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Musik

Der Ruhrgebietsbarde: Herbert Grönemeyer

Öffentliche Höhen und private Tiefen: Herbert Grönemeyer kennt die extremen Seiten des Lebens. Und dabei kann er auf eine Karriere zurückblicken, die seit 30 Jahren nur eine Richtung kennt: aufwärts.

ARCHIV - Rockstars dürfen nach Ansicht von Sänger und Musiker Herbert Grönemeyer (Foto vom 05.06.2011) auch noch in gesetzterem Alter auf die Bühne. «Es gibt vielleicht eine Altersgrenze, wie man sich auf der Bühne benimmt. Wenn ich nur rum renne wie ein verstörtes Känguru, sieht das irgendwann affig aus», sagte der 55-Jährige in einem Interview des «Wiesbadener Kuriers» (Donnerstag). Foto: Britta Pedersen dpa (zu dpa-Leute.Meldung vom 21.12.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Grönemeyer: Für Rockstars gibt es keine Altersgrenze

Er ist Anfang der 70er Jahre mit "Politbarden" groß geworden: So nennt Grönemeyer Leute wie Dieter Süverkrüp, Wolf Biermann oder Franz Josef Degenhardt. Diese Liedermacher haben ihn furchtbar frustriert, wie er sagt. "Man sass da, und kriegte vorgehalten, was man alles falsch macht und wie blöd man eigentlich ist." Das will und muss er unbedingt besser machen. Musik ist für ihn schon damals Motivationsschub. Aber Texten wollte er eigentlich nie. Leute belehren, das liegt ihm nicht. Doch er verschliss so viele fremde Texte, dass er sich am Ende selbst hinsetze und zu schreiben begann.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Dieser alten Weisheit folgend, geht es mit Herbert Grönemeyers musikalischer Karriere Stück für Stück voran. Doch zunächst ist er in den 1970er Jahren Schauspieler in Bochum. Der Film- und Theaterregisseur Joachim Preen hatte das aufstrebende Talent für das Stück "John, George, Paul, Ringo And Bert" zum ersten Mal auf die Bühne gebracht. Mit seiner Rolle im Wolfgang Petersen Kinoerfolg "Das Boot" wird Grönemeyer später große Berühmtheit erlangen. Doch Musik hat er auch damals schon gemacht. Als Frontmann der Bo-Band am Bochumer Schauspielhaus ging’s 1974 los, zwei Jahre später wurde er der musikalische Leiter dort. Vier Alben machen anschließend aus dem singenden Schauspieler, der sich nach eigenem Bekunden den "Arsch abspielen muss, damit keiner aus dem Saal geht und sich eine Curry-Wurst holt", den Musiker Herbert Grönemeyer. Ab 1984 geht es dann Schlag auf Schlag.

Herbert Grönemeyer bei einem Konzert im Bochumer Stadion (AP Photo/ Martin Meissner)

Heimspiel in Bochum

Durchbruch mit Postleitzahl

Apropos Currywurst. Es ist genau dieser Song, übrigens getextet vom Schauspieler und Komiker Dieter Krebs, der viele aufhorchen lässt und Grönemeyer zum Image des heimatverbundenen Ruhrpott-Sängers verhilft. Das Album seines musikalischen Durchbruchs heißt dann auch: "4630 Bochum", ein Album, das neben der Hymne an seine Heimatstadt auch seinen Hit "Männer" enthält. Dass er ein kritischer Zeitgeist ist, belegt der Song "Amerika", der für viel Gesprächsstoff sorgt. Hier behandelt Herbert Grönemeyer die Folgen des Nato-Doppelbeschlusses aus dem Jahr 1979. Nachdem die Verhandlungen zwischen der Nato und dem Warschauer Pakt gescheitert sind, stehen ab 1983 amerikanische Raketen auf deutschem Boden. Grönemeyers Talent, soziale, politische und persönliche Themen unverblümt, verständlich und doch phantasievoll in Musik zu verpacken, begeistert die Massen. "Bochum" wird 1984 zum erfolgreichsten Album in Deutschland, und es folgen weitere Rekorde. Als Schauspieler tritt Herbert Grönemeyer so gut wie gar nicht mehr in Erscheinung, er konzentriert sich voll auf die Musik. Dann der Schock: Nach dem tragischen Tod des Bruders und seiner Ehefrau, die beide innerhalb weniger Tage im November 1998 sterben, kann er lange Zeit keine einzige Note schreiben, geschweige denn Texte verfassen. Der Barde zieht sich vier Jahre lang komplett zurück.

Herbert, der Mensch

Mensch. CD-Cover (Foto: Grönland (EMI))

"Mensch" ist der erste Song, den er nach dem tragischen Verlust zu Papier bringt und dem das gleichnamige Album aus dem Jahr 2002 seinen Namen verdankt. In den Texten verarbeitet er den Tod von Frau und Bruder, und der Mensch Herbert Grönemeyer berührt damit Millionen. Die Scheibe verkauft sich 3,7 Millionen Mal und wird damit zum meistverkauften Album der deutschen Musikgeschichte. Die anschließende Tournee gerät zu einem wahren Triumphzug. Alle Konzerte sind ausverkauft, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Mit seinem neuesten Werk "Schiffsverkehr" begibt sich Herbert Grönemeyer bald erneut auf große Fahrt durch die Charts und Konzertarenen - getreu seinem Motto: auf zu neuen Ufern.

Autor: Thomas Steinberg

Redaktion: Matthias Klaus

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