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Kultur

Der "Pionier des Privatradios" geht

Bisher hielt Georg Gafron die Medienmacht in Berlin geballt in seinen Händen. Er war Chef eines Nachrichtenradios, eines Fernsehsenders und einer Zeitung. Damit ist jetzt Schluss, Gafron legt zwei seiner Ämter nieder.

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Der "B.Z." bleibt Gafron treu

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Georg Gafron galt als einer der einflussreichsten Medienmacher in Berlin. Als Chefredakteur der Boulevardzeitung "B.Z." sowie Geschäftsführer des Nachrichtenradios Hundert,6 und des lokalen Fernsehsenders TV.Berlin konnten Zeitungsleser, Radiohörer und Fernsehzuschauer Gafron als markigen Konservativen erleben. An diesem Dienstag (23. April 2002) verkündete der 47-Jährige, dass er seine Posten in den beiden Sendern niederlegt. Hundert,6 soll nach bisher unbestätigten Berichten verkauft werden. Der Sender gehört zu hundert Prozent Thomas Kirch, dem Sohn von Leo Kirch. Im Zusammenhang mit der Pleite der Kirch Media AG war auch der Verkauf von TV.Berlin im Gespräch.

Konsequenzen aus dem Kirch-Niedergang

Mit flotten Sprüchen und kernigen Worten hat Gafron immer wieder von sich Reden gemacht. Noch bis in diese Tage hatte der gelernte Buchdrucker aus Ost-Deutschland seine Freundschaft zum mittlerweile insolventen Medienmogul beschworen. "Der gemeinsame Untergang mit einem Unternehmer wie Leo Kirch - selbst der ist noch eine große Ehre, gemessen am jämmerlichen Dasein so vieler anderer", hatte er erklärt. Nun hat Gafron offenbar für sich die Konsequenzen aus dem Kirch-Niedergang gezogen.

Um 17 Uhr wurde das Deutschlandlied gespielt

Dabei kann Gafron, der 1974 im Kofferraum eines Autos in den Westen flüchtete, auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Nach einem Blitzstart beim früheren West-Berliner Radiosender Rias wurde er 1987 erster Chefredakteur von Hundert,6. Damals musste sich die Station die Frequenz mit dem links-alternativen Radio 100 teilen. Wenn um 17 Uhr Gafron die Regie übernahm, ging zunächst erst einmal das Deutschlandlied über den Äther.

Härtester Radiomarkt der Republik

Unter Gafron wurde Hundert,6 zum damals meist gehörten Sender West-Berlins. Doch vier Jahre nach dem Mauerfall kam die Ernüchterung. Mit immer mehr Privatsendern wurde Berlin zum härtesten Radiomarkt der Republik. Thomas Kirch stieg beim Sender ein, die Kirch-Gruppe kaufte danach den Stadtkanal Puls TV und führte ihn als TV.Berlin weiter. Gafron übernahm auch bei TV.Berlin das Zepter. Doch der Erfolg blieb bei einem Marktanteil von derzeit 1,7 Prozent aus. Auch bei Hundert,6 ging die Zuhörerzahl zurück.

Gafron hielt seine Sender im Gespräch

Mit lautstarken Medienkampagnen hat Gafron immer wieder seine Sender ins Gespräch gebracht, Meinungen polarisiert. So geißelte er den früheren rot-grünen Berliner Senat und rief bei der jüngsten Wahl zum Abgeordnetenhaus in großen Plakaten dazu auf, die PDS als "Feinde der Freiheit" mit Nicht-Wahl zu bestrafen.

Auch die "B.Z." verlor an Auflage

Als "B.Z."-Chefredakteur hat Gafron zwar mehr Berlin-Themen in das Blatt gebracht, den Auflagenschwund aber dennoch nicht aufhalten können. Die Zeitung verlor im ersten Quartal 2002 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum 11,1 Prozent ihrer Auflage. Seinen Job bei der "B.Z.", ein Amt, das er nach Ansicht von Branchenkennern dem Einfluss des damaligen Springer-Großaktionärs Leo Kirch verdankt, wird er derzeit aber nicht aufgeben. "Herr Gafron ist und bleibt Chef der "B.Z.", sagte eine Sprecherin des Axel Springer Verlages. dpa/(pg)

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