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Deutschland

Der Scholzomat

Olaf Scholz, der ehemalige Bundesarbeitsminister und Spitzenkandidat der Hamburger SPD, gilt nicht als charismatischer Politiker. Doch er weiß sich im rechten Moment ins rechte Lichte zu rücken - ein Porträt.

SPD-Spitzenkandidat für die Hamburger Bürgerschaftswahl, Olaf Scholz (Foto: picture-alliance/dpa)

Der kühle Kopf: Olaf Scholz

Er überlässt nichts dem Zufall und plant jeden seiner Schritte bis ins Detail. Auch seine Kandidatur für das höchste Regierungsamt in Hamburg hat der 52-jährige SPD-Politiker Olaf Scholz von langer Hand vorbereitet. Im Herbst 2010 - bereits wenige Stunden nach dem Ende von Deutschlands erster schwarz-grüner Koalition auf Landesebene - gab Scholz bekannt: "Ich will Bürgermeister werden" - von Hamburg.

Stetig die Karriereleiter hinauf

Gerhard Schröder und Olaf Scholz gehen einen Gang entlang 2002 (Foto: AP)

SPD-Ziehvater Gerhard Schröder mit seinem Zögling Scholz

Geboren ist Scholz nicht in der Hansestadt an der Elbe, sondern in Osnabrück. 1975 trat er in die SPD ein und hatte von Anfang an kein leichtes Standbein: Immer wieder wurde ihm Überheblichkeit vorgeworfen, manchmal von Parteikollegen sogar napoleonisches Gehabe. Seiner Karriere hat das allerdings nie geschadet. Von 1982 bis 1988 war er Juso-Vize und stieg anschließend 1994 in den Hamburger Parteivorstand auf. 1998 wurde er in den Bundestag gewählt, im Jahr 2000 wurde er erstmals SPD-Landeschef in Hamburg - bis 2004.

Als der Hamburger SPD im Jahr 2001 eine Wahlschlappe gegen den populistischen Amtsrichter Ronald Schill drohte, musste Scholz sein Berliner Amt erst einmal beiseitelegen. Die SPD in Hamburg hatte das Thema innere Sicherheit stark vernachlässigt und musste einiges wieder gutmachen. Der studierte Arbeitsrechtler Scholz wurde Innensenator. Obwohl er sich als ein harter Vertreter von Recht und Ordnung gerierte, verlor die SPD nach mehr als 40 Jahren die Macht in Hamburg. Scholz' Karriere behinderte dies jedoch nicht.

An des Kanzlers Seite

Olaf Scholz, Franz Müntefering und Gerhard Schröder auf der Tribüne bei einem SPD-Parteitag (Foto: AP)

SPD-Dreigestirn - von Müntefering (hinten) übernahm Scholz später den Ministerposten

2002 holte ihn Kanzler Gerhard Schröder als SPD-Generalsekretär an seine Seite. In dieser Funktion wurde aus Olaf Scholz der "Scholzomat". Der Spitznamen wurde ihm verliehen, weil er sich öffentlich zwar geschliffen, oft aber wenig inhaltsreich ausdrücken konnte.

Dass er sehr mit der Politik und persönlichen Einstellung des Kanzlers sympathisierte, zeigte Scholz immer wieder deutlich. Auch wegen dieser Nähe trat er 2004 als Generalsekretär zurück, als Schröder den Parteivorsitz abgab. Durch den überraschenden Rücktritt von Franz Müntefering wurde Scholz im November 2007 Arbeitsminister in der großen Koalition. Vor allem mit seinen Kurzarbeiter-Regelungen machte er auf sich aufmerksam.

Nordische Verbundenheit

Der Spitzenkandidat der SPD für die Hamburger Bürgerschaftswahl, Olaf Scholz, gibt am Sonntag (20.02.2011) in einem Wahllokal in Hamburg-Altona neben seiner Frau Britta Ernst seine Stimme ab (Foto: dapd)

Gut gelaunt, weil siegessicher: Olaf Scholz bei der Stimmabgabe

Auch in Hamburg war Scholz, Ehemann der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Britta Ernst, weiter gefragt. Im November 2009 wurde er erneut Parteichef, um die kriselnde Landes-SPD wieder auf Kurs zu bringen. Schon damals ließ der Fraktionsvize im Bundestag und SPD-Bundesvize keinen Zweifel an seinen Ambitionen. "Wer bei mir Führung bestellt, muss wissen, dass er sie dann auch bekommt", sagte er der Zeitung "taz".

Die Stimmabgabe am Sonntag (20.02.2011) in Hamburg sei ein "ganz emotionaler Moment" für ihn gewesen. Genauso wie "hier für das Amt des Ersten Bürgermeisters zu kandidieren", sagte Scholz direkt danach. Er verriet, dass er seine Frau Britta Ernst gewählt habe, die ebenfalls für die SPD kandidiert und ihn bei der Stimmabgabe begleitete. Ernst sitzt seit 1997 für die Sozialdemokraten im hanseatischen Parlament. Scholz selbst war "sehr optimistisch", als er das Wahllokal im Stadtteil Altona verließ - ganz zu Recht, wie sich dann bei der Stimmen-Auszählung herausstellte.

Autor: Nicole Scherschun (dpa, dapd)
Redaktion: Ursula Kissel

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