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Musik

Der Rock am Ring

Es ist laut, es ist eng, das Bier ist zu teuer und Jahr für Jahr versinkt das ganze Gelände in Matsch und Regen. Doch die Fans kommen jedes Jahr an den Nürburgring zur größten Rockfan-Familienfeier Deutschlands.

Fans auf dem Festivalgelände (Foto: AP)

Ausgerechnet Schmusebarde Chris De Burgh war 1985 der Headliner des Festivals, das heute für "Alternative meets Metal meets Elektroclash" steht. Zusammen mit U2, Huey Lewis und Foreigner kamen die Größen dieser Zeit ins Nichts in die Eifel. Gianna Nannini zeigte auf der Bühne ihre Brüste, Saga spielten länger als erlaubt und Marius Müller Westernhagen forderte zu freier Liebe in den Zelten auf. Viel hat sich seitdem eigentlich nicht geändert.

1985 wurde zur Blaupause für die 23 folgenden Rock-am-Ring-Festivals. Das heißt: Viel zu viele Bands, als dass man sie alle sehen könnte. Man findet sein matschiges Zelt nachts nicht wieder. Die sanitären Einrichtungen sind eine Katastrophe. Das Bier ist gepanscht und teuer. Also, warum pilgern jedes Jahr bis zu 85.000 Menschen in die Eifel? Weil es die Karnevalssession für Rockmusikfans ist.

Klatschende Fans (Foto: rock-am-ring.com)

... weil es nirgends anders so rockt!

"Aufstehen! Party!"

Drei Tage lang mit Gleichgesinnten die Sau raus lassen. Campen, saufen, grillen, rocken in familiärer Atmosphäre. Etwas, das die Bands am Publikum zu schätzen wissen. "Ja, so wie Boris Becker in Wimbledon immer gesagt hat", resümiert Campino, Sänger von den Toten Hosen aus Düsseldorf, "es ist schön in seinem Wohnzimmer zu spielen, und insofern komme ich immer her und genieße es sehr und es fühlt sich super entspannt an". So gibt eine Band der anderen das Mikro in die Hand und die Massen beschäftigen sich mit Circle Pits, dem Wilden-im-Kreis-Rennen, der Wall of Death, dem In-Massen-gegeneinander-Rennen, Crowdsurfen, dem Sich-über-die-Menge-tragen-Lassen und so Dingen wie dem Brüllen von Frauennamen.

Jährlich wiederkehrende Fans (Foto: Uli José Anders)

... und trotz des Wetters kommen wir jedes Jahr wieder

"HEEELGA!!!!"

Der Mythos besagt, dass ein betrunkener Rocker im Jahr 1989 seine Freundin Helga auf dem Platz gesucht hat. Stundenlange, nervende "Helga"-Rufe waren die Folge. Im Gedenken an diesen Moment sucht die Rock-am-Ring-Gemeinde noch heute nach Helga. Der einzige Haken an der Geschichte? 1989 fand gar kein Rock am Ring statt - genauso wie 1990. Nach dem Erfolg des ersten Rock-am-Ring-Festivals brachen die Zuschauerzahlen ein. Das Konzept wurde noch einmal überdacht.

Die Lösung war: mehr Events, mehr Bühnen, mehr Rock. So tummeln sich heute hauptsächlich Metal- und Alternativebands auf der alten Rennstrecke. Wer genau da spielt, ist den meisten Fans eigentlich egal: Hauptsache Festival.

Festival-Unrat überall auf dem Gelände (Foto: Uli José Anders)

...dreckig isses



Bangen für die Wissenschaft

Wer bei "bangen" jetzt an den etwas angestaubten Begriff für "ängstlich sein" denkt liegt falsch. "Bangen" ist das heftige rhythmische Kopfnicken zu meist harter Musik. Bei Rock am Ring dient das "Bangen" auch mal der Wissenschaft. Die These "Wenn alle Chinesen gleichzeitig von einem Stuhl springen, erzeugt das ein Erdbeben". Um dies zu testen, brachte die Berliner Band "Wir sind Helden" 50.000 Fans dazu rhythmisch zu hüpfen. Das Ergebnis: Einen Kilometer weiter konnte man die Erschütterung messen, aber für ein Erdbeben reichte es nicht.

Fans suhlen sich im Matsch (Foto: pictture-alliance, Katja Lenz)

...selbst glitschiger Morast vertreibt nicht die gute Laune



Singing in the rain

Wissenschaft hin, Event her. Rock am Ring wird die nächsten 25 Jahre Rock am Ring bleiben, mit viel zu vielen Bands um alle zu sehen, katastrophalen hygienischen Zuständen, viel Bier und viel Spaß - und natürlich der wichtigsten Regel: Am zweiten Tag schüttet es immer aus Eimern. Aber einem richtigen Fan ist das egal: Festivalzeit eben.

Autor: Uli José Anders
Redakteur: Matthias Klaus / Kay-Alexander Scholz

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