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Fußball

Der Schuhtick der Profis

Der Aberglaube der Fußballprofis treibt immer buntere Blüten und die Schuhausrüster spielen gerne mit. Technisch gibts's kaum etwas zu verbessern, deshalb wird gestickt und gemalt, hat DW-Reporter Peter Wozny erfahren.

"Adi, stoll auf", soll Sepp Herberger dem Zeugwart Adolf Dassler zugerufen haben, als die deutsche Nationalmannschaft am verregneten 4. Juli 1954 zum Endspiel der Weltmeisterschaft ins Berner Wankdorfstadion fuhr. Austauschbare Schraubstollen hatte Dassler kurz vor der WM exklusiv für die deutsche Mannschaft erfunden, damit sie je nach Wetter auf dem Rasen den besten Halt hat. Ein echter Wettbewerbsvorteil. Dassler schraubte blitzschnell jeweils sechs extralange Stollen unter 22 Schuhe und Deutschland wurde Weltmeister.

Freundin und Ehefrau müssen sich Schuh teilen

EM-Reporter Peter Wozny (Foto: DW)

EM-Reporter Peter Wozny sieht die Schuhtrends skeptisch

Für die Bereitstellung der richtigen Schuhe würde Dassler bei der EURO 2012 wahrscheinlich nächtelang an der Nähmaschine irgendwo im Keller des Teamhotels Dwor Oliwski am Rande von Danzig sitzen. Das ist meine Schlussfolgerung bei einem Werbe-Termin mit dem Ausrüster der deutschen Mannschaft. Wie mir ein Mitarbeiter des Unternehmens erzählt, hat jeder Spieler seine eigenen Ansprüche, vor allem beim Design. Die Farbkombination und die kleinen Extras müssten genau passen. Fahnen, Farben, Sprüche und Namen, alles was eben Glück bringen soll, kommt auf den Schuh. Apps für die Füße – bunt und meistens nutzlos.

Den Namen der Freundin/Ehefrau auf dem Fuß zu tragen, sei fast obligatorisch, erfahre ich. Ein Profi läuft sogar mit Freundin UND Ehefrau über den Platz. Bei der Frage, für welche Nation dieser Spieler bei der EM am Ball ist, stoße ich allerdings auf ein Firmengeheimnis. Toni Kroos hat seine Hunde auf den Schuhen verewigen lassen: Julius und Lennox. Vielleicht ist er ja im Finale der Championsleague nicht zum Elfmeter angetreten, weil er einem Beagle eine so große Verantwortung nicht überlassen wollte. Während der Vorbereitung auf diese EM hatte der Schuh-Tick der Profis auch für uns Journalisten einen Vorteil: Als im Trainingslager noch beide Bender-Zwillinge dabei waren, konnten wir sie anhand ihrer Schuhe auseinanderhalten: Lars hatte die bunteren Treter.

Ein Schuh von Franz Beckenbauer (Foto: Adidas)

Das waren noch Schuhe: Schwarz, schlicht und funktional waren die Treter von "Kaiser" Franz Beckenbauer.

„Elisabeth, Hannelore und Annemarie“

Frische Farbe auch beim deutschen Trikot: Die Ausweichvariante (kommt dann zum Einsatz, wenn die gegnerische Heimmannschaft auch in weiß spielt) erstrahlt mittlerweile wieder in DFB-Grün. Wie schon vor 40 Jahren. Und weil Deutschland damals Europameister wurde – und bei dieser EM ja alles so sein soll, wie 1972 – ist die Farbe plötzlich wieder aktuell. Außerdem soll Grün Glück bringen, erfahre ich aus einem eigens produzierten Werbevideo. Allerdings dürfte die deutsche Mannschaft frühestens im Viertelfinale in grün auflaufen. Bis dahin müssen eben Kampfgeist und Taktik reichen.  

Franck Ribéry vom FC Bayern München trägt rosa Fußballschuhe. (Foto: Achim Scheidemann dpa)

Gewagt: Franck Ribéry trägt rosa

Bundestrainer Joachim Löw soll die Farbe übrigens mitbestimmt haben. Damit hätte auch er den Faden zur Vergangenheit wieder aufgenommen und an seine Zeit als selbständiger Unternehmer angeknüpft: Neulich habe ich nämlich in einer Fußball-Zeitschrift gelesen, dass Löw gegen Ende seiner aktiven Fußballer-Laufbahn knallbunte Seidenkrawatten verkauft haben soll. Gut, dass er rechtzeitig den Job gewechselt hat. Und gut, dass 1954 die Bilder noch schwarz-weiß waren und Adi Dassler sich noch ganz auf die Funktion der Schuhe konzentrieren konnte. "Elisabeth“, "Hannelore“ oder "Annemarie“ (um nur drei Spielerfrauen von 1954 zu nennen) mit bunten Fäden auf schwere Lederschuhe zu sticken, wäre sicher kein Spaß für ihn gewesen.

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