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Afrika

Der Raubbau am Rosenholz

Die einen tun es, um zu überleben, die anderen aus Profitgier: Madagaskar rodet sein kostbares Rosenholz. Die Bestände sind bereits dramatisch geschrumpft, doch die Kunden im Ausland stört das nicht.

Rot spritzt es in alle Richtungen. Zurück bleibt nur ein verharzter Baumstumpf - wieder ist ein wertvoller Rosenholzbaum im Masoala-Nationalpark gefällt worden. Und das, obwohl der Park im Norden Madgaskars unter Naturschutz steht und zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Umwelt-Organisationen schätzen, dass dort bereits 90 Prozent des seltenen Palisanderholzes gerodet wurden. Eine Wiederaufforstung ist nahezu unmöglich: Manche Bäume sind bis zu 500 Jahre alt.

Umweltspione im Regenwald

Alle wissen es - darüber sprechen will aber kaum jemand. Außer Andry Andriamanga: Der Madagasse ist Aktivist der Umweltorganisation Alliance Voahary Gasy und traut sich trotz aller Drohungen der Holz-Mafia in den Regenwald - und an die Öffentlichkeit. Bei seinen geheimen Ausflügen in den Nationalpark hat er beobachtet, wie der illegale Holzhandel abläuft: Die Wächter am Eingang des Nationalparks würden geschmiert, Stämme kurzerhand als gewöhnliche Holz-Lieferung umdeklariert und unter falschem Label ins Ausland exportiert. Es seien regelrechte Mafianetze, die den Wald plünderten, so Andry Andriamanga: "Die bestechen jeden." Verbotsschilder an den Eingängen des Nationalparks würden einfach weggestellt.

Offiziell ist der Handel mit Rosenholz aus den Naturschutzgebieten zwar streng verboten. Durch den Etikettenschwindel umgehen die Holzhändler das Gesetz. Das artgeschützte Edelholz wird einfach scheinlegalisiert. Woher genau das Holz kommt, weiß hinterher auf dem Weltmarkt keiner mehr. So können etwa die Importverbote der Europäischen Union umgangen werden, kontrolliert wird nur wenig. Wie viel Holz auf illegale Weise das Land verlässt, darüber gibt es nur Schätzungen: Umwelt-Organisationen sprechen von jährlich 100.000, manche sogar von 240.000 Rosenholzbäumen.

Genetischer Fingerabdruck des Rosenholzes

Asiatin sitzt neben Rosenholz-Tisch (Foto:Eugene Hoshiko/AP/dapd)

Lukratives Geschäft: Rosenholzmöbel sind in China gefragt

Das könnte sich bald ändern - Umweltschützer wollen die madagassischen Tropenhölzer genetisch entschlüsseln. Sonja Hassold, Doktorandin an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), war dafür monatelang im Masoala-Nationalpark unterwegs und hat Proben von verschiedenen Palisanderhölzern genommen. "Das würde bedeuten, dass man Holz-Proben auf dem Weltmarkt besser identifizieren kann. Man könnte sie einer bestimmten Art zuordnen und wüsste dann auch genau, woher sie stammen", so die Schweizer Biologin.

Dass in Madagaskar so viel Rosenholz geschlagen wird, liegt vor allem an der steigenden Nachfrage aus dem Ausland. In China etwa gelten geschnitzte Möbel aus dem edlen Palisanderholz als besonders schick. Eine Esszimmer-Garnitur aus Tisch und Stühlen lassen sich chinesische Kunden an die 5000 US-Dollar kosten. In Deutschland kaufen Gitarrenliebhaber gerne Instrumente mit einem Griffbrett aus dem illegal geschlagenen Edelholz.

In Madagaskar verdienen nur die Händler gut an dem Raubbau - die einfachen Waldarbeiter hingegen bleiben arm. Ihr Tageslohn liegt bei rund einem Dollar, was in etwa dem Durchschnittseinkommen in Madagaskar entspricht. Das Problem: Für viele Waldarbeiter ist der Job im Holzschmuggel die einzige Möglichkeit, sich und ihre Familie zu ernähren.

Die Menschen brauchen eine gleichwertige Job-Alternative

Entsprechend feindselig stehen sie den Umwelt-Organisationen gegenüber. Das sei das eigentliche Drama, sagt Sévérine Berthet-Blanchard von der französischen Naturschutzorganisation L'Homme et l'Environnement: "Bestimmte Flächen unter Naturschutz zu stellen - das bedeutet doch, dass man der Bevölkerung den Zugang zu den eigenen Ressourcen verwehrt. Und dann bringt es gar nichts, einen Polizisten hinter jeden Baum zu stellen!"

Beschlagnahmtes Palisanderholz in Madagaskar. (Keine andere Verwendung als für den speziellen Artikel.)

Beschlagnahmtes Rosenholz aus dem Nationalpark

Von medienwirksamen Kampagnen, wie sie etwa Greenpeace organisiert, hält Sévérine Berthet-Blanchard denn auch wenig. Umweltschutz müsse beim Alltag der Menschen vor Ort ansetzen, sagt sie. Daher will ihre NGO den Waldarbeitern eine echte Job-Alternative bieten, die nicht zur Ausbeutung der kostbaren Natur-Ressourcen führt. Etwa in kleinen Betrieben, die hochwertige Aroma-Öle aus nachhaltigem Anbau herstellen. Oder im Bereich Öko-Tourismus - ein boomender Zweig, der immer mehr ausländische Besucher auf die ostafrikanische Insel lockt.

Präsident in Holz-Abbau verwickelt?

Ein weiteres großes Problem ist die unsichere politische Lage Madagskars: Durch einen Putsch kam der jetzige Präsident Andry Rajoelina an die Macht, seine Regierung hat mit Umweltschutz nicht viel im Sinn, eine funktionierende Verwaltung gibt es nicht. Öffentlich möchte zwar keine Umweltschutzorganisation den illegalen Holzhandel mit dem Präsidentenpalast in Verbindung bringen. Doch hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich, dass der Präsident höchstpersönlich ins Rosenholz-Geschäft verwickelt sei - die Chancen, den Restbestand an Rosenholzbäumen zu bewahren, stehen also denkbar schlecht.

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