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Wirtschaft

Der Schatten der Politik

Die deutsche Wirtschaft sorgt sich wegen des deutsch-amerikanischen Streits in der Irak-Frage um ihre Beziehungen zu den USA. Gerüchte über Stornierungen von Aufträgen machen die Runde.

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Deutsche Marken in den USA: Bald ein Bild mit Seltenheitswert?

Führende deutsche Wirtschaftsvertreter befürchten, dass die atmosphärischen Störungen zwischen den USA und Deutschland auch zur Belastungsprobe für die Wirtschaftsbeziehungen werden könnten. Die USA sind nach Frankreich der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Zehn Prozent der deutschen Exporte gehen in die USA. Eine Studie der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany) stellt fest, dass 800.000 Menschen in Deutschland für US-amerikanische Unternehmen arbeiten. Sie erwirtschaften etwa 540 Milliarden Euro im Jahr, mehr als jedes andere Land. Angesichts der angespannten Wirtschaftslage sind die USA ein unverzichtbarer Handelspartner.

Spürbare Verschärfungen

Der amerikanische Botschafter in Berlin, Daniel Coats, sagt in Interviews ganz offen, dass die Amerikaner von Deutschland enttäuscht seien. Und viele Unternehmer befürchten spürbare Veränderungen im Geschäftsklima beider Länder. Das betrifft vor allem die Vergabe öffentlicher oder militärischer Aufträge. Auch könnten deutsche Unternehmen bei Firmenübernahmen in Zukunft benachteiligt werden. Von konkreten Vorfällen will aber niemand sprechen.

Lediglich die US-Niederlassung des deutschen Schneidemaschinen-Herstellers Treif in Oberlahr in Rheinland-Pfalz ließ durchblicken, dass ihr im Herbst 2002 ein Auftrag des Pentagons im Wert von 900.000 Dollar aus politischen Gründen entzogen wurde. Inzwischen wird das aber wieder dementiert. Man will die Lage durch öffentliche Mutmaßungen nicht noch verschärfen. André Schwarz vom Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels meint im Gespräch mit DW-WORLD, dass es aber Verschärfungen im Verhandlungsklima gebe, die sich in Branchen wie der Luft- und Raumfahrt bemerkbar machten.

Business as usual

Die Amerika-Expertin des Bundes der Deutschen Industrie (BDI), Sigrid Zirbel, gibt sich gegenüber DW-WORLD gelassen. "Es stimmt, dass die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland seit etwa einem Jahr rückläufig sind. Dafür ist aber die konjunkturelle Lage in beiden Ländern verantwortlich." Von deutscher Seite seien ihr keine Klagen über Benachteiligungen deutscher Firmen bekannt. Dennoch räumt auch sie ein: "Ich kann nicht ausschließen, dass die Vorbehalte der Amerikaner größer werden, wenn sich die politische Großwetterlage weiter verschlechtert."

Der BDI plant zusammen mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag und der US-amerikanischen Handelskammer ein Spitzentreffen deutscher und amerikanischer Unternehmen im Mai in Washington, zu dem auch Wirtschaftsminister Clement kommen soll. "Das Treffen ist schon seit langem geplant, aber sicher werden dabei auch die aktuellen Verstimmungen angesprochen werden", so Zirbel. Für die Amerikaner seien die deutschen Sorgen aber kein Thema.

Schließlich ist Deutschland auch für die USA ein wichtiger Handelspartner. Demnach liegt der Anteil, den deutsche Tochterfirmen zum weltweiten Gesamtumsatz ihrer US-amerikanischen Mutterhäuser beitragen bei 14%. Auf die effiziente Arbeit der Deutschen will auch in den USA niemand ernsthaft verzichten. Darum strahlt der Präsident der amerikanischen Handelskammer, Fred Irwin, in Interviews Zuversicht aus. Politische Spannungen, so lehre die Erfahrung, hätten in der Regel wenig Einfluss auf die Privatwirtschaft. Schließlich gehe es dort alleine um das Preis-Leistungs-Verhältnis.

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