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Kultur

Der Schuh für die laufende Frau

Immer mehr Frauen laufen - und Sportmediziner haben bewiesen: völlig anders als männliche Jogger. Jetzt werden Sportschuhe auf den Markt gebracht, die auf die Bedürfnisse von Läuferinnen zugeschnitten sind.

Frau läuft durch ein Rapsfeld

Bald mit den richtigen Schuhen unterwegs

Frauen haben ein anderes Gewicht, andere Knochenlängen, einen anderen Muskelaufbau. Außerdem sind sie gelenkiger. Frauen bewegen sich anders als Männer. Die bisherigen Laufschuhe nahmen darauf keine Rücksicht. Bis jetzt trugen Läuferinnen Schuhe, die zwar ein feminines Design hatten, aber eigentlich nur verkleinerte Männerschuhe waren.

Nike Frauenlaufschuh Elite

Die Sportwissenschaftlerin und Physiotherapeutin Inga Krauß hat im Arbeitsbereich Biomechanik deshalb drei Jahre lang die Bedürfnisse weiblicher Läufer untersucht. Frauen seien kleiner und damit auch leichter, sagt Krauß. Das habe auch Auswirkungen auf die Schuhkonstruktion. Der Schuh müsse leichter und flexibler sein. Hinzu komme, dass Frauen von der Anatomie her schon flexiblere Band- und Muskelstrukturen haben, und vom Bewegungsapparat einen anderen Bewegungsablauf zeigen. Sie würden mehr nach innen knicken beim Laufen. Dazu komme, so Inga Krauß, dass Frauen im Verhältnis zur Oberschenkellänge auch ein breiteres Becken haben. Das sei letztendlich wichtig zum Kinder kriegen - aber dadurch hätten Frauen natürlich auch einen anderen Laufstil, dem man gerecht werden sollte.

Frauen brauchen stabilere Schuhe

Die Sportmedizin der Universitätsklinik Tübingen bot für die Studie "Women's Running" hervorragende Voraussetzungen, weil sie täglich mit Sportpatienten zu tun hat und weiß, wo es klemmt. Zudem konnte Inga Krauß mit Hilfe des Biomechaniklabors rund 900 Frauen und Männer beim Gehen vermessen. Dazu bekamen sie Markierungen auf die Haut geklebt und wurden beim Laufen von mehreren Kameras beobachtet. Ein Rechner erzeugte daraus ein dreidimensionales Bewegungsbild. Damit konnte man berechnen, was Laufschuhe für Frauen leisten müssen.

"Wir brauchen mehr Flexibilität in der Abrollrichtung, weil die Frauen eben leichter sind, anders belasten", sagt Stefan Grau, der Leiter der Biomechanikabteilung. Frauen bräuchten mehr Stabilität was die Knickbewegungen angeht. Nachdem diese Beobachtungen abgeschlossen sind, werden dann in der Regel Vorschläge wie diese gemacht: "Im Vorfuß zum Beispiel mehr Flexkerben, damit wir der erhöhten Flexibilität gerecht werden."

Knautschzonen gegen schmerzhafte Druckstellen

Flexkerben sind quer verlaufende Stellen in der Sohle, an denen das Material weniger dick ist, die Sohle sich also leichter biegen lässt. Gegen das Umknicken kann aber nicht nur an der Sohle etwas verändert werden - auch an der Ferse und am Spann. Mehr Halt bekomme man beispielsweise, wenn man die Torsionsfähigkeit im Bereich des Mittelfußes, wo Vorfuß und Rückfuß getrennt ist, einschränke, erklärt Stefan Grau. Das sei im Fall der Schuhe durch verstärktes Material auf der Außenseite geschehen. "Eine zweite Möglichkeit, wie man so etwas machen kann, weg von der Außensohle, ist, dass ich versuche über den Oberbau, über das Obermaterial, im Schaftbereich über ein spezielles Zugsystem einfach den Mittelfuß besser zu fixieren."

BdT: Marathon einmal rückwärts gelaufen, München

Frauen laufen anders: wie Paula Mairer 2005 in München. Die Weltrekordlerin im 1300 Meilen-Lauf lief den Marathon rückwärts.

Was der Laie zunächst für modisches Dekor halten könnte, hat also tatsächlich eine Funktion - seien das die in viele Abschnitte zerlegten Sohlen, stabilisierende Verdickungen oder Bandstrukturen, die dem Fuß mehr Halt geben. So habe ein Schuhpaar vorne, wo die Zehen beginnen, links und rechts elastische Knautschzonen, die dem Fuß Spielraum in der Breite geben. "Die Breite der Füße ist variabel - bei Frauen, bei Männern natürlich auch. Das führe dazu, dass es unterschiedlich breite Füße gibt und die breiteste Stelle nicht immer an der gleichen Position ist, so Grau. Und deswegen habe man in dieses Obermaterial diese "Knautschzonen" eingearbeitet. So werde gewährleistet, dass keine Druckstellen entstehen. Das könne nämlich sehr schmerzhaft sein.

Männliche Füße sind voluminöser

Die Ergebnisse der Tübinger Forscher wurden von dem Sportartikelhersteller Nike, mit dem sie schon länger zusammenarbeiten, in diesem Frühjahr auf den Markt gebracht. Da es für verschiedene Füße verschiedene Schuhe gibt, findet eine Läuferin nur im Fachgeschäft die nötige sachkundige Beratung und einen wirklich zu ihr passenden Schuh. Doch selbst wenn die Läuferin bereit ist, für einen Laufschuh 100 bis 140 Euro auszugeben, der dann etwa ein Jahr oder 2500 bis 4000 Kilometer hält, kann sie dennoch Pech haben, wie auch Inga Krauß. "Ich habe viele Laufschuhe, aber ich habe ein großes Übel, das sind meine großen Füße." Von den Women's Running Schuhen profitiere sie deshalb noch gar nicht. Wegen ihrer Schuhgröße müsse sie meist auf Männerschuhe zurückgreifen.

Dabei sind Frauenfüße in den letzten Jahren stetig gewachsen, was Hersteller aber bisher kaum berücksichtigen. Viel schlimmer ist aber, dass von jedem Schuh nur ein Leisten hergestellt wird, von dem dann die kleineren oder größeren Größen abgeleitet werden, obwohl Frauenfüße ganz andere Formen haben. Da ist die Herstellung von speziellen Frauen-Laufschuhen wirklich ein Fortschritt. Inga Krauß beschreibt, dass man doch häufig merken würde, dass Männerfüße - trotz gleicher Schuhgröße - voluminöser sind. Und das sei auch ein Grund dafür, dass die Forscher der Meinung seien, dass der Männerleisten nicht für Frauenschuhe verwendet werden könne.

Bis es für Läufer und Läuferinnen - deren Füße ja viel stärker beansprucht werden, als im normalen Alltag - preisgünstige Maßlaufschuhe gibt, die genau zum jeweiligen Fuß passend angefertigt werden, ist allerdings noch einige Forschung nötig.

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