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Gesichter Deutschlands

Der Rentner: Nikolaus Netzhammer

Als Rentner hat Nikolaus Netzhammer fast mehr zu tun als im Berufsleben: Stundenlanges Wandern, historische Forschung in Archiven. Und dabei immer wieder mit Freude durch das Leben gehen.

(Foto: DW)

Nikolaus Netzhammer - ein leidenschaftlicher Spaziergänger

Früh aufstehen, frühstücken und los marschieren. Spätestens um viertel nach sieben ist Nikolaus Netzhammer schon auf den Beinen. Ein Buchprojekt muss noch abgeschlossen werden!

Eine geistige Reise in die Vergangenheit

Nikolaus Netzhammer (r.) mit dem Patriarchen der Orthodoxen Kirche Rumäniens (Foto: DW)

Nikolaus Netzhammer (r.) mit dem Patriarchen der Orthodoxen Kirche Rumäniens

Der Freizeit-Historiker aus Bonn hat seine Berufung in der Erforschung der Familienwurzeln gefunden. Sein Großonkel Raymund war von 1905 bis 1924 katholischer Erzbischof von Bukarest und hatte fleißig Tagebuch geführt. Fast auf den Tag genau nach hundert Jahren hat Nikolaus Netzhammer die rumänische Übersetzung in der Rumänischen Akademie in Bukarest vorgestellt. Die Tagebuchbände hat Netzhammer sogar dem Patriarchen der Orthodoxen Kirche Rumäniens, Teoctist, persönlich überreicht. Doch damit nicht genug: Jetzt arbeitet der 71-jährige Rentner an der rumänischen Ausgabe eines weiteren Werkes seines Großonkels. "Beschäftigung mit Geschichte ist faszinierend", sagt Netzhammer. Dennoch lautet sein Lebensmotto: "Die Gegenwart ist die einzige Realität." Außerdem sagt er: "Am Rhein zu leben gibt mir das Gefühl, am Strom des Lebens teilzunehmen." Dabei zieht es ihn durchaus in die Ferne - mal nach Bukarest oder Wien, um dort in staatlichen und kirchlichen Archiven zu arbeiten - oder nach Rom, wo er bei einem internationalen Symposium mit einen Vortrag auftritt.

Lernen muss Spaß machen

Als Rentner, so scheint es ihm, hat er mehr zu tun als im Berufsleben. Über 36 Jahre haben Netzhammer und seine Frau Maria ihre eigene Privatschule geführt. Die Schule hat den Lebens-Rhythmus vorgegeben. Netzhammer erinnert sich gerne: "Es war immer ein Geben und Nehmen zwischen uns auf der einen Seite und Schülern, Eltern, Lehrern auf der anderen Seite. Das gibt es jetzt nicht mehr, das ist beendet." Die Privatschule war wie eine kleine, eigene Welt, ein Mikrokosmos. Im Ruhestand ist Netzhammer nach der Pension keinesfalls. Seit der Erkrankung seiner Frau nimmt die Arbeit im Haushalt viel Zeit in Anspruch. Dennoch findet Netzhammer Zeit für seine Forschungen. Meist sitzt er dabei am Computer. In zwei großen Holzschränken sind die Korrespondenzen, die Buchexzerpte und Materialien aus Archiven gesammelt. "Ich will viele Dinge gleichzeitig machen." Er glaubt, dass hat damit zu tun, dass er eigentlich Linkshänder ist und - wie früher in Deutschland üblich - umtrainiert wurde auf das Schreiben mit der rechten Hand. Daher versucht er nun immer, Dinge mit beiden Händen zu machen. Das gehört zu seinen Schwächen, meint er.

Wandern bis zur Erschöpfung

Wer so aktiv ist, braucht auch Ruhe und Auszeiten. Die sucht er auf langen Spaziergängen. "In den ersten zwei Stunden spült sich alles Unverarbeitete aus dem Unterbewusstsein hoch. Es melden sich die Dinge, die man vergessen hat, was man unbedingt als nächstes in Angriff nehmen muss. Nach etwa zwei Stunden wird es ruhiger: keine konkreten Gedanken mehr, nur Empfindungen und Gefühle, meist angenehmer Art. Man lässt sich treiben."

Glückliche Kindheit in Erzingen nahe der Schweiz (Foto: DW)

Glückliche Kindheit in Erzingen nahe der Schweiz

Geboren an der Grenze zur Schweiz - im kleinen Grenzdorf Erzingen - ist er in enger Verbundenheit mit der Natur aufgewachsen. Die Familie hatte gerade so viele Felder und Wiesen, um den größten Teil ihres Bedarfs an Lebensmitteln selbst produzieren zu können. Sie waren zehn Kinder in der Familie: "Meine Kindheit war sehr glücklich trotz strenger Eltern. Natürlich arbeiteten die Kinder auf dem Feld und im Haus mit." Regelmäßige Familientreffen in der Heimat sind auch heute noch Tradition. Nikolaus Netzmacher schätzt sich glücklich, auch wenn er einen Lebenstraum nicht verwirklichen konnte: Er wäre gerne ein großer Organist geworden.

Autorin: Marina Borisowa
Redaktion: Birgit Görtz

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