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Asien

Der schleichende Vormarsch militanter Extremisten

Militante Extremisten in Pakistan sollen das malerische Swat-Tal mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern praktisch unter ihre Kontrolle gebracht haben - keine 150 Kilometer von Pakistans Hauptstadt Islamabad entfernt.

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Bewohner des Swat-Tals vor einer zerstörten Mädchenschule

Propaganda für die Taliban 2

Nicht nur im Radio, auch mit Postern und Plakaten werben die Taliban für ihre Ziele

Maulana Fazlullah ist der neue Herrscher über Swat. Fazlullah, der mit seiner Miliz zur pakistanischen Taliban-Bewegung gehört, ist auch unter dem Spitznamen „Radio Mullah“ bekannt, denn seit Jahren betreibt er einen illegalen UKW-Radiosender, um in Swat seine fundamentalistische Version des Islam zu predigen. Aber die Taliban benutzen das Radio auch, um sehr weltliche Macht auszuüben: So verlas Fazlullah Ende Januar auf dem Sender eine Art „Steckbrief“ mit den Namen von vierzig Personen, darunter Minister und Abgeordnete, die die Taliban vor Gericht stellen wollen. Morde an Gegnern der Extremisten sind an der Tagesordnung, während sich die Armee vor allem nachts in ihren Camps verschanzt.

Nach Ansicht des pakistanischen Journalisten Ahmed Rashid ist das gesamte Swat-Tal mit Ausnahme der größten Stadt Mingora und einiger Militärcamps inzwischen in der Hand militanter Extremisten. Vor allem auf dem Land sollen diese mittlerweile das Sagen haben. Rashid, der mehrere Bücher über die Taliban verfasste und als Experte internationales Ansehen genießt, macht das auch daran fest, dass Mitte Januar alle Mädchenschulen geschlossen wurden, ohne dass die reguläre Armee etwas dagegen unternommen hätte.

Die Armee steht auf verlorenem Posten

In Swat stehen geschätzten viertausend Taliban-Kämpfern vier Brigaden der pakistanischen Armee mit zwölf- bis vierzehntausend Soldaten gegenüber. Trotzdem haben es die Truppen auch nach monatelangen Kämpfen nicht geschafft zu verhindern, dass die Taliban die Region de facto kontrollieren. Woran liegt das? Ahmed Rashid kritisiert, dass die pakistanische Armee und Regierung immer noch kein Konzept zur Aufstandsbekämpfung entwickelt hätten. "Die Amerikaner haben in den vergangenen sechs Monaten immer wieder Ausbildungsangebote gemacht," erklärt Raschid, "aber die Armee hält daran fest, dass sie kein Training brauche, denn die Hauptbedrohung sei die durch Indien!“

Bush wird in Pakistan erwartet

Pakistans Armee kann gegen die Extremisten kaum etwas ausrichten

Diese Wahrnehmung, dass der „eigentliche“ Feind im Nachbarland sitzt, wird der pakistanischen Armee jetzt in zweierlei Hinsicht zum Verhängnis: Einerseits fehlt es an Entschlossenheit im Kampf gegen die Taliban, die vom pakistanischen Sicherheits-Establishment über Jahre hinweg aus außenpolitischem Kalkül gefördert wurden. Und andererseits fehlt es der Armee schlicht an den nötigen Fertigkeiten, kritisiert Ahmed Rashid: “Leider ist in den Stammesgebieten und in Swat zu beobachten, dass die Armee eine Offensive startet, Bomben wirft, ein paar Militante und eine Menge Zivilisten tötet, aber dann nicht imstande ist, das eroberte Territorium zu halten, und schon gar nicht, dort Wiederaufbauarbeit zu leisten." Die Konsequenz sei, dass die Militanten nach der Militäroffensive einfach wieder zurückkehrten.

Überforderte Armee und nachlässige Politik

Zivile Opfer verschaffen den Taliban neuen Zulauf, während das kurzatmige und inkonsequente Vorgehen der Armee und der Politiker die Extremisten nicht eindämmen kann. Für diese Unentschlossenheit steht in diesen Tagen noch ein anderes Beispiel: Jamaat ud-Dawa.

Pervez Musharraf

Ex-Präsident Musharrafs Verbot von Jamaat ud-Dawa verpuffte wirkungslos

Die islamistische Wohlfahrtsorganisation gilt als Tarnorganisation für die Terroristen von Lashkar-e-Tayyaba, denen das tagelange Geiseldrama in Mumbai im November genauso zur Last gelegt wird wie der Anschlag auf das indische Parlament im Jahr 2001. Pakistan hat in den vergangenen Wochen nur auf massiven ausländischen Druck hin Jamaat ud-Dawa verboten und einige Anführer inhaftiert. “Es handelt sich zweifellos sowohl um die größte militante als auch um die größte Wohlfahrts-Organisation im Land," erklärt Ahmed Raschiod das Zögern der Behörden. "Es ist auch die am besten organisierte Institution, die überall ihre Niederlassungen besitzt." Schon 2001 hatte General Pervez Musharraf Lashkar-e-Tayyaba verboten, nachdem diese Gruppe einen Anschlag auf das indische Parlament verübte. Dieses Verbot wurde aber nie in die Tat umgesetzt, weshalb sich die Gruppe seitdem weiter entfalten konnte.

Immerhin hat die pakistanische Regierung das Hauptquartier von Jamaat ud-Dawa in Muridke bei Lahore mittlerweile unter staatliche Aufsicht gestellt, nachdem die Islamisten bislang trotz des Verbots offen weiter operieren konnten. Aber noch ist unklar, ob auch das nur wieder eine Geste fürs Ausland ist, oder ob Pakistan jetzt konsequenter gegen Extremisten vorgehen wird.

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