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Kultur

Der Rätselhafte - Sigmar Polke in Köln

Das Kölner Museum Ludwig zeigt als dritte Station die New Yorker Retrospektive von Sigmar Polke – als erste posthume Schau des deutschen Malers und Fotografen. In Köln wurde sie um einige Werke ergänzt.

Polke ist seit fünf Jahren tot. An der Vorbereitung der vielgelobten Überblicks-Ausstellung von 2014 im amerikanischen „Museum of Modern Art“, kurz: Moma, hatte der Künstler noch selbst mitgewirkt. Danach wanderte die Schau, die Polkes Handschrift trägt, in die Tate Gallery nach London. Nun ist sie Sigmar Polke 1963 – 2010“ im kunstsinnigen Rheinland angekommen, wo Polke 50 Jahre lebte – 30 davon allein in Köln.

Maler Sigmar Polke Porträt. Foto: Fredrik von Erichsen, dpa/lnw

Der Maler und Fotograf Sigmar Polke

Ob der Künstler gewollt hätte, dass seine Wahl-Heimat ihm diese Referenz erweist? "Never Ever!!!", schwor die US-Kuratorin Kathy Hal­breich. "Vielleicht", sagt hingegen Barbara Engelbach. Für Köln hat sie die Schau, die mit viel Geld nach Deutschland geholt wurde, um Polkes fotografisches und filmisches Werk ergänzt.

"Ein schwieriger Künstler"

Am Kunsthimmel war Polke seit Jahrzehnten ein Superstar - nach Gerhard Richter der am teuersten gehandelte deutsche Künstler. In Köln und erst recht im Museum Ludwig ist er kein Unbekannter. Da gilt Polke als "schwieriger" Künstler, der sich zeitlebens dem Zugriff des Kunstbetriebs entzog.

Sigmar Polke-Retrospektive in Köln. Foto: © Wolfgang Morell © The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst Bonn, 2015

Gemalt und gesprayt: Dr. Berlin von Sigmar Polke.

"Er hat wie ein Schwamm alles aufgesogen, was er an gesellschaftlichen Veränderungen beobachtet hat, und in Kunstwerke umgewandelt, die eine unglaubliche Eigenständigkeit haben", schwärmt Kuratorin Engelbach. Polkes Werk hält sie für einzigartig in der zeitgenössischen Kunst, den Einfluß des Künstlers auf nachfolgende Künstlergenerationen gleichsam für riesengroß.

Engelbach hat die Kölner Schau chronologisch gehängt, über deren Eingang sich – wie ein Warnhinweis - ein grell pinkfarbener Bogen spannt. Der erste Blick fällt auf Bilder von Oberhemden, Socken, Würsten und Schokolade. Wie die amerikanische Pop Art spießt Polke zunächst die Warenwelt der Konsumgesellschaft auf.

Sigmar Polke-Retrospektive in Köln. Foto: © Archiv der Sammlung Froehlich © The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst Bonn, 2015

Das Gemälde "Moderne Kunst" von 1968 gehört der Sammlung Froehlich in Stuttgart

Er nennt das "Kapitalistischen Realismus", als augenzwinkernden Gruß an den "Sozialistischen Realismus" des Ostblocks. Von da an entfacht er ein Feuerwerk aus Formen und Farben, Gemälden und Zeichnungen, Grafiken, Drucken, Skulpturen, Fotografien und Filmen: Polke, ein Pionier des Multimedialen, ein Allround-Künstler, der das Zeitgeschehen der alten Bundesrepublik reflektiert und ironisch kommentiert. Wie in jener abstrakten Konstruktion, in der ein Hakenkreuz durchscheint, während Kleckse, Flecken, Druckstellen und andere Fehler die schöne Ordnung stören.

Zwischen Witzbold und Alchimist

Abstrakt oder gegenständlich? Das sind Kategorien, die Polke nicht interessierten. Später experimentiert der Künstler mit Meteoritenstaub, Schneckensaft, Uran und hochgiftigem Kobaltnitrat. Er schafft Bilder, die sich je nach Temperatur oder Blickwinkel verändern. Am Ende malt Polke schöne Bilder – riesengroß und von starker Leuchtkraft. Für das Großmünster von Zürich schafft er Kirchenfenster. Sieht ihn die Kunstwelt anfangs als "Witzbold", so nennen sie ihn jetzt den "Alchemisten“. Dazwischen bleibt Polke, wie die Kuratorin zugibt, "ein einziges Rätsel". Als roter Faden durchzieht sein Schaffen der närrische Blick auf die Welt.

Deutschland Sigmar Polke-Retrospektive in Köln EINSCHRÄNKUNG

Der Künstler hatte die Videokamera immer dabei: Filmstill von Sigmar Polke.

"Höhere Mächte befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!" Das schrieb er in ein Bild, das prompt zu seinem bekanntesten wurde. Die Ironie sagt viel über Polkes künstlerische Haltung: Denn einordnen ließ sich der aus Niederschlesien stammende Sigmar Polke nicht. Dafür hielt er den Betrieb ordentlich auf Trab, mit immer neuen Ideen, und, wie Barbara Engelbach anerkennt, "mit einem Gespür für die Krisen der Zeit." Viele Bilder Polkes entstanden in Köln, was auch für seine Filme gilt, die nun erstmals in großer Breite vorgestellt werden. Das Museum Ludwig hat zur Ausstellung auch Werke aus der eigenen Sammlung beigesteuert.

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