Der Schnee, der Mann und viel zu wenige Frauen | Wirtschaft | DW | 26.01.2018
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Weltwirtschaftsforum

Der Schnee, der Mann und viel zu wenige Frauen

Das diesjährige Weltwirtschaftsforum wird vor allem wegen zweier Dinge in Erinnerung bleiben. Zum einen Schneemassen wie nie, zum anderen der Auftritt von US-Präsident Trump. Eindrücke von Manuela Kasper-Claridge.

Da stehen sie, die Reichen und Mächtigen, drängeln, schieben und halten ihre teuren Mobiltelefone hoch, um ein Bild von dem Mann zu erhaschen, der soeben das Kongresszentrum im schweizerischen Davos betreten hat: US-Präsident Donald Trump.  Vorher haben sie sich noch beschwert über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen, über schier endlose Staus auf den engen Straßen von Davos und die minutenweise Sperrung einiger Gehsteige. Alles nur wegen Trump, maulen sie, die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums - aber jetzt wollen alle ein Bild vom US-Präsidenten. "Man gönnt es ihm eigentlich nicht, diese Aufmerksamkeit", sagte eine Frau, die trotzdem auf einen Schnappschuss hofft. Ein anderer Teilnehmer ergänzt: "Mein Familie in Saudi-Arabien will unbedingt ein Foto."

Ein Schwimmbad und Donald Trump

Dann endlich kommt der Präsident, Taschen kippen, Hüte verrutschen, Ja, da ist er wirklich. Donald Trump schreitet sichtbar erfreut den Gang hinunter, bleibt gravitätisch stehen, schüttelt Hände, plaudert und verschwindet gemeinsam mit etlichen seiner Minister in einem der Hinterzimmer des Davoser Kongresszentrums.  Kaum vorstellbar, dass sich hier normalerweise ein öffentliches Schwimmbad befindet. Das ist nun geschickt mit Platten abgedeckt und mit weichem Teppichboden belegt.

 Schweiz Weltwirtschaftsforum in Davos | US-Präsident Donald Trump (picture-alliance/AP Photo/E. Vucci)

Große Bühne für Donald Trump: Der US-Präsident spricht zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums in Davos

Die Organisatoren des Weltwirtschaftsforums (WEF) hatten die Rede des amerikanischen Präsidenten extra auf den letzten Tag der Veranstaltung gelegt, damit an den Tagen davor über wichtige Themen wie die Zukunft Europas, den Zustand der Weltwirtschaft oder aber die fragile politische Situation im arabischen Raum oder Perspektiven in Afrika diskutiert werden konnte. Dennoch war Donald Trump bei den "Twitter mentions", den weltweiten Erwähnungen im Kurznachrichtendienst Twitter, im Zusammenhang mit dem WEF bereits am Donnerstag weit vorne. Seine Rede am Freitag dann war eine große Enttäuschung. Plattitüden über die Großartigkeit Amerikas und wenig Substantielles. Offensichtlich betrachtete Donald Trump das Weltwirtschaftsforum als große Werbeveranstaltung. Fragen aus dem Publikum waren nicht erlaubt.

"Wenn er sich benimmt, ist er total langweilig!", brachte es seine Zuhörerin in der Kongresshalle auf den Punkt. Als Trump dann noch eine Frage von WEF-Erfinder Klaus Schwab beantwortete und dabei einmal mehr die Medien angriff, waren laute Buhrufe aus dem Publikum zu hören.

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Schneechaos und logistische Herausforderungen

Davos 2018 war am Ende dann doch mehr als nur Donald Trump. Über 70 Staats- und Regierungschefs kamen in diesem Jahr in die Schweizer Berge, knapp 3000 Teilnehmer waren zugelassen, mehr nicht. Denn hier kann man sich zur Teilnahme nicht einfach anmelden und eine Gebühr bezahlen. Beim WEF muss man eingeladen werden. Es ist ein beeindruckendes logistisches Unterfangen, alle Teilnehmer und tausende Mitarbeiter in dem kleinen Ort unterzubringen. Viele mussten lange Anfahrtszeiten in Kauf nehmen, denn zu Beginn des Weltwirtschaftsforums schneite es tagelang so stark, dass eine 20 Kilometer Anfahrt aus dem benachbarten Ort Klosters nach Davos sieben (!) Stunden dauern konnte. Busse und Züge fielen aus. Teilnehmer, die in einem Berghotel untergebracht wurden, blieben in einer Zahnradbahn stecken. Hilfskräfte mussten geholt und die Strecke frei geschaufelt werden. Wer Bequemlichkeit sucht, ist beim Weltwirtschaftsforum sowieso fehl am Platz. Alles ist eng und teuer. Eine kleine Tomatensuppe kostet 28 Schweizer Franken, gerne aber auch mehr. In den Hotels ist jeder verfügbare Raum vermietet. Selbst Toiletten wurden zu Besprechungszimmern umfunktioniert. Wer einen staubigen kleinen Kopierraum als Büroersatz mieten durfte, konnte sich glücklich schätzen. Da sitzt dann schon mal der Vorstandsvorsitzende eines milliardenschweren Konzerns in einem überfüllten, halbdunklen Hotelflur auf einem kleinen Hocker und versucht, seine Mails zu beantworten.

Dabeisein ist alles

"Nein, das macht keinen Spaß.  Doch wo kann ich sonst so viele Geschäftspartner aus der ganzen Welt in kürzester Zeit treffen", sagt ein Konzernchef, der seit vielen Jahren nach Davos kommt. Außerdem spürt er hier sehr schnell, was in der Welt los ist. Denn zum Weltwirtschaftsforum reisen nicht nur  Unternehmensvertreter und Politiker an, sondern auch die Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, von Flüchtlingsorganisationen, Wissenschaftler oder Tech-Pioniere. Erstaunlich gut war die Stimmung, wenn es um die Lage der Weltwirtschaft ging. Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), rechnet weltweit mit weiterem Wirtschaftswachstum für die nächsten Jahre, eine größere Finanzkrise sei nicht in Sicht, solange es zu keiner größeren politischen Krise komme.  Aber weil zu viel Optimismus wiederum auch nicht gut sei, warnte Lagarde davor sich jetzt auszuruhen. Investitionen in die Digitalisierung seien zum Beispiel nötig. Eine Forderung, die auch die deutsche Bundeskanzlerin unterstützte.

Davos Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum/J. Polacsek)

Premiere: Zum ersten Mal waren alle Co-Vorsitzenden des Boards weiblich.

Weiße Männer und neue Themen

Die Folgen des Klimawandels wurden auf vielen Podien in Davos diskutiert und als großes Risiko für die Weltwirtschaft eingestuft. Ein anderes Thema beherrschte besonders in den ersten Tagen die Debatte: die sexuelle und wirtschaftliche Diskriminierung von Frauen und die aktuelle #metoo-Debatte. Erstmals in der Geschichte des Weltwirtschaftsforums waren die sogenannten Co-Chairs, die die wichtigen Debatten begleiten, ausschließlich Frauen, darunter die norwegische Ministerpräsidentin Erna Stolberg oder die Vorstandsvorsitzende von IBM, Ginni Rometty. Die Diskussionen über ungleiche Bezahlung von Frauen oder sexuelle Diskriminierung waren  gut besucht. Immerhin 21 Prozent der Teilnehmerinnen waren weiblich. Dennoch zeigte sich klar, dass die Führungselite dieser Welt weiß und männlich ist. Dies wird auch in 2019, beim nächsten Weltwirtschaftsforum in Davos, nicht anders sein.

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Die Jungen mischen mit Davos

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