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Nahost

Der Präsident und sein Herausforderer

Mir Hossein Mussawi ist nicht der einzige, aber mit Abstand wichtigste Gegenkandidat Ahmadinedschads. Der 67-Jährige propagiert den Wandel. Voraussichtlich wird die iranische Wahl zwischen den beiden entschieden.

Mir Hossein Mussawi (l.) und Mahmud Ahmadinedschad, Quelle: dpa

Mussawi: Konkurrenz für Ahmadinedschad

Zwei Jahrzehnte hat Mir-Hossein Mussawi im Hintergrund verbracht, nun ist er zurück auf der politischen Bühne als Präsidentschaftskandidat bei der Wahl am Freitag (12.06.2009) und als stärkster Konkurrent von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad.

Präsidentenschaftskandidat Mir Hossein Mussawi und seine Frau, Zahra Rahnaward, Foto: Ghalam

Ungewöhnliche Unterstützung: Mussawi und seine Frau im Wahlkampf

Mussawi blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Der 67-Jährige galt einst als Hardliner. Wie sein heutiger Rivale Ahmadinedschad war er ein glühender Verfechter der Islamischen Revolution und engagierte sich während des Studiums an der Teheraner Melli-Universität gegen das Schah-Regime. Damals wurde er Chefredakteur der Zeitung "Dschomhuri-e-Eslami", das damalige Sprachrohr der neuen klerikalen Machthaber. Für kurze Zeit war er Außenminister, bevor er von 1981 bis 1989 das Amt des Ministerpräsidenten innehatte.

Erfahrung als Ministerpräsident

In dieser Zeit verschaffte er sich Respekt, weil er vor allem in der Zeit des Krieges gegen den Irak (1980-88) und während des Niedergangs der iranischen Wirtschaft die Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellte, indem er Nahrungsmittel rationierte und Preiskontrollen einführte. Im Falle seines Wahlsieges wolle er die damals gewonnenen Erfahrungen zum Wiederaufbau der iranischen Wirtschaft nutzen, so Mussawi in seinem Wahlkampf.

Mohammed Chatami (l.) und Mir Hossein Mussawi, Foto: ap

Alte Weggefährten: Chatami und Mussawi

In seine Zeit als Ministerpräsident fiel allerdings auch die Hinrichtung zehntausender Oppositioneller und Regimekritiker. So wurden beispielsweise allein im Jahr 1988 bei einem Massaker in einem Teheraner Gefängnis geschätzte 30.000 Menschen getötet. Die Massenhinrichtungen zählen nach Angaben der Organisation amnesty international zu den schwersten Menschenrechtsverbrechen in der Geschichte der Islamischen Republik Iran. Unter den Opfern waren viele gewaltlose politische Gefangene, die wegen des Verteilens von Flugblättern, der Teilnahme an Demonstrationen oder der finanziellen Unterstützung von Familien der politischen Gefangenen inhaftiert waren. Von offizieller Seite wird bis heute über diese Verbrechen geschwiegen.

Hoffnung der Reformer

Mit dem damaligen Präsidenten, dem heutigen geistlichen Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Chamenei, stritt sich Mussawi als Ministerpräsident jedoch zunehmend um politische Richtlinienkompetenzen. Schließlich wurde das Amt des Ministerpräsidenten abgeschafft, und Mussawi wandte sich desillusioniert dem Reformlager zu. Er wurde Berater der Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani (1989-1997) und Mohammad Chatami (1997-2005). Letzterer hat seinem ehemaligen Berater im aktuellen Wahlkampf jetzt den Vortritt gelassen - er zog sich zugunsten der Kandidatur Mussawis aus dem Rennen zurück und fordert seitdem seine Anhänger zur Unterstützung Mussawis auf.

Anhängerinnen von Mussawi, Foto: ap

Mussawi hoff auf die Wählerstimmen der Frauen

Mussawi gilt als wenig charismatisch, dennoch setzt der reformorientierte Teil der iranischen Bevölkerung große Hoffnung in den erfahrenen Politiker. Vor allem bei Intellektuellen und Künstlern gilt der diplomierte Architekt und Maler sowie Leiter der iranischen Akademie der Künste als Favorit. Rund 800 iranische Künstler und Regisseure riefen gemeinsam zur Wahl Mussawis auf. Auch kann er auf die Stimmen vieler Wählerinnen hoffen, nicht zuletzt weil seine Frau Sahra Rahnaward ihn offen in seinem Wahlkampf unterstützt hat. Ein gemeinsam auftretendes Politikerpaar ist im Westen ein vertrauter Anblick in Wahlkämpfen. Im traditionellen Iran aber war dies etwas völlig Neues. Mit ihren Forderungen nach mehr Rechten für Frauen und umfassenden Reformen fördert sie das Image ihres Mannes, für mehr Gleichberechtigung im Falle eines Wahlsieges sorgen zu wollen.

Mussawi verfolgt zudem eine Abkehr von der konfrontativen Außenpolitik Ahmadinedschads. Im Wahlkampf kündigte er für den Fall seiner Wahl "eine Politik der Entspannung und Interaktion mit anderen Ländern" an. Mussawi lehnt Ahmadinedschads Holocaustleugnungen und die Israel-feindliche Politik ab. Ein Streitpunkt würde bei Mussawi auf internationalem Parkett jedoch bleiben: In der Atomfrage vertritt er die offizielle Linie, wonach der Iran sein umstrittenes Programm unabhängig von der internationalen Gemeinschaft auch in Zukunft fortführen soll. (ina/aa/dpa/afp/ai)

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