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Welt

Der Schneekönig von Abidjan

Der Moderator Georges Tai Benson ist eine Legende des ivorischen Fernsehens. Jetzt darf er die Unabhängigkeitsfeiern in der Elfenbeinküste organisieren. Den Moment der Freiheit 1960 wird er nie vergessen.

Georges Tai Benson, TV-Promi und Mitorganisator der Feierlichkeiten zu 50 Jahre Elfenbeinküste (Foto: Alexander Göbel)

Georges Tai Benson

Georges Tai Benson singt schon wieder. Er kann sie heute noch auswendig, die Lieder aus seiner Schulzeit in Abidjan. Sie erzählen vor allem von Frankreich, den französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot. Damals, Ende der 50er Jahre, sind es auch seine Farben. Bis heute kann er den ehemaligen Kolonialherren nicht verzeihen, dass sie ihm damals Frankreich so tief ins Gehirn geplanzt haben: „Wir haben für Frankreich gesungen! Unsere Vorfahren, das waren die Gallier ,es gab Wölfe, es gab die Alpen, es gab Schnee... Und wir haben dran geglaubt! Wir kannten ja nichts anderes!“

Schnee in Abidjan

Französische Soldaten an der Elfenbeinküste (AP Photo/Ben Curtis)

Französische Soldaten an der Elfenbeinküste

Der kleine Georges ist schwer beeindruckt. Aus voller Kehle singt er die Marseillaise, besonders am 14. Juli, am Tag der französischen Revolution. Nie wird er vergessen, wie plötzlich mitten in der tropischen Hitze von Abidjan der Winter einbricht. Als ein großer Container mit Schnee eingeflogen wird – natürlich aus Frankreich. „Da hieß es auf einmal – morgen schneit’s! Wir Kinder mussten uns in einer langen Reihe aufstellen“, erinnert er sich schmunzelnd und noch immer erstaunt über die sonderbaren Franzosen. "Und dann... durften wir den Schnee berühren, jeder nur ein paar Sekunden. Das war richtig kalt! Und sie haben viele Fotos von uns gemacht: Die große französische Nation bringt den kleinen schwarzen Negerlein den weißen Schnee....!

Freiheit im Gepäck

Felix Houphouet-Boigny, erster Pärsident der Elfenbeinküste

Felix Houphouet-Boigny, erster Pärsident der Elfenbeinküste

Doch bald schmilzt der Schnee, und auch politisch zieht Tauwetter auf. Eines Tages heißt es, der Vertreter der Elfenbeinküste in der französischen Nationalversammlung komme nach Abidjan, sein Name: Felix Houphouet-Boigny – und er habe die Freiheit im Gepäck. Der kleine Georges Benson ist zu dieser Zeit 14 Jahre alt. Und tatsächlich: Nach rund 70 Jahren entlässt Frankreich die Côte d’Ivoire in die Unahängigkeit. Felix Houphouet-Boigny wird der erste Präsident. Seine Worte klingen Georges Benson heute noch in den Ohren. und er zitiert ihn mit der Stimme des Fernsehmoderators. " An diesem gesegneten 7. August 1960 erkläre ich feierlich und vor der gesamten freien Welt die Elfenbeinküste für unabhängig. - Der Präsident konnte seinen Satz ja gar nicht zu Ende bringen. Der Jubel war unbeschreiblich!“, erzählt Benson, und seine Augen glänzen. "Es gab Militärmusik, die französische Fahne wurde eingeholt, unsere neue Nationalflagge wurde gehisst. Und dann haben sie die neue Nationalhymne angestimmt, die Abidjanaise. Und da habe ich begriffen, dass eine neue Zeit anbricht, dass wir nun endlich unabhängig waren.“

Aufbruch und Absturz

Kakaobauer und Kakaobohne

Kakaoanbau

Am nächsten Tag, Tag 1 der Côte d’Ivoire, ist das ganze Land auf den Beinen, in Abidjan defiliert Georges Benson in einer Khaki-Schüleruniform vor der neuen, orange-weiß-grünen Fahne auf der Place de la République. Er ist stolz. An diesem Tag, sagt er, ist das Kind erwachsen geworden. Als junger Mann macht er schnell Karriere beim Fernsehen, sein Land steigt zur Kakao-Weltmacht auf. Doch George Benson erlebt auch den tiefen Fall der Côte d’Ivoire - die Korruption, den Bürgerkrieg, die lähmenden Machtspiele der Politiker. Das alles hat ihn sehr verbittert. Aber George Tai Benson liebt die Elfenbeinküste. Das Land, das geboren wurde, als er selbst noch ein Kind war. Deswegen will er beim großen Freiheits-Jubiläum besonders laut und trotzig die Abidjanaise schmettern, die Nationalhymne der Côte d’Ivoire. Auch wenn er sie noch immer für eine schlechte Kopie der Marseillaise hält....

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Klaudia Pape