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Reise

Der Rhythmus des Gehens

Nicht im Frühtau zu Berge ziehen, sondern erst mal ausschlafen. Und dann keine schwindelnden Höhen erklimmen, sondern entspannt über den Panoramaweg schlendern. So sieht es aus, wenn Wellnesswanderer unterwegs sind.

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Lieber die Aussicht genießen als den Berg hochstreben

Das Wandern hat einen Imagewandel durchlaufen: Es gibt einen neuen Trend des entschleunigten Spazierens durch die Natur. Das einst etwas angestaubte Senioren-Hobby ist heute "in" bei gesundheitsbewussten Individualisten, bei gestressten Managern, die den Kopf frei kriegen wollen, und bei Sinnsuchern, die im Rhythmus des Gehens ihre Lebensziele überdenken.

Sommerwiese mit Blumen

Sommerwiese mit Blumen

Fakt ist, dass Wandern die beliebteste Outdoor-Aktivität der Deutschen ist. Rund 35 Millionen Bundesbürger genießen die Natur gern zu Fuß - Tendenz steigend. Zumindest ab und zu im Urlaub oder am Wochenende schnürt also fast jeder zweite Deutsche die Wanderschuhe. Diese Zahlen nennt der Deutsche Wanderverband in Kassel.

Genuss statt Tempo

Einen regelrechten Boom erlebt das Wandern zur Zeit als Wohlfühltrend. Das hat der Natursoziologe Rainer Brämer festgestellt, der das Wandern an der Marburger Universität wissenschaftlich erforscht. Mit Hilfe seiner Studenten hat Brämer 4800 Wanderer in fünfzig Wandergebieten über ihre Wünsche und Motive befragt. Das Ergebnis: Wandern wird genussreicher. "Man wandert heute nicht mehr aus sportlichen Gründen, um Strecke zu machen, sondern einfach, weil es einem Spaß macht, und solange es einem Spaß macht", sagt Brämer.

Ruhe, Natur, Entspannung

Wattwanderung

Ein Wattführer erläutert Touristen die unterschiedlichen Lebensformen im Wattenmeer auf der nordfriesischen Urlaubsinsel Föhr.

Das neue Interesse an dem alten Hobby hängt für Brämer ursächlich mit der Entfremdung von der Natur und immer künstlicheren Umwelten zusammen. "Die selbst geschaffene Zivilisation", so der Wanderforscher, "in der wir immer mehr nur mit Geräten umgehen statt mit Menschen und immer mehr Distanz zur Natur haben, ist offenbar etwas, was sich mit unserer menschlichen Natur nicht gut verträgt."

Anstieg der Glückshormone

Abseits vom Alltagstrott und Handy-Gebimmel könne man dagegen beim Wandern schöne Landschaften in Ruhe genießen, den verlorenen Naturzugang wiederfinden und dabei entspannen. Dazu komme die Bewegungsfreude als zweitstärkstes Motiv - und an dritter Stelle die Kommunikation mit anderen. Im entspannteren Prozess des Gehens durch die stimulierende Natur relativieren sich viele Probleme des Alltags. Das Leben nimmt eine neue Richtung. Wandern baut Stress ab, führt zum Anstieg körpereigener Glückshormone.

Qualitätvolles Wegenetz

Geführte Wanderungen lüften die Geheimnisse der Natur

Nationalpark Eifel

Dieser Effekt stellt sich aber nur dann ein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Praktisch heißt das: es kommt auf den Wanderweg an. Zuallererst muss der Weg attraktiv sein, damit der Wanderer ein positives Erlebnis haben kann. Unter dem Motto "Wanderbares Deutschland" setzt sich der Deutsche Wanderverband für ein qualitätvolles Wegenetz ein. In der Dachorganisation sind 56 Wandervereine mit 3100 Ortsvereinen aktiv. Echte Wellnesswanderer allerdings sind kaum im Verein unterwegs, auch das ist das Ergebnis der "Profilstudie Wandern 2004" des Soziologen Brämer. Sie ziehen individuelles Wandern vor - allein oder mit dem Partner. (epd/pg)

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