher Bürgermeisterin in Athen war. Eigentlich wäre eine Moschee eine Selbstverständlichkeit, schließlich leben heute über 200.000 Moslems allein in der griechischen Hauptstadt. Sie beten in inoffiziellen Gebetsräumen. Manche Schätzungen gehen von mindestens zwanzig im Großraum Athen aus, andere sprechen von knapp hundert Hinterhofmoscheen. Athen ist damit die einzige europäische Hauptstadt ohne Moschee.

Moschee braucht den Segen der Orthodoxen

Die Rechtslage ist allerdings kompliziert. Griechenland kennt keine Trennung von Kirche und Staat. Laut Gesetz bedarf jedes nichtorthodoxe Gotteshaus einer Genehmigung der mächtigen griechisch-orthodoxen Kirche. Und diese hatte sich bislang gegen den Bau der Moschee ausgesprochen. Doch der Oberste Gerichtshof des Landes hat dieses Gesetz für nichtig erklärt.

Betende in der Al-Nur Moschee in Berlin

Offizielle Gebetsräume für Muslime fehlen in Athen.

Seitdem herrscht vornehme Zurückhaltung beim orthodoxen Klerus. Für die Moschee sei nicht die Kirche, sondern allein der Staat zuständig, erklärt der Sprecher der orthodoxen Kirche, Charis Konidaris. Falls nötig, werde die Kirche mit der Regierung zusammenarbeiten - "wichtig ist, dass bei den muslimischen Einwanderern Einheit und Toleranz herrschen". Im Klartext: Die Kirchenleitung hat nichts gegen eine Moschee als solche, wohl aber gegen ein islamisches Zentrum, das die "Einheit und Toleranz" der Gläubigen untergraben könnte, wie man es vorsichtig formuliert. Ex-Bürgermeisterin Dora Bakogianni argumentiert, eine offizielle Moschee würde die Kontrolle über mögliche extremistische Propaganda unter den Muslimen erleichtern.

Angst vor Fanatikern

Umstritten ist auch der Ort, an dem die Moschee stehen soll. Im Gespräch ist ein Grundstück in der Nähe des Flughafens - doch die Anwohner sind bislang nicht begeistert davon.

Griechisch Orthodoxe Priester

Griechisch-orthodoxe Geistliche haben Vorbehalte

Seit 30 Jahren erklärt sich Saudi-Arabien dazu bereit, sowohl die Moschee als auch ein Kulturzentrum in Athen zu finanzieren. Die griechische Regierung würde lieber die Baufinanzierung selbst übernehmen und auf das Kulturzentrum ganz verzichten. Die Furcht vor politischen und religiösen Fanatikern geht um. "Wir spüren schon etwas Angst", bekennt Kirchensprecher Konidaris. Aber: "Gerade weil unsere muslimischen Mitbürger keinen geeigneten Ort des Gebetes haben, besteht wohl eher die Gefahr, dass sie extremistischer Propaganda zum Opfer fallen."

Es müssten fünf sein

Einwanderer aus Pakistan bilden die größte muslimische Gemeinde im Großraum Athen; sie zählt über 50.000 Mitglieder. Ihr Vorsitzender, der Politikwissenschaftler Javed Aslam, kann sich eine Moschee als Ort der Agitation nicht vorstellen. "Wir kümmern uns nur um unsere Arbeit hier, um nichts anderes", betont er. "Und falls jemand unzufrieden ist und Unruhe stiftet, würde ich ihn sofort von unserer Gemeinde ausschließen!" Für Aslam wäre der Bau einer Moschee ein erster, wichtiger Schritt. Doch dann müssten weitere folgen. Denn in Athen gebe es Schiiten und Sunniten, Kurden und Saudis, sagt Aslam: "Wir bräuchten mindestens fünf Moscheen hier in Athen, damit Menschen aller Glaubensrichtungen in Ruhe beten können."

Die Redaktion empfiehlt

  • Datum 07.05.2006
  • Autorin/Autor Jannis Papadimitriou, zzt. Athen
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/8MjB
  • Datum 07.05.2006
  • Autorin/Autor Jannis Papadimitriou, zzt. Athen
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/8MjB