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Politik

Der Präsident, der aus dem Schatten kam

Enrique Bolaños hatte drei starke Verbündete: Die katholische Amtskirche, die Regierung der USA und die Angst der Nicaraguaner.

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Enrique Bolaños

Vor allem mit der Angst seiner Landsleute hat der 73-jährige Unternehmer vor dem Wahlsonntag gespielt: Dass die USA seinen Gegenkandidaten, den linken Sandinisten Daniel Ortega, für einen Terroristen halten und deshalb alle Hilfen streichen würden. Dass der Wehrdienst wieder eingeführt und dass es Krieg geben würde. Offenbar hat ihm das genützt.

Bis zu seiner Kandidatur war er Stellvertreter des noch amtierenden Präsidenten Arnoldo Aleman und stand stets in dessen Schatten. Sein bedeutendster öffentlicher Auftritt war die Einweihung der ersten Filiale der Fastfood-Kette Mc Donalds in der Hauptstadt Managua. Letztlich mag ihm das Schattendasein mehr genützt als geschadet haben: Als Figur am Rand war er in keinen der vielen Korruptionsskandale des Präsidenten verwickelt.

Integer aber unfähig?

Bolaños gilt deshalb als persönlich integer, aber auch als unfähig: Als Vorsitzender der staatlichen Anti-Korruptions-Kommission hat er nie etwas gegen die schamlose Bereicherung seines Chefs unternommen. Erst in den letzten Tagen vor der Wahl hat er sich deutlich von Aleman distanziert. Skeptiker befürchten, dass der stets freundlich wirkende alte Herr, der als Vizepräsident wenig zu melden hatte, auch als Präsident im Schatten seines Vorgängers stehen wird.

Bolaños wurde 1928 in Masaya nahe Managua geboren und wuchs in einer großbürgerlichen Familie auf. Nach einem Ingenieurstudium in den USA machte er als Agrarunternehmer Karriere und war zwischen 1983 und 1988 Präsident des Unternehmerverbandes. Während der Herrschaft der linksgerichteten Sandinisten in den 80er Jahren wurde er mehrfach verhaftet, und ein Teil seines Besitzes wurde enteignet. Der Liberalen Verfassungspartei (PLC) Alemans trat Bolaños, der früher den traditionell mit den Liberalen konkurrierenden Konservativen nahe stand, erst während seiner Regierungszeit bei.

Benötigt wird ein Konkursverwalter

Den Nicaraguanern hat Bolaños Wohlstand versprochen und dabei auf seinen eigenen Erfolg verwiesen. Mehrere Jahre war er Vorsitzender des nicaraguanischen Unternehmerverbandes. In der Zeit der sandinistischen Regierung (1979-1990) sind mehrere seiner Fabriken verstaatlicht und Teile seines persönlichen Vermögens beschlagnahmt worden. Bolaños selbst wurde zwei Mal inhaftiert. Seit dieser Zeit hegt er einen tiefen Hass gegen die Sandinisten.

Wenn Bolaños tatsächlich im Januar eine fünfjährige Amtszeit als Präsident antreten kann, wird weniger sein unternehmerisches Wissen gefragt sein. Nicaragua benötigt derzeit eher einen Konkursverwalter. Die Auslandsschulden des Landes übersteigen das jährliche Bruttosozialprodukt um das Dreifache. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt mit rund 1.000 Mark im Jahr noch hinter dem von Haiti. Haupteinnahmequellen des Landes sind internationale Hilfsgelder und die Überweisungen von Nicaraguanern im Ausland.