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Afrika

Der poetische Prinz

Er ist Professor, Poet, Schriftsteller und in seiner Heimat ein Prinz – Kum'a Ndumbe III. Mit 15 Jahren wurde er nach München auf ein Gymnasium geschickt - ohne ein Wort Deutsch zu können. Seitdem ist viel passiert.

Kum'a Ndumbe (Foto: AfricAvenir)

Für ein anderes Afrikabild: Kum'a Ndumbe III.

Prinz Kum’a Ndumbe III. hat ein Gedicht, eine Hommage an den senegalesischen Gelehrten Cheikh Anta Diop geschrieben. Er würdigt damit den geistigen Vater der afrikanischen Renaissance und die Vision eines selbst bestimmten und selbstbewussten Kontinents. Diese Vision ist auch das Leitbild der Stiftung AfricAvenir, die der Kameruner Politikwissenschaftler Anfang der 1990er Jahre gegründet hat.

Die zentrale Frage, die 1946 im ersten Aufsatz Cheickh Anta Diops auftauchte, sei immer noch die selbe wie heute: "Wie kann man zu einer Wiedergeburt Afrikas kommen, wo die Errungenschaften Afrikas seit Jahrtausenden wieder aufgenommen werden und mit den modernen Errungenschaften zu einer Synthese gebracht werden können?", so formuliert es Professor Kum’a Ndumbe. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit neuen Strukturen, der Geschichte des afrikanischen Kontinents, den Wunden der Kolonialvergangenheit und dem Abhängigkeitsverhältnis zum Westen. Der Kameruner Intellektuelle schreibt politische Essays und Theaterstücke, Gedichte und Erzählungen. Immer wieder fließen dabei auch seine eigenen Erfahrungen ein.

Ein kultureller Grenzgänger

Hörsaal und Kum'a Ndumbe (Foto: AfricAvenir)

In Deutschland ein Gelehrter, in Afrika ein Prinz

"Ich sitze zwischen den Kulturen", sagt Prinz Kum’a Ndumbe III. Er lebt in Kamerun und in Deutschland und bewegt sich immer zwischen diesen Welten. Im Laufe der Jahre werde es immer schwieriger sich zu definieren, sagt er und fügt hinzu: "Bin ich denn ein 100-prozentiger Afrikaner? Bin ich ein Europäer, Franzose, Deutscher?". Er sei einfach eine Mischung aus vielen Erfahrungen und verschiedenen Kulturkreisen. Prinz Kum'a Ndumbe III. bezeichnet sich deshalb als kultureller Grenzgänger. Er fühlt sich in Afrika ebenso zu Hause wie in Europa. Als Kind wird er in einem Kameruner Königshaus mit Tradition und Ritualen vertraut gemacht. Dann bekommt er eine europäische Ausbildung: Abitur in München, Studium und Promotion in Lyon, Habilitation in Berlin.

Widerstände in Deutschland

Kum'a Ndumbe (Foto: AfricAvenir)

Kämpft für die Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit

Der Weg war nicht einfach, vor allem in Deutschland wurden ihm, dem Afrikaner, immer wieder Steine in den Weg gelegt. Als Politikwissenschaftler kämpft er mit Widerständen an der Universität, als Schriftsteller mit der Engstirnigkeit der Verlage, als Mensch mit Vorurteilen in der Gesellschaft. "Habilitierter Professor, Dichter, Schriftsteller, das alles verschwindet. Ich werde einfach als Afrikaner behandelt, so wie man eben Afrikaner behandelt", erzählt der Kameruner Professor. Vor diesem Hintergrund sei es schwierig zu einem Miteinander, einem Dialog zu kommen. "Aber nur durch einen Dialog können wir zu einer Versöhnung kommen." Sein Ziel ist die Versöhnung, ein Dialog auf Augenhöhe zwischen Afrikanern und Europäern und dieses Ziel verfolgt Professor Kum'a Ndumbe seit Jahrzehnten. Deutschland aber hinke in dieser Entwicklung anderen europäischen Ländern wie Frankreich hinterher, kritisiert er. Die Deutschen wüssten nichts über die deutsche Vergangenheit in Afrika, das sei seine Erfahrung als Hochschullehrer. Damit müssten sich die Politiker endlich auseinandersetzen, fordert der Prinz. Die gemeinsame Vergangenheit müsse aufgearbeitet werden.

Der Weg zum Dialog

Frau und Kum'a Ndumbe (Foto: AfricAvenir)

Vor allem der Dialog der Kulturen ist Kum'a Ndumbe wichtig

Der erste Schritt dazu ist der Dialog, die Begegnung, davon ist Prinz Kum'a Ndumbe III. überzeugt. Zu genau solch einem kulturellen Austausch und einer kritischen Aufarbeitung der Vergangenheit und der Gegenwart sollen die Veranstaltungen von AfricAvenir in Berlin, Douala und Windhuk einladen. Doch bis dahin sei es ein weiter Weg, denn die Leute seien noch nicht bereit für einen Dialog mit Afrika und mit Afrikanern, sagt er. Zu tief sitze die Überzeugung, dass man hier alles habe, Geld und Kultur, während die Afrikaner Hilfe bräuchten. Diese Grundhaltung verhindere den Dialog. Dieses hilfsbedürftige Afrika sei ein wichtiges Bild für die Politik. Aber das Afrika, das sich selbstständig aufbaut, passe noch nicht ins Konzept. Man habe also noch gar nichts aufgearbeitet, bilanziert der Politikwissenschaftler.

Auch Afrikaner müssen umdenken

Doch ihre Vergangenheit aufarbeiten und die Weichen neu stellen, das müssen auch die Afrikaner, sagt der Professor. Zum Beispiel in den Schulen, an denen Kinder noch immer in den Kolonialsprachen mit europäischen Lehrbüchern unterrichtet werden. Kum'a Ndumbe spricht von einem intellektuellen Genozid, da diese Menschen, die so ausgebildet würden, unfähig seien, ihre Länder weiterzuentwickeln. Sie seien außenorientiert und wüssten nichts von ihren eigenen Realitäten, kritisiert er. Um das zu ändern, arbeitet seine Stiftung in Douala sehr viel mit Märchen. Afrikanische Märchen in afrikanischen Sprachen stellen eine völlig andere Welt dar, eine andere gesellschaftliche Struktur und eine andere politische Konzeption. "Durch diese Märchen kommt das reale Afrikanische und das geht nur in den einheimischen Sprachen", sagt Prinz Kum'a Ndumbe III. Und das sei die Richtung der kulturellen Renaissance.

Autorin: Leonie March

Redaktion: Michaela Paul

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