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Alltagsdeutsch – Podcast

Der Schreiner aus Bayern

Handwerksbetriebe in Deutschland sind meist nur in ihrer Region tätig. Aber nicht alle. Zahlreiche bieten ihre Dienste und Waren vermehrt im Ausland an. Das Internet macht's möglich. Ein Beispiel: ein Betrieb aus Bayern.

Ein Mann sitzt mit einem Kopfhörer an einem Bildschirm und erstellt eine Grafik für Stellwände

Fachleute im Einsatz: Präzision wird groß geschrieben

Sprecher:
Wer zur Firma Reisinger im ostbayerischen Reichenbach will, hat es nicht leicht. Denn die Straße, die steil hinauf zum Betriebsgelände führt, ist schmal. Im Winter ist es rutschig. Doch wird die Zufahrtstraße in der Regel schnell freigeräumt. Denn die Firma, die sich auf den Innenausbau spezialisiert hat, ist ein wichtiger Arbeitgeber in dem Ort mit 1200 Einwohnern. Sie ist sehr erfolgreich und arbeitet mit zahlreichen kleineren Betrieben in der Region zusammen. Inhaber Gerhard Reisinger erzählt, dass er 1998 mit drei Mitarbeitern in einem gemieteten Büro angefangen hat. Inzwischen sind es deutlich mehr. Besonderen Wert legt der Firmenchef auf die Ausbildung von Lehrlingen. Diese werden nach Abschluss ihrer Lehre angestellt, übernommen. Aus ihnen werden, so der Firmenchef, dann später die Facharbeiter, die er braucht, die Spezialisten in ihren Bereichen – wie zum Beispiel Schreiner und Schlosser.

Gerhard Reisinger:
"Es werden von uns alle Lehrlinge übernommen, weil das für unser Unternehmen die Facharbeiter für die Zukunft sind, und auch das Unternehmen und die Qualität unseres Unternehmens sichern."

Sprecher:
Der Betrieb hat sich auf den Innenausbau beispielsweise von Hallen, Schwimmbädern, Arztpraxen und kleineren Wohn- und Geschäftsräumen spezialisiert. Schreiner, Schlosser, Maler und Anstreicher – aus zahlreichen Berufen setzt sich Reisingers Mitarbeiterteam zusammen. Die Handwerker arbeiten mit Holz, Metall, Glas, Textilien oder anderen Materialien – eben ganz nach den Wünschen der Kunden. Und wenn die Auftragslage es erfordere, so der Schreinermeister, sind seine Mitarbeiter auch für einen Einsatz im Ausland bereit. Denn Reisinger hat schon 1998 als erster ostbayerischer Handwerksbetrieb seine Dienste im Internet angeboten. Seitdem kommen Anfragen aus aller Welt. Der Großteil der Aufträge wird übers Netz bearbeitet.

Gerhard Reisinger:
"Viele haben gedacht, der ist völlig verrückt, was will er denn. Aber dann sind die ersten Aufträge gekommen. Unter anderem [von] Staatspräsidenten, Milliardäre[n] und mittlerweile machen wir 70 Prozent unserer Aufträge übers Netz."

Sprecher:
Ein erster Millionenauftrag kam 2003 aus Nigeria. In dem afrikanischen Land baute das Unternehmen die Europäische Botschaft und die Banketthalle des nigerianischen Staatspräsidenten aus. Ein paar Jahre später folgten exklusive Wohnhausausbauten in England. Ob Kuba, Russland oder Bolivien: Der Chef selbst ist weltweit unterwegs, um an Aufträge zu kommen. Diese werden dann oft mit Partnern vor Ort durchgeführt. Auch auf internationalen Baumessen ist Reisinger vertreten. Wegen seines Erfolgs wurde der mittelständische Handwerksbetrieb 2009 von der Landesregierung mit dem bayerischen Exportpreis ausgezeichnet. Die Firma kann auch Erfindungen vorweisen, die patentiert wurden. "Easy Wall" heißt eine leichte und schnell zu montierende Trennwand für Büros und Krankenhäuser, die sie auf den Markt gebracht hat. Außerdem hat sie Kabinen entwickelt, in denen Spezialisten, die Hörgeräte zusammenbauen – sogenannte Hörgeräteakustiker – ungestört arbeiten können. Dort dringen keine Geräusche von außen ein. Die Kabinen bieten einen Schallschutz.

Gerhard Reisinger:
"Wir haben Patente im Schallschutz, Patente für Bürotrennwände, dann Schallschutzkabinen für Hörgeräteakustiker, da sind wir ganz stark. Und weil wir so gut sind, haben mich viele meiner Kollegen gefragt, 'Möchtest du uns nicht beraten?' Und dann kam auch die dritte Firma, die Reisinger Consulting."

Sprecher:
Das Wort Patent stammt aus dem Französischen und bezeichnete ursprünglich eine Urkunde über bestimmte Rechte. Wer ein Patent anmeldet, muss dies in seinem Land machen. Dort kann dann auch beantragt werden, ob und in welchem weiteren Land, das zum PCT, dem Patent Cooperation Treaty gehört, die Erfindung zum Patent angemeldet wird. Die Firma Reisinger hat, so ihr Chef, keine Bedenken, sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen. Knapp 40 Kilometer liegt der Ort Reichenbach von der tschechischen Grenze entfernt. Viele deutsche Betriebe hatten im Jahr 2004, als zehn weitere mittel- und osteuropäische Staaten der Europäischen Union beitraten, Angst, Verluste zu machen. Denn die Produktionskosten in den früheren Ostblockstaaten waren viel geringer als in Deutschland. Gerhard Reisinger kann diese Angst bis heute nicht nachvollziehen. Das deutsche Handwerk habe einen guten Ruf.

Gerhard Reisinger:
"Heute ist das so, dass mehr ostbayerische Firmen in Böhmen oder in der Tschechei arbeiten als tschechische Firmen bei uns. Und auch die Tschechen sind darauf gekommen, dass deutsche Qualität eben doch noch besser ist als ihre eigene."

Sprecher:
In Ländern wie Tschechien weiß man, man ist darauf gekommen, dass einheimische Produkte qualitativ weniger gut sind als deutsche. Und mit der Qualität nimmt es der Schreinermeister im Übrigen sehr genau:

Gerhard Reisinger:
"Auf unseren Visitenkarten haben wir stehen: 'Wir stehen für kreative Qualität' und auf der Rückseite ist das in Englisch, 'Creative solution – Made in Bavaria', nicht Germany, sondern 'Made in Bavaria."

Sprecher:
Die Firma Reisinger legt Wert darauf, dass es sich um Qualitätsarbeit aus Bayern handelt. Und das hat seinen Grund:

Gerhard Reisinger:
"Bayern ist weltweit bekannt: Oktoberfest, Bayern München, Franz Beckenbauer, BMW – alles kommt aus Bayern. Und diese Bodenständigkeit, die so ein Slogan vermittelt, ist doch schon ein Gütesiegel."

Sprecher:
Markenautos aus Bayern, der deutsche Rekordmeister aus München oder das größte Volksfest, das jährlich in der bayerischen Landeshauptstadt stattfindet: Sie sind weltweit bekannt. Für das Image Reisingers in der Welt ist das ein nicht zu unterschätzender Werbefaktor. Die Tatsache, dass das Unternehmen mit dieser Region eng verbunden ist, dass es bodenständig ist, ist ein Gütesiegel – ein Prüfzeichen, das nicht extra verliehen werden muss.



Fragen zum Text

Sagt jemand "Ich bin ins Netz gegangen", meint jemand damit: …
1. Ich bin gefangen worden.
2. Ich habe jemandem vertraut und bin enttäuscht worden.
3. Ich habe das Internet aufgerufen.

Findet ein Ereignis nicht jetzt statt, dann liegt es … Zukunft.
1. für die
2. in der
3. über der

Ist jemand eng mit seiner Region verbunden, dann ist jemand …
1. anständig.
2. umständlich.
3. bodenständig.


Arbeitsauftrag
Fasse den Agenturtext "Deutschland ist selbst im Dienstleistungsexport Weltspitze / Ausfuhr bleibt Motor der deutschen Wirtschaft" in eigenen Worten zusammen. Dabei kannst du unter anderem folgende Fragen beantworten: In welchen Bereichen sind die Deutschen im Export stark? Wie sind Klein- und mittelständische Unternehmen an dem Erfolg beteiligt? Welche Branche steht an der Spitze der Exporteure?

Autorinnen: Monika Lohmüller; Beatrice Warken
Redaktion: Stephanie Schmaus

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