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Kultur

Der rotbärtige Kaiser der Sehnsucht

Kaiser Friedrich I. war beliebt. Als Barbarossa wurde er nach seinem Tod noch bekannter. Zumindest geht die Sage von Barbarossa auf ihn zurück. Geformt durch den Volksglauben, genutzt von Marketingstrategen.

Gemälde von Kaiser Friedrich I. von 1840 (Foto: dpa)

Wann Friedrich I., genannt Barbarossa, geboren wurde und wo bleibt im Dunkel der Geschichte. Dass er weit in der Welt herumkam, ist jedoch historisch verbürgt. Er wird als der größte römisch-deutsche Kaiser des Mittelalters verehrt und starb im damaligen Kilikien, der heutigen Südtürkei. Kaiser Friedrich I. ertrank dort während des Dritten Kreuzzuges im Fluss Saleph, aber er lebte im Volksglauben als Barbarossa noch Jahrhunderte lang weiter. Selbst heute ist er für viele weiterhin lebendig und schläft angeblich im Kyffhäuser, einem Berg in Thüringen, einem Anziehungspunkt für Touristen, seit dort Ende des 19. Jahrhunderts ein monumentales Denkmal errichtet wurde.

100 Jahre Frieden dank Friedrich

Barbarossa, also Rotbart, nannten ihn die Italiener, weil der kräftige Bart von Friedrich dem I. einen rötlichen Schimmer besaß. Geboren wurde er vermutlich im Jahr 1122, gestorben ist der Herrscher 1190. Deutschland gab es damals noch nicht, aber einen deutschen Kaiser und viele Landesfürsten, die oft untereinander zerstritten waren. Unter Barbarossa hatte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation eine gewaltige Ausdehnung und erstreckte sich von der Nordseeküste bis nach Sizilien, ausgenommen den Kirchenstaat um Rom. Barbarossa verstand es die großen und kleinen Herrscher in seinem Reich im Zaum zu halten.

Bildnis von Barbarossa im Kyffhäuserdenkmal (Foto: Reinhard Kirchner)

Guckt mürrisch, wird trotzdem verehrt: Bildnis von Barbarossa im Denkmal

"Die 100 Jahre Staufer-Herrschaft zwischen dem Amtsantritt von Friedrich I., alias Barbarossa, und dem Tod seines Enkels, Friedrichs II. zwischen 1152 und 1250, waren für das Volk eine relativ friedliche und glückliche Zeit", betont Ralf Rödger, Leiter des Kyffhäuser-Denkmals. Nach dem Tod Friedrich II. änderte sich das abrupt. Die Fürsten der verschiedenen Reichsgebiete stritten sich um das kaiserliche Erbe. Die Menschen litten unter Kriegen und später unter der Pestepidemie, die europaweit tobte. Diese schwierigen Lebensumstände ließen in der Bevölkerung die Sehnsucht nach der Zeit unter den Staufer-Herrschern aufkommen, die Sage von Barbarossa, als großem Friedens- und Einheitsstifter entstand. Allerdings brauchte die Sage ein paar Jahrhunderte Mund-zu-Mund-Propaganda, um tatsächlich Friedrich I. zu Barbarossa zu machen.

Sage sucht Person

"Es gab in der Entstehung des Sagenstoffs eine Übergangsphase, in der nicht eindeutig ist, welcher Friedrich eigentlich gemeint ist: Friedrich I., Barbarossa, oder sein Enkel Friedrich II." erklärt Ralf Rödger. Erst im 16. Jahrhundert war die Sage dann so weit gereift, dass klar war, es geht um Friedrich I. Im Grunde hatte sich das Wunschdenken der Bevölkerung eine Gestalt geschaffen. Dann kamen Dichter, nahmen die Volkssage auf und schmückten sie aus. So schläft Barbarossa laut Sage nun seit Jahrhunderten im Kyffhäuserberg 100 Kilometer westlich von Leipzig, um zur rechten Zeit wiederzukommen und Deutschland zu einen. Dass das inzwischen schon passiert ist, ist der Sage egal.

Blick auf das Kyffhäuserdenkmal bei Bad Frankenhausen (Foto:dpa)

Das Kyffhäuserdenkmal: oben Wilhelm I., unten Barbarossa

Intensiver wurde die Heldenverehrung Barbarossas Ende des 19. Jahrhunderts, als ein weiterer Held aufs Podest und dann auf den Kyffhäuserberg gestellt wurde: Wilhelm I. Der Gründer des Deutschen Reiches von 1871 sollte vom sagenhaften Ruhm Friedrichs profitieren, Politik und Volksglaube wurden so werbewirksam vereint. Hoch oben auf dem Berg reitet deshalb jetzt Kaiser Wilhelm I. auf seinem Eisenpferd, weiter unten thront die aus Stein gehauene Barbarossa-Figur, so wie die Sage sie beschreibt: als erwachender Kaiser mit meterlangem Bart.

Barbarossa lässt die Kassen klingeln

Es ist allerdings ungewiss, ob Barbarossa überhaupt jemals den Kyffhäuserberg betreten hat. Bevor das Kaiser-Wilhelm-Denkmal hier aufgestellt wurde, konzentrierten sich die Sage und die Erinnerung an Barbarossa bereits auf einen Turm, der 50 Meter vom Berg entfernt steht und ebenfalls von weitem gut sichtbar ist, Barbarossa-Turm wird er genannt. Die Geschichte braucht eben einen Ort, an dem sie sich manifestiert, egal wo der liegt.

Das Innere der Barbarossa-Höhle bei Rottleben (Foto: dpa)

Stuhl und Tisch für Barbarossa in der Höhle bei Rottleben

Dass sich der Name der Sagengestalt gut als Werbeträger eignet, hat man im 19. Jahrhundert auch einige Kilometer vom Denkmal entfernt, in Rottleben erkannt. Dort wurde zu dieser Zeit eine spektakuläre Gipshöhle entdeckt. "Barbarossa hat mit der Höhle eigentlich nichts zu tun", bekennt Höhlenführerin Ines Klemt freimütig. Nach den Namen Rottleber Höhle, und Falkenburger Höhle hatte man sich dennoch für "Barbarossa-Höhle" entschieden, um damit mehr Besucher anziehen zu können.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Marlis Schaum

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